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Knochenbrecher zu gast : Sprechstunde bei Tamme Hanken

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

150 Besucher verfolgten im Herrenkoog gespannt die Arbeit des bekannten Ostfriesen mit Hunden und Pferden.

von
erstellt am 26.Feb.2015 | 08:15 Uhr

Eine schier unendliche Ruhe strahlt er aus, prüft Ross und Reiter, beider Körperhaltung, die Ausrüstung. Tamme Hanken fühlt, betrachtet, tastet Wirbelsäulen ab, renkt die in den Hundebeinen verschobenen Glieder ein – er fragt, hört gut zu und gibt Tipps. Dann wieder sitzt ihm der Schalk im Nacken, und der bekannte 54-jährige „Knochenbrecher“ aus Filsum in Ostfriesland schießt lustige Bemerkungen in die Runde. Gut 150 Beobachter und Tierbesitzer haben sich in einem der Ställe von Kathrin und Carsten Broder Jensen im Herrenkoog versammelt. Acht Pferde und zwölf Hunde soll sich Tamme Hanken an diesem Nachmittag ansehen.

Tinker Max (13) hat Mauke, eine Hautentzündung in der Fesselbeuge. Tamme Hanken sieht sich die Stellen an, was bei dem Bewuchs schwieriger ist, als bei anderen Pferden. „Mit Lauge und einem Handtuch die Stellen abreiben – viel mit Honig arbeiten“, rät er der Besitzerin Lisa. „Und: Du musst ihn viel im Schritt bewegen.“ Mit einer Handy-Taschenlampe sieht er Max in die Augen, um zu sehen „ob er noch was hat“, lässt ihn auf und ab gehen. Dann nimmt er sich einen kleinen Ballen des Pferdemistes und sieht ihn sich kritisch an. „Blutwürmer“, sagt Tamme Hanken. „Sie machen ein Pferd schlapp.“ Er empfiehlt dringend eine Wurmkur. Außerdem hat Max ein leichtes Magengeschwür.

Haflinger-Stute „Sojo“ ist 16 Jahre alt. „Darf ich mit ihr Springen?“, will Besitzerin Toni wissen. Tamme Hanken sieht sich das Tier an und muss nicht lange überlegen. „Jetzt brauche ich erst einmal den Sattel“, sagt er. „Siehst du das? Er hängt auf dem Widerrist. Und das ändert sich auch nicht, wenn man ihn hinten auspolstert. Der Sattel passt nicht, und er ist auch nicht passend zu machen.“ Dann sieht er sich die 13-jährige Besitzerin an. „Du bist sehr groß. Und dieses Pferd ist für so ein großes Mädchen zu klein.“ Er wendet sich an die Zuschauer: „Ihr habt eine der schönsten Sportarten, die es gibt. Denkt immer an eure Rücken. Die Bewegung des Pferdes muss sich auf den Reiter übertragen können.“ Hier fehle die Harmonie. Daher macht sich Hanken Sorgen um die Gesundheit der Reiterin: „Probleme im Sakralgelenk, Rücken und bei den Schulterblättern sind bei dir vorprogrammiert.“ Der Experte lässt Sojo auf und ab, auch ein paar Schritte rückwärts gehen. „Das sieht gut aus“, sagt er, aber sein Rat steht fest: „Ich bin immer der Kumpel von dem Pferd. Dieses hier ist nur ein Übergangspferd für dich. Seine Bewegungen sind zu schnell für dich. Springen würde ich an deiner Stelle mit ihr nicht. Kauf’ dir einen Holsteiner oder etwas Ähnliches.“ Und dann wendet er sich an eine Beobachterin und sagt mit einem schelmischen Lachen: „Oma, durchatmen, Pferdehändler nehmen nicht nur Geld, auch Immobilien.“

„För een Hund kockt man nich“, sagt Tamme Hanken mahnend zu Gisela Christiansen aus Enge-Sande, als sie ihm erzählt, was Mischlingshündin Lea (7) so frisst: morgens und mittags, was auf den Tisch kommt. Er rät vom Trockenfutter ab, favorisiert rohes Fleisch, das man vorher gären lassen sollte. So komme es auch in der Natur vor. Zwei bis drei Mal im Jahr sollte das Tier Blättermagen fressen. Auch Gemüse sei gut. „Aber es muss noch Biss haben.“

Hundedame „Sammy“, ein Bordercollie-Münsterländer-Mix, sitzt zitternd auf dem Tisch. „Alles mit Tierarzt findet sie nicht gut“, sagt Besitzerin Wenke Predel aus Leck. Sammy hat schuppige Haut. Rohes Fleisch und Gemüse bekommt sie. Hankens Vorschlag: Kürbiskernöl, frischen Blättermagen und täglich eine 0,33 Liter-Flasche Malzbier. Keine „Getreidegeschichten“, und auch die Omega-3-Fettsäuren in Fisch könne kein Hund verarbeiten. Hanken entdeckt noch mehr. Sammy hat sich einen Zeh ausgekugelt. „Das muss irgendwo passiert sein, wo sie links abgebogen und ins Rutschen gekommen ist.“ Egal, ob es der humpelnde Deutsche Drahthaar „Ces“ ist oder die lahmende, zehn Jahre alte Yorkshire-Terrier-Dame, die eigentlich aus einem Tierheim von der Insel Lanzarote stammt: Tamme Hanken weiß Rat, und die Tierbesitzer schätzen ihn. Sein Grundsatz: „Ihr müsst die Tiere Tiere sein lassen. Ihr füttert sie krank.“

Tamme Hanken, geboren 1960, ist gelernter Landwirt. Seine Fertigkeiten als traditioneller ostfriesischer Knochenbrecher hat er von seinem Großvater erlernt. In Filsum betreibt er mit seiner Ehefrau Carmen einen Pferdehof. Den größten Teil des Jahres aber ist er im In- und Ausland unterwegs, wo seine chiropraktischen Fähigkeiten gefragt sind. Die Kosten für die Behandlung betragen 80 Euro pro Hund, 180 pro Pferd. Tamme Hanken ist ein häufiger Gast im Fernsehen (55-teilige Doku-Soap „Der XXL-Ostfriese“, 4. März, 21 Uhr, NDR); Mehr unter www.der-xxlostfriese.de.

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