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Hochwasser : Speicherkapazitäten restlos erschöpft

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Im Norden steigt das Wasser in den Auen bis an die Deichkrone - und die Niederschlagsmenge auf Rekordniveau.

Die starken Niederschläge am zweiten Weihnachtsfeiertag führten zu einer Situation, deren Folgen heute noch sichtbar sind. Besonders betroffen war der Norden des Landes, vor allem Flensburg. Überall standen Straßen unter Wasser.

Flensburg und seine westliche Umgebung entwässert in Richtung Westen. „Irgendwann kommt das Wasser dann bei uns an“, weiß Thies Horn, Geschäftsführer des Deich- und Hauptsielverbandes Südwesthörn-Bongsiel. Es dauerte auch jetzt nur kurze Zeit, bis es über die beiden Auen im DHSV-Verbandsgebiet getreten war. Und hier musste das Wasser den Weg zur Nordsee in derselben Richtung nehmen, aus der der Wind ihm entgegenwehte. Das führte zu einer Situation, wie sie der Verband zuletzt vor 16 Jahren hatte, in einem Jahr, als die Jahres-Niederschlagsmenge bei über 1000 Millimetern lag. Zum Vergleich: Am gestrigen 29. Dezember wurden für dieses Jahr bisher 999,9 Millimeter Niederschlagsmenge gemessen.

Regenmenge und Windrichtung „passten“ einfach nicht zueinander. Die Folge: Die Wasserstände erreichten bedenkliche Höhen. Betroffen war vor allem die Lecker Au, die bei Karlsmark die Deichkrone erreicht hatte. „Zum Glück hat uns ein Landwirt mit Material geholfen, das wir auf die Deichkrone aufschütten konnten.“ Die Speicherkapazitäten waren total erschöpft. Bei nachlassendem Wind begann sich die Lage wieder zu entspannen. Ähnlich war die Situation im Norden Südtonderns, der überwiegend in Richtung Hoyer-Schleuse entwässert. Dort waren Süderau und Dreiharder Gotteskoogstrom besonders betroffen und auch die Schmale randvoll.

Schuld am nur zäh ablaufenden Niederschlagswasser war nach den Worten von Thies Horn die alte Hoyeraner Schleuse, die bei Verhältnissen wie den jüngsten Niederschlägen total überfordert schien. Die neue, wesentlich größere Schleuse und ihre Vorgängerin schaffen es bei extremen Niederschlägen nicht. Warum, das konnte Thies Horn nicht sagen. „Das müssen meine dänischen Kollegen sagen“, hielt er sich raus.

Tatsache ist auch, dass alle Schöpfwerke auf Volllast liefen, auch die fünf Pumpen in Verlath – angetrieben von drei E- und zwei Dieselmotoren, deren Geräusche bis am Ufer des Rutebüller Sees zu hören waren. Im Norden dient der Haasberger See als Speicherbecken, der nach dem zweiten Feiertag randvoll war, so dass das Wasser die Straße Aventoft-Süderlügum erreichte, ferner auch die grenznahe Brücke an der B 5. „Der Dezember wird ein teurerer Monat“, blickt Horn der nächsten Stromrechnung entgegen. Situationen wie diese um Weihnachten 2015 zeigen einmal mehr, wie wichtig eine gut funktionierende Wasserwirtschaft ist.

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erstellt am 30.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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