"Sprachenland Nordfriesland" als Weltkulturerbe?

Prof. Thomas Steensen Foto: hn
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18. Januar 2012, 03:59 Uhr

BREDSTEDT | Soll die weithin einzigartige sprachliche Vielfalt Nordfrieslands als "immaterielles Weltkulturerbe" bei der Unesco angemeldet werden? Dieser Gedanke kommt aus dem Nordfriisk Instituut in Bredstedt.

Dessen Direktor, Professor Dr. Thomas Steensen, der 1997 die Aktion "Sprachenland Nordfriesland" initiierte, sieht in der sprachlichen Situation ein "Alleinstellungsmerkmal". "Dass auf engstem Raum fünf Sprachen beheimatet sind, gibt es kaum irgendwo sonst in Europa", sagt er. Steensen nennt Friesisch, Süderjütisch (Plattdänisch), Niederdeutsch, Hochdeutsch und Dänisch. Friesisch als ursprüngliche Sprache Nordfrieslands sorge dabei für besondere Farbigkeit, denn sie sei die am stärksten aufgegliederte germanische Sprache und bestehe aus verschiedenen Ausprägungen.

Welche Vorteile verspricht sich Thomas Steensen von einer Anmeldung bei der Unesco? "Dadurch würde viel Aufmerksamkeit auf die vielfältige Kultur Nordfrieslands gelenkt werden", meint er. Die Bemühungen um den Erhalt der Sprachen würden gestärkt. Dies sei von besonderer Bedeutung, denn die noch bestehende Vielfalt sei stark bedroht. Der Direktor des Nordfriisk Instituut hofft, dass der Kreis Nordfriesland und das Land Schleswig-Holstein sich das Anliegen zu eigen machen.

Vor zehn Jahren hatte Steensen sich dafür eingesetzt, dass das Wattenmeer nicht nur als Weltnatur-, sondern auch als Weltkulturerbe anerkannt werden soll. "Ich meine heute noch, dass dies der richtige Weg gewesen wäre", sagt er. Denn große Teil des Wattenmeers seien nun einmal eine untergegangene Kulturlandschaft. Die Bedeutung der Kultur aber gerate immer wieder aus dem Blick - "leider gerade in Schleswig-Holstein", meint Steensen, der auch dem Vorstand des Landeskulturverbandes angehört. "Auch wenn sich hier nur mittelfristig etwas erreichen lässt, sollte immer wieder auf die kulturelle Bedeutung des Wattenmeerraums hingewiesen werden."

Was aber die Sprachen angeht, sollte man rechtzeitig tätig werden, meint Steensen. Er will das Thema bei der nächsten Sitzung des Aktionsausschusses "Sprachenland Nordfriesland" zur Sprache bringen. "Ich glaube nicht, dass eine Sprache allein von der Unesco anerkannt wird, aber gemeinsam haben wir vielleicht eine Chance."

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