Spielen für den Umweltschutz

Gruppe Grün tritt an: Sinje Simon, Julia Schirrmacher und Andreas Deidert (v.l.).  Fotos: werner (3)
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Gruppe Grün tritt an: Sinje Simon, Julia Schirrmacher und Andreas Deidert (v.l.). Fotos: werner (3)

Multiplikatoren des Amtes treten zum Klimamonopoly an – möglichst viele Erkenntnisse sollen mit in den Alltag genommen werden

shz.de von
26. April 2018, 06:36 Uhr

„Ich bin sehr gespannt, ob es gelingt, auf spielerische Weise bei einem so ernsthaftem Thema zu Ergebnissen zu kommen“, sagt Dr. Simon Rietz, Regionalmanager der Aktivregion Nordfriesland Nord. Dafür heißt es gestern Morgen in der Amtsverwaltung in Niebüll für Bürgermeister, Vertreter von Schulen, Naturschutzorganisationen, kulturellen Einrichtungen und weitere Multiplikatoren des Amtes Südtondern: Schuhe aus und weiße Schluppen an! Denn nur mit diesen kann die fast den gesamten Sitzungssaal ausfüllende Spielfläche des Klimamonopolys betreten und eben gespielt werden. „Es geht darum, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu begreifen und auf dieser Basis durch unser Handeln etwas für den Klimaschutz zu tun“, sagt Simon Rietz. Partner für das zweitägige Projekt ist das Evangelische Kinder- und Jugendbüro Nordfriesland. „Ich weiß, dass dieses Spiel mit Kindern funktioniert, wir haben es aber noch nicht mit Erwachsenen gespielt“, sagt deren Vertreterin Anna Lene Ihme.

Der erster Schritt des Klimamonopolys lautet, den ökologischen Fußabdruck der sieben antretenden Dreier-Gruppen zu ermitteln. Dazu braucht es Antworten auf Fragen wie der Größe der beheizbaren Wohnfläche, des Stromverbrauchs, wie oft Fleisch- oder Milchprodukte konsumiert werden, wie viel mit dem Auto gefahren oder mit dem Flugzeug geflogen wird, wie oft neue Möbel und Elektrogeräte gekauft werden oder auch, wie viel Abfall in dem Restmüllbehälter landet.

Lecks Bürgermeister Andreas Deidert – „heute und hier geht es um ein sehr wichtiges Thema“ – staunt nach der Auswertung auf seinem Tablet nicht schlecht: Drei Weltkugeln sind dort zu sehen. Das bedeutet: Würde jeder Mensch so viel Energie verbrauchen, wie er, wären dafür die Ressourcen von drei Erdkugeln erforderlich. Für ein so hoch entwickeltes Land sei dies aber kein außergewöhnlich hoher, sondern ein fast normaler Wert.

Dennoch lautet das Ziel für möglichst alle Teams: Am Ende bei einem ökologischen Abdruck von höchstens einer Weltkugel zu landen. „Denn mehr als eine haben wir nicht“, sagt Simon Rietz.

Dafür müssen die Teams auf der Spielfläche verschiedene Aufgaben erfüllen – wahlweise als Busfahrer, Radfahrer oder Fußgänger. Für die dritte Variante entscheidet sich die Gruppe von Andreas Deidert, zu der auch Julia Schirrmacher, Klimamanagerin der Region Flensburg, und Sinje Simon von der Gemeinschaftsschule Niebüll zählen.

Die erste Aufgabe lautet: Eine Försterin befürchtet, dass durch den Bau einer Straße Tierarten im Wald bedroht werden. Nun soll ermittelt werden, welche Tiere im Wald leben. Dafür müssen die Spieler verschiedene Fährten bestimmen. Die Bandbreite der Aufgaben reicht bis zur Pantomime. Denn durch diese kreative Körpersprache soll ausländischen Besuchern gezeigt werden, was Nachhaltigkeit bedeutet. Mit der Zeit zeigt sich – hier geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um Spaß und Teamgeist.

Welche Motivation treibt die Multiplikatoren für einen Vormittag zum Spielen in die Amtsverwaltung? „Ich arbeite gerade an der Bewerbung der Stadt als Nationalparkpartner und denke, dafür gewinne ich heute noch weitere Impulse“, sagt Anke Paulsen, die Assistentin des Niebüller Bürgermeisters Wilfried Bockholt, der sich für das Klimamonopoly auch selbst die weißen Schluppen überzieht. „Ökologie und Nachhaltigkeit sind für meine Gemeinde ein großes Thema, in dem ich auch die Zukunft für die Wirtschaft Nordfriesland sehe“, sagt Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer.

Die schlechteste Ausgangslage hat mit dem Team Pink ausgerechnet die Gruppe von Simon Rietz, zu der auch Stadtmanager Holger Heinke zählt. Schaffen es am Ende alle Teams, ihren Fußabdruck so weit zu verringern, dass sie mit einer Erde auskommen? „Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wir konnten unseren ökologischen Fußabdruck auf 1,4 Erden absenken, der Mittelwert aller Gruppen“, sagt Rietz.

Doch mit diesem Ergebnis ist das große Spiel um den ökologischen Fußabdruck noch lange nicht zuende. Gestern Nachmittag treten Konfirmanden und Pfadfinder zum Klimamonopoly in der Amtsverwaltung an. Heute Vormittag können dann noch Schülergruppen die Klimafreundlichkeit ihres Lebens testen und verbessern.

„So brennende Themen wie der Umgang mit Müll, Plastik im Meer oder der Belastung der Nahrung und des Trinkwassers haben dazu geführt, dass sich immer mehr Institutionen, Vereine und Betriebe mit dem Klimaschutz befassen“, sagt Simon Rietz. Positive Beispiele aus Südtondern seien dafür unter anderem die zur Fairtrade-Town ernannte Stadt Niebüll, das Bekenntnis der Gemeinde Klixbüll zu den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 oder auch das Klimasparbuch der Aktivregion Nordfriesland Nord. Das wichtigste Ziel für alle Teilnehmer der lautet: Möglichst viele Tipps für ein Umweltschonenderes Leben mit aus dem Amt in den Alltag zu nehmen.

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