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St. Willehadkirche: Eine Vielfalt von klanglichen Registern

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 25.Nov.2014 | 12:24 Uhr

„Gottes Gerechtigkeit“, so lautete das Thema des anspruchsvollen Konzertes, das die im laufenden Kalenderjahr von Kantor Thomas Hansen gegründete „Nordfriesische Compagney“ in der Lecker St. Willehadkirche darbot. Das gastgebende Ensemble ist ein Zusammenschluss von musikbegeisterten Menschen, die sich ganz der vokalen und instrumentalen Interpretation von Kompositionen aus der frühen Barockzeit (um 1700) gewidmet haben, ohne einem Träger anzugehören. Das Ziel der Sänger und Instrumentalisten ist, aus der Vielzahl der Werke dieser Epoche erlesene Beispiele historisch korrekt – so authentisch wie möglich – zu präsentieren.

Thomas Hansen hieß die rund 80 erschienenen Zuhörer willkommen und erläuterte ihnen einige Besonderheiten des verwendeten Instrumentariums, zum Beispiel die Bespannung der Barockstreichinstrumente mit Darmsaiten, die von der heutigen Norm abweichende Mensurierung der Blockföten und die der Renaissance-Musik angepasste Stimmung der Truhenorgel. In ständig wechselnden Besetzungen traten auf: die Vokalisten Carola Jäckel und Angela Karde (Sopran), Angie Henschen (Alt), Dietmar Steenbuck (Tenor), Michael Busse (Bariton) sowie Thomas Hansen (Bass). Wenn sie nicht a cappella sangen, wurden sie begleitet von Kent Pegler von Thun (Blockflöte), Cornelia Kempf und Markus Pertiet (Violinen), Susanne Stefa Seidl (Theorbe) Dirk Jacobsen (Violoncello), Suanne Horn (Gambe und Violone) und Hartmut Friedel (Truhenorgel). Thomas Hansen betätigte sich abwechselnd als Dirigent, Sänger oder zweiter Blockflötist. Zum Auftakt erklang – die vierstimmige, sehr ruhige „Sinfonia Nr. 8“ von Hieronymus

Kapsberger, gefolgt von dem ohne Instrumentalbegleitung vorgetragenen Vokalsatz von Henry Purcell: „Man, that is born of woman“. Der auf Hiob beruhende Text stellt die Situation des Menschen fest, der sich nach seinem Tode dem gerechten Urteil seines Schöpfers zu stellen hat. Mit dem „Actus Musicus de Divite et Lazaro“ von Andreas Fromm stellte die Nordfriesische Compagney eines der ältesten deutschsprachigen Oratorien vor, das davon berichtet, dass der arme Lazarus nach schweren Leiden ins Paradies getragen wird, während ein Reicher in die Verdammnis fällt. Von den 15 Titeln des klangschönen Werkes gefielen besonders die Arien und Rezitaive der erfreulich klar singenden Rollenträger, ein tänzerisches „Sauf-Lied“ und der von großer Freude zeugende Schlusschor: „Singet, springet, jubilieret!“ Der Instrumentalkreis überzeugte durch saubere Intonation und eine Vielfalt von klanglichen Registern. Ein Chorsatz von Andreas Hammerschmidt brachte dessen Freude über das „Wunder“ zum Ausdruck, dass Jesus Christus in die Welt gekommen ist.

Als ein Hörgenuss erwies ich auch die von Johann Phillip verfasste Kantate „Rufet nicht die Weisheit“, deren an Klangfarben reicher Schlusschor aussagt: „Herr, mich verlanget nach deinem Heil!“ Bei zwei geistlichen Konzerten – „Wo Gott der Herr nicht bei uns hält“ von Heinrich Schütz für drei Frauenstimmen und Continuo sowie „Siehe, wie fein und lieblich“ von Johann Vierdanck für zwei Männerstimmen und Instrumente – nutzten die gut miteinander harmonierenden Solisten die Gelegenheit, ihr Können überzeugend unter Beweis zustellen. Mit ihrer leidenschaftlichen Interpretation des doppelchorigen Satzes „Jam non dicam“ von Giovanni Gabrieli begeisterten die Sänger und Instrumentalisten ihr Publikum so sehr, dass dieses sich noch eine Zugabe erklatschte: „Was mein Gott will“ von Adam Gumpelzhaimer.

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