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Strandsegler : St. Peter-Ording lädt zur Pfingstregatta

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Bei der traditionellen Pfingstregatta in St. Peter-Ording kämpfen die deutschen Strandsegler auch um einen Startplatz bei der EM. Die Zuschauer erwartet ein internationales Starterfeld.

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erstellt am 17.Mai.2013 | 02:17 Uhr

St. Peter-Ording | Erst sind es nur kleine schwarze Striche, die senkrecht in den Himmel stechen. Dort, wo der endlos scheinende Strand von St. Peter-Ording in den Horizont übergeht. Doch schnell werden sie größer, ein leises sonores Surren lauter. Muschelschalen bersten auf dem harten Sand, in den Prielen spritzen Wasserfontänen in die Höhe. Sekunden später sind die schwarzen Striche schon als Masten zu erkennen. Mit weit über 100 Stundenkilometern kommen sie fast lautlos näher.
Die kräftige Seebrise zerrt an Schoten und Wanten, umströmt die flachen Segel wie eine Tragfläche und peitscht die flachen Kohlefaserboliden über die Sandbank. In den Wenden und Halsen schliddern die dreirädrigen Wagen in atemberaubenden Zweikämpfen über den Strand, steigen mit einem Rad dramatisch in die Höhe, um dann vom Piloten gefühlvoll wieder auf den Boden gesetzt zu werden. Am 18. und 19. Mai ist es wieder soweit: Dann trifft sich die europäische Strandsegel-Elite zur traditionellen Pfingstregatta in St. Peter-Ording.

Europas anspruchvollstes Revier


Segler aus Frankreich, Belgien, Dänemark und erstmals aus Griechenland werden in diesem Jahr erwartet. Die Regatta gilt als Generalprobe für die Strandsegel-Europameisterschaft, die vom 20. bis 27. September ebenfalls in St. Peter-Ording ausgetragen wird. Die Sandbänke vor der Halbinsel Eiderstedt sind anspruchsvoller als jedes andere Revier in Europa. Während eines Rennens kann sich die Piste stark verändern. Das abfließende Wasser gibt immer neue Sandbänke frei, Priele schlängeln sich durch die kilometerlange Strecke, verebben oder verwandeln sich in knietiefe Ströme.
Für die deutschen Piloten, so werden die Strandsegler offiziell genannt, ist die Pfingstregatta nicht nur Teil des Eurocups, einer Serie, die an verschiedenen Stränden in ganz Europa ausgetragen wird, sondern auch Qualifikationsrennen für die EM. Nur die zehn besten Piloten einer Klasse dürfen bei den Titelkämpfen starten. Und so sind am kommenden Wochenende heiße Rennen um die EM-Tickets garantiert.

Schnellste Sportart unter Segeln


In der Klasse 5, der sogenannten Konstrukteursklasse, geht es bereits Pfingsten um Edelmetall. Die Regatta ist zeitgleich die Deutsche Meisterschaft. Als Favorit gilt Titelverteidiger Sven Kraja vom Yachtclub St. Peter-Ording, der sich gegen die Konkurrenz aus Borkum, Langeoog und Norderney behaupten muss. Der Segelmacher aus Schleswig ist amtierender Weltmeister in der neuen Klasse Miniyachten. Vergangenes Jahr schaffte Kraja es erstmals, einen WM-Titel nach Deutschland zu holen. Und das ausgerechnet im Mutterland des Strand segelns, in Frankreich.
Für Zuschauer ist also einiges geboten, sofern der Wind kräftig bläst. Strand segeln ist die schnellste Sportart unter Segeln. Mit bis zu 130 Stundenkilometern brettern die hochgerüsteten Boliden über die harten Sandbänke, fliegen dabei teilweise meterweit durch die Lüfte, wenn sie auf eine Prielkante knallen. Harte Zweikämpfe, spektakuläre Szenen und dramatische Manöver bestimmen den Sport.

Sportart hat sich professionalisiert


Am Pfingstwochenende wird in fünf Klassen gestartet. Diese unterscheiden sich in der Konstruktion der Segelwagen, in Material und Segelfläche. Waren Strandsegler vor einigen Jahren noch Eigenkonstruktionen der Segler, hat sich die Sportart mittlerweile professionalisiert. In der Klasse 3, der sogenannten Formel 1 des Strandsegelns, die derzeit in Deutschland ausschließlich in St. Peter-Ording gesegelt wird, kostet ein neuer Strandsegler beispielsweise um die 16.000 Euro.
Start der Pfingstregatta in St. Peter-Ording ist am Sonnabend um 11.30 Uhr, am Sonntag um 12.15 Uhr auf der Sandbank südlich der Badestelle Bad.
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