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Mensch des Jahres : Sprache als Schlüssel zur Integration

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ibrahim Alsunaidar engagiert sich ehrenamtlich als Kultur- und Sprachmittler in Leck – und ist eine wertvolle Unterstützung in der Gemeinde

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2015 | 05:00 Uhr

„Ich bin glücklich, dass ich anderen Menschen helfen kann“, sagt Ibrahim Alsunaidar. Eine wahre Odyssee hat ihn und seine Familie aus dem Jemen über Ägypten, Schweden und Tschechien nach Schleswig-Holstein geführt. Seit gut einem Jahr leben die Alsunaidars in Leck – und besonders Vater Ibrahim ist zu einer wertvollen Unterstützung für andere Flüchtlinge und die Gemeinde Leck geworden. Ibrahim Alsunaidar engagiert sich ehrenamtlich als Dolmetscher, spricht fließend Englisch und kann sich in allen arabischen Dialekten verständigen. Zudem lernt er wie seine Frau und seine sechs Kinder fleißig Deutsch. „Ich wüsste gar nicht, was ich ohne ihn machen sollte“, sagt Lecks Flüchtlingskoordinatorin Monika Hahn-Nanninga, es würde häufig einfach viel zu lange dauern, bis ein hauptamtlicher Dolmetscher verfügbar sei.

Im Jemen hat Ibrahim Alsunaidar eine Ausbildung im Business-Bereich absolviert und am Flughafen der Hauptstadt Sana gearbeitet. Krieg und Terror ließen die Familie um ihr Leben fürchten – die Flucht blieb der letzte Ausweg, zunächst nach Ägypten. Dort nahm Vater Ibrahim jeden Job an, legte Ersparnisse an, um nach Europa gelangen zu können. Schweden und Tschechien waren weitere Stationen. Ein langer Weg nicht ohne Sorge, Leid und schmerzliche Verluste liegt hinter der Familie, in deren Heimatland weiterhin Krieg tobt. In Leck fühlen sie sich angekommen – und für Ibrahim Alsunaidar ist es Ehrensache, sich für andere einzusetzen.

Der 50-Jährige wirkt als Übersetzer und Ratgeber für Neubürger aus Ägypten, Syrien, Afghanistan und anderen arabisch-sprachigen Ländern, unterstützt bei Ämterbesuchen, steht auch dann mit Rat und Tat zur Seite, wenn man ihn um 22 Uhr anruft und um Hilfe bittet. Sprache ist ein wichtiger Schlüssel, aber auch Wissen um und Gefühl für kulturelle Feinheiten bringt er mit.

„In Gesprächen bin ich sehr direkt, eben typisch deutsch“, sagt Flüchtlingskoordinatorin Monika Hahn-Nanninga. Ibrahim Alsunaidar übernehme praktisch die Funktion eines Kultur- und Sprachmittlers – von ihm lerne sie unter anderem, dass manchmal der weniger direkte „arabische Weg“ der Kommunikation im Kontakt mit Neubürgern zielführender sein könne. „Zu ihm kommen arabische Neubürger mit den Fragen, die sie uns nie stellen würden.“

Durch sein Engagement und seine freundliche, offene und besonnene Art hat er zudem viele Kontakte zu Einheimischen geknüpft. „Es ist wichtig, Aufgaben zu haben und gebraucht zu werden“, sagt Ibrahim Alsunaidar. Große Worte um seinen Einsatz zu machen – das ist nicht die Art des 50-Jährigen. Deshalb übernimmt es Monika Hahn-Nanninga, sein Engagement zu loben: „Ibrahim ist ein Vorbild für Integrationsarbeit und Toleranz, ein Weltbürger, der alles für seine Familie tut.“ Sich abzuschotten und nur für sich zu sein – das passt nicht ins Selbst- und Weltverständnis der Alsunaidars. „Integration kommt von innen, vom Herzen“, sagt Ibrahim Alsunaidar und lächelt.

Diese vorbildliche Einstellung teilen auch seine Kinder. Sohn Haidar etwa geht seit dem Sommer aufs Gymnasium, Tochter Alya spricht mittlerweile so gut Deutsch, dass sie anderen Flüchtlingskindern dabei hilft, die neue Sprache zu lernen.

 

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