Sparen durch Eigeninitiative

Ein Anhänger nach feuerwehrtaktischen Gesichtspunkten: Derzeit entsteht in Karlum ein solcher in Eigenleistung.
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Ein Anhänger nach feuerwehrtaktischen Gesichtspunkten: Derzeit entsteht in Karlum ein solcher in Eigenleistung.

Kameraden aus Karlum investieren rund 300 Stunden Eigenleistung für den Aufbau eines feuerwehrtaktischen Anhängers.

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09. Februar 2018, 18:17 Uhr

Karlum | Sie sind Ehrenamtler mit Leib und Seele, Hand und Herz – und das oftmals unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Die Feuerwehrmänner und -frauen, Land auf, Land ab. Sie sorgen mit ihrer Ausbildung und Erfahrung nicht nur für Sicherheit, sondern sind neben ihren Einsätzen, Dienstabenden und kameradschaftlichen Zusammenkünften, auch eine für das Gemeinwohl vieler Gemeinden wichtige Institution. So auch die 24 aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Karlum, wie Wehrführer Hermann Wannagt in seinem Bericht für das Jahr 2017 aufzeigte.

„Es sind nicht immer spektakuläre Einsätze, die uns beschäftigen, doch auch wir müssen für alle Eventualitäten gerüstet sein. Karlum ist eine eigenständige Gemeindewehr und auch bei uns ist der demografische Wandel spürbar, sind Tagesverfügbarkeiten ein Thema“, sagt Hermann Wannagat. Um so mehr freute es ihn – neben Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft – mit der Verpflichtung von Lukas Wannagat wieder Nachwuchs in die Reihen der aktiven Wehr aufnehmen zu können.

Zurückhaltender fiel der Bericht von Kassenwart Axel Jessen aus, der sicherlich gerne Anschaffungen tätigen würde, die notwendig, aber von einer kleinen Gemeinde wie Karlum nicht zu stemmen sind. Wie sicherlich nicht nur in den Wehren des Landes sind Einfallsreichtum, gepaart mit handwerklichem Geschick, stete Begleiter täglichen Handelns. Auch oder gerade wenn es um die Lösung von Aufgaben und vermeintlichen Problemen geht. Bereits vor über zwei Jahren, mit Planung und Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses, wurde entschieden: „Ein zweites Fahrzeug wäre sinnvoll, aber finanziell nicht leistbar. Wir machen das anders.“

Ein handelsüblicher Anhänger – mit jedem normalen Pkw zu ziehen – wurde beschafft und erlebt dieser Tage den fachgerechten Aufbau, um feuerwehrtechnisches Gerät aufzunehmen. „Nach Rücksprache mit dem TÜV kein Problem“, erklärt Wannagat das Vorhaben. Und so sind er, Axel Jessen und Marco Möller derzeit dabei, das Werk zu vollenden. Rund 300 Arbeitsstunden werden sie am Ende investiert haben, ohne damit die Gemeindekasse zu belasten. „Natürlich mussten wir Material beschaffen. Material, das allen Anforderungen entspricht, wie zum Beispiel die LED Strahler, mit denen wir das gesamte Umfeld des Anhängers optimal ausleuchten“, erklärt Axel Jessen, der auch für die Elektrik zuständig ist.

„Doch im Verhältnis zu einem neuen Fahrzeug, sparen wir richtig viel Geld“, so Kassenwart Jessen. Aber nicht nur die Strahler, auch die Blaulichter, an jeder Ecke angebracht, sind Strahlwasser geschützt und im Einsatz weithin sichtbar. Das Fahrzeug, das den Anhänger zieht, habe natürlich während der Fahrt keine Sonderrechte, kann aber von Inhabern der entsprechenden Führerscheinklassen gefahren werden.

Das zentrale Element, das Herzstück auf dem Anhänger ist, neben dem Aggregat zur Stromerzeugung, eine Tragkraftspritze TS 8/8. „Sie ist zwar schon etwas betagter, doch voll funktionsfähig und wird uns noch etliche Einsätze begleiten“, erklärt Hermann Wannagat. Dazu finden dann noch 400 Meter B-Schlauch Platz, die während eines Einsatzes innerhalb weniger Minuten ausgerollt sind, das spare Zeit und Personal. So kann über eine lange Strecke Wasser transportiert werden, ohne dass das Einsatzfahrzeug vom eigentlichen Ort des Geschehens entfernt werden muss.

Mit Blick auf den angrenzende Karlumer Forst, ein überaus wichtiger Aspekt. Nicht an jeder Ecke, und schon gar nicht im Wald, gibt es Über- oder Unterflurhydranten zur Wasserversorgung.Doch bis der Anhänger fertig ist, wird es in Karlum noch einige arbeitsreiche Stunden für die drei Feuerwehrmänner geben. De sie gerne investieren, denn auch sie handeln einzig im Sinne des Schutzpatrons aller Feuerwehren, dem „Heiligen Florian“: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!“

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