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Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 21:45 Uhr

Vernissage : Spuren in der Leere

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Haizmann-Museum zeigt noch bis zum 15. Januar eine eindrucksvolle Ausstellung von Werken Kai Sudecks

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2015 | 18:52 Uhr

Jahresausklang im Richard Haizmann Museum: Museumsdirektor Dr. Uwe Haupenthal präsentierte jetzt Kai Sudeck. Ein Maler und Grafiker aus Lübeck, einer der großen, vielleicht ein wenig verkannten norddeutschen Künstler.

Kai Sudeck zählte in den frühen 60er Jahren zu den profilierten Newcomern aus Deutschland auf der internationalen Kunstszene. Uwe Haupenthal hat ihn wiederentdeckt, mit einer langen Vorlaufzeit. „Es hat 20 Jahre gedauert“, so der Hausherr, „immer wieder wurde ich auf ihn aufmerksam, so zum Beispiel auf der Nordart 2002. Dort waren einige seiner Arbeiten zu sehen. Ich hatte Kontakt mit seinem Bruder, der dann verstarb.“ Wieder verging Zeit. 2012 kam durch Renate Kammer ein weiterer Anstoß. Die bekannte Galeristin zeigte seinerzeit in Hamburg die Ausstellung „Kai Sudeck: Die Erregung durch die Stille – Zeichnungen, Mischtechniken“.

Zur Vernissage kamen neben vielen Kunstinteressierten aus der Region auch Freunde des Künstlers, der 1995 verstarb. Renate Kammer war ebenso in Niebüll zugegen wie Professor Dietrich Helms; ein Sudeck-Kenner der ersten Stunde und Kollege an der Hamburger Kunsthochschule am Lerchenfeld, als auch der Sohn, Dr. Hinrich Sudeck.

Die Ausstellung in Niebüll überzeugt durch die Gesamtschau, die der Besucher hat. Keine Schaffensphase wurde ausgespart. Von der realistischen Darstellung – hier ähneln die fast volkstümlichen Motive Arbeiten den Rummelpottbildern seines Lehrer Grimm – über figurale Werke bis hin zur Reduktion. „Zurücknehmen, um an Schärfe zu gewinnen“, so Sudecks Ansatz. Intensität durch Reduktion in Ausdruck und Farbe. Kai Sudeck lebte im Einklang mit der Natur und schuf sein Werk vor allem in diesem Sinne. Er beobachtete die Natur mit ihren Geheimnissen und entdeckte Strukturgesetzlichkeiten, die sich in seinen künstlerischen Bemühungen deutlich niederschlugen.

Zu sehen sind überwiegend schwarzweiße Werke aus Sudecks verschiedenen Schaffensphasen. Mit Tusche, Kohle, Filzstift oder Gouache hat Kai Sudeck informelle Bildwelten aus aneinander gereihten, sich wiederholenden Formen komponiert. Entstanden sind unter anderem Kalligraphien mit spontan aufgetragenem, pastosem Pinselstrich, fein ausgeführte, fast malerische Darstellungen, aber auch rhythmisch gegliederte Zeichnungen. „Sudecks Arbeiten können jedoch nicht als reine Zeichnungen kategorisiert werden“, sagte Uwe Haupenthal. „Sie haben eine Mittelstellung zwischen Zeichnung und Gemälde, sie atmen einen freien Geist, der über die Zufälligkeit des Informel hinausgeht.“

Die Bildbetrachtung ist eine Reise durch die Entwicklungsgeschichte eines Künstlers. Es ist spannend zu sehen, wie Kai Sudeck auf Kunstströmungen wie Informel, Art Brut und Kubismus reagiert, bildnerisch zwischen Leere und Nähe changiert, um einen ganz eigenen Blickwinkel in individueller Balance zu finden. Im ausgezeichneten Katalog kann der Interessierte sich auf die Spuren des bemerkenswerten Künstlers begeben. Die Ausstellung im Richard Haizmann-Museum läuft bis zum 15. Januar.
 





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