125 Jahre : Sprünge über Tisch und Bänke

Im TSV Rotweiß Niebüll treiben 900 Kinder und Jugendliche Sport.
Im TSV Rotweiß Niebüll treiben 900 Kinder und Jugendliche Sport.

Eine Gruppe junger Burschen sorgte 1889 für die Gründung des Turn- und Sportvereins: 2014 feiert Rotweiß Niebüll Jubiläum

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07. November 2013, 08:00 Uhr

Im nächsten Jahr feiert der Turn- und Sportverein Rotweiß Niebüll sein 125-jähriges Bestehen. Die Vorbereitungen auf das Jubiläum sind in vollem Gange. Ein Organisationsteam macht sich Gedanken über eine Fest- und Aktionswoche im September 2014. Der Vereinsgeburtstag fällt in eine Zeit, in der konkret auch über eine dringend notwendige Verbesserung des Angebots an Sportstätten nachgedacht wird

Doch vorerst ist für die „Rotweißen“ aus der sportfreudigen 9700-Einwohner-Stadt Anlass, Rückschau auf 125 Vereinsgeschichte zu halten. Als man längst von Friedrich Ludwig Jahn, dem „Turnvater“ aus der Berliner Hasenheide, wusste und Orte wie Bredstedt, Tondern, Friedrichstadt, Husum, Keitum und Westerland schon einen Turnverein hatten, zog man auch in Niebüll nach.

Es begann im Januar 1889 in der Gaststube des Landschaftlichen Hauses, wo eine Schar junger Burschen beim Punsch saß, sich die Köpfe heiß redete und – vom Sitzen steif geworden – dem natürlichen Bewegungstrieb folgte. Statt sich zu prügeln, sprangen die jungen Leute über Tische und Stühle und beschlossen, nachdem sich ihre Gemüter abgekühlt hatten, einen Turnverein zu gründen. Das passierte am 9. Februar 1889.

Weil Turnen reine Männersache war, erhielt der Verein den Namen Männerturnverein – kurz MTV. Die Namensliste unter den Statuten führte der Buchdrucker und Redakteur Christian Jessen an. Erster Vereinsvorsitzender wurde der Amtsvorsteher Carl-Friedrich Jannsen.


Spärliche Protokolle


Fünf Jahre später begann der Katastergehilfe Lewe Ingwersen Protokolle zu schreiben. Sie blieben fortan zwar spärlich. Doch die Nordfriesische Rundschau, eine der Vorgängerinnen des Nordfriesland Tageblatts, berichtete laufend über das Vereinsgeschehen, in dessen Mittelpunkt das Turnen stand.

Mit der Zeit kamen Turn- und Mannschaftsspiele hinzu wie Schlag-, Völker- und Faustball. 1929 feierte der MTV Niebüll sein 40-jähriges Bestehen. Jährlich fanden Gauturnfeste statt. 1910 nahm der MTV erstmals an einem Kreisturnfest in Tondern teil. In den 1930er Jahren wurde aus dem MTV eine Turn- und Sportgemeinschaft, nach dem Krieg der TSV und neben diesem zeitweilig der Fußballverein FC Rotweiß, der sich dann jedoch mit dem TSV zum heutigen TSV Rotweiß zusammenschloss.

König Fußball begann erst nach dem Krieg Fuß zu fassen, nachdem Handball bereits lange zuvor gespielt worden war. Lange Zeit gehörten die Niebüller Kicker zu den führenden Mannschaften im Norden des Landes, hatten in Freundschaftsspielen deutsche Spitzenteams wie den HSV, Werder Bremen und Bayer Leverkusen zu Gast.

Aus der Fußballabteilung gingen Spieler wie Erwin Scheffler (1. FC Kaiserslautern) und Bodo Schmidt (Borussia Dortmund) hervor. Handball spielte der TSV Rotweiß auf dem Großfeld in der damaligen Landesliga und war später auch nach strukturellen Änderungen in dieser Sportart erfolgreich.

Der Verein brachte auch viele Spitzensportler hervor. In der Leichtathletik Ruth Klüver und Astrid Conradi (damals Beiersdorf), im Boxen Dieter Stümer und Günter Runge und im Schwimmen über Jahre hinweg gleich eine Vielzahl von Landes- und deutschen Meistern in ihren Altersklassen. Sie alle hatten ihre Erfolge guten Trainern und Übungsleitern zu verdanken. Doch das Hauptgewicht der Vereinsarbeit lag immer auf dem Breiten- und Gesundheitssport in all seiner Vielfalt.

Seit Gründung hatte der Verein von Carl-Friedrich Jansen bis Hans Detlef Thiesen 21 Vorsitzende – unter ihnen Alwin Lensch, Fritz Hadenfeldt, Kurt Jacobi, Kurt Groeger, „Fiete“ Moseberg, Günter Friedrichsen, Udo Schmäschke und Ernst Hinrichsen.


Sport in 22 Sparten


Aktuell (Stand 1. November) zählt der TSV Rotweiß Niebüll 2034 Mitglieder, darunter 900 Jugendliche. Spiel und Sport werden in 22 Abteilungen angeboten. Tür und Tor bleiben jedoch neuen Trends stets weit offen – wie zurzeit tänzerischen Offerten wie Line Dance oder Zumba, die jüngst allein 80 neue Mitglieder auf den Turnboden lockten.

Sport im TSV ist nicht nur Sache der Jugend. Der Verein trägt auch dem demografischen Wandel Rechnung und bietet Gymnastik und Bewegung auch der älteren Generation an.

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