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Nordfriesland Tageblatt

24. Oktober 2017 | 13:28 Uhr

Spechtbestand konstant

vom

Seit 31 Jahren kümmert sich der Däne Hans Christensen um Schwarzspechte aus der Region

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Karlum | Es sieht schon etwas beängstigend aus, wenn Vogelexperte Hans Christensen den kleinen Metallring mit der Zange um den Fuß des jungen Schwarzspechtes festdrückt. Aber der Däne weiß genau, was er tut und geht äußerst behutsam bei seiner Arbeit vor. Seit mittlerweile 31 Jahre beobachtet er Schwarzspechte im Karlumer Wald und in seiner Heimat. Viele tausend Stunden hat der Vogelliebhaber bereits bei den schwarzen Vögeln mit der leuchtend roten Haube verbracht und ihre Gewohnheiten notiert.

Einmal im Jahr sucht er die Bruthöhlen der etwa rabengroßen Vögel auf und beringt den Nachwuchs. In diesem Jahr begleiten ihn dabei neben Förster Jörn Frank drei Studenten aus Århus, die eine Bachelorarbeit über Störungen bei der Fütterung von Jungvögeln schreiben. Dazu haben die drei Männer bereits am Tag zuvor fünf Stunden lang das Fütterungsverhalten der Eltern beobachtet und werden die Prozedur nach der Beringung wiederholen. "Meiner Erfahrung nach stellt die Beringung keine große Störung dar", erklärt Hans Christensen, "die Eltern kehren unmittelbar nach der Beringung zu ihrem Nachwuchs zurück und füttern sie wieder."

Doch bevor der Däne seine Arbeit erledigen kann, gilt es erst einmal, die in sechseinhalb Meter Höhe liegende Höhle zu erreichen und die Jungvögel vorsichtig in einem Stoffbeutel auf den Boden zu transportieren. Mit Pfeil und Bogen schießt er zunächst eine Nylonschnur um einen Ast der Buche und zieht damit schließlich ein Seil für seine Strickleiter hoch. Vorsichtig nimmt er die etwa 13 Tage alten Jungvögel aus der Höhle mit nach unten, wo eine Kiste bereitsteht. Nacheinander werden die vier Vögel, die erst einen Teil ihres Federkleides haben, gewogen, ihre Flügel und Schnäbel vermessen und anschließend am rechten Fuß mit einem sogenannten Helgolandring mit fortlaufender Nummer markiert. Anhand dieser Ringe wird Hans Christensen die zwei Weibchen und zwei Männchen später immer wiedererkennen können.

Die Eltern der Vögel kennt Hans Christensen ebenfalls: das Männchen hat er vor vier Jahren in Süderlügum beringt, das Weibchen bereits vor zehn Jahren im Langenberger Forst. Schwarzspechte sind Standvögel, erklärt der Däne, sie ziehen nur so weit von ihrer Geburtsstätte weg, wie es sein muss, um einen freien Wald zu finden. Auf etwa 400 Hektar kommt jeweils nur ein Brutpaar Schwarzspechte, sodass nur ein Paar im Karlumer Wald von den insgesamt 500 Paaren in Schleswig-Holstein lebt. Der Bestand der Vögel sei in den letzten Jahren in Deutschland konstant geblieben, während er in Dänemark stetig zugenommen habe, da sich dort die Bedingungen für die Vögeln verbesserten, erzählt Christensen.

Seine Daten übermittelt der Vogelbeobachter der Vogelwarte in Wilhelmshafen, wo sie gespeichert und ausgewertet werden.

Aber nicht nur die Beringung und Beobachtung der größten Spechtart Europas hat Christensen zu seinen Aufgaben gemacht. Er trägt auch die Bäume, in denen die Vögel brüten, auf einer Karte ein. In diesem Jahr hat das Paar eine neue Höhle in einer Buche gebaut und dazu etwa sechs Kilogramm Holz mit den Schnäbeln aus dem Stamm gehämmert. "Das erleichtert uns natürlich immens die Arbeit", erzählt Förster Jörn Frank. Denn die Bäume, die Waldtiere als Lebensraum nutzen, werden als sogenannte Habitatbäume markiert und von Holzfällern nicht angerührt.

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