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Lust am Lesen : Spannender Gletschermumien-Krimi

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Autorin Gudrun Sulzbacher aus Südtirol brachte Drittklässlern in Leck im Rahmen der Jugendbuchwochen Ötzis Schicksal näher

Der Mord geschah in 3200 Meter Höhe, das Opfer fand sein Grab im ewigen Eis. Gefriergetrocknet und konserviert lag der Tote im Ötztal, wo er erst nach 5000 Jahren gefunden wurde: Über Ötzi, die Gletschermumie, erzählte die Autorin Gudrun Sulzbacher den knapp 70 Drittklässlern aus Leck und Enge. Der Krimi, der auf wahren Tatsachen beruht, fesselte die jungen Zuhörer gestern im Rathaussaal.

Die landesweiten Kinder- und Jugendbuchwochen sollen beim Nachwuchs die Lust am Lesen und die Freude an Geschichten wecken. Zum 31. Mal wird diese Aktion initiiert und trumpft nun mit 33 Autoren und Künstlern bei 300 Veranstaltungen auf. Für Leck hatte Büchereileiterin Berit Laufer die Schriftstellerin Gudrun Sulzbacher aus Südtirol mit ihrem Programm „Mit Ötzi in die Jungsteinzeit“ sowie die Nord Ostsee Sparkasse als Unterstützer gewinnen können. „Ich bin über 1000 Kilometer gefahren um hierher zu kommen“, erzählte die Österreicherin, die Bücher zur Lesedidaktik, Unterrichtsmaterialien und Bildsachbücher veröffentlicht. Ihr Buch „Die Gletschermumie“ wurde unter anderem mit dem Östereichischen Kinder- und Jugendsachbuchpreis ausgezeichnet. „Ich erzähle euch spannende Sachen und habe auch Bilder mitgebracht, von denen einige nicht schön aussehen“. Aber die Acht- bis Neunjährigen seien ja schon groß, meinte sie, und riet den Ängstlichen: „Haltet die Hand vor die Augen, oder luschert durch die Finger durch“. Das taten die Grundschüler nicht. Sie zeigten sich cool und wissbegierig.

Ötzi war ein damals mit 46 Jahren alter, 1,62 Meter großer Mann. Er lebte am Ende der Jungsteinzeit und war in den Alpen auf der Flucht, verletzt, abgekämpft, müde. Es war kalt, Nebelschwaden verhüllten die Sicht, ein scharfer Wind blies. Er hastete weiter, brauchte Zeit, um seine Ausrüstung zu erneuern, um Pfeile mit Spitzen zu versehen und zu befiedern. Auf einem Joch fand der Mann den geeigneten Platz: Eine schmale Felsrinne, nur zwei Meter tief. Dann kam der Schuss aus dem Hinterhalt, Ötzi wurde im Rücken von einem Pfeil getroffen und starb. Schnee bedeckte schnell seinen Körper, der gefror wie Fleisch und Knochen in einer Eistruhe.

Durch Zufall wurde die Mumie nach fünf Jahrtausenden, am 19. September 1991, von einem Ehepaar aus Nürnberg gefunden. Gudrun Sulzbacher schilderte den grausigen Fund und wie Ärzte, Archäologen und Wissenschaftler hinzugezogen wurden. Nach der akribischen Untersuchung des Fundortes kamen schließlich 70 Habseligkeiten zutage, die heute allesamt mit der Mumie im Ötzi-Museum im italiensichen Bozen ausgestellt sind. Durch Rekonstruktionen weiß man, wie der alte Mann ausgesehen haben muss und was er trug: Einen schweren Fellmantel bis zu den Knien, in Streifen-Optik genau so wie „Obelix“ seine Kleidung trägt, Hosen, die aus zwei Röhren bestanden und mit Laschen befestigt waren, rechteckig zugeschnittene Unterhosen aus fein gegerbtem Leder, zweiteilige Schuhe aus Bärenfell und Hirschleder. Die Autorin verstand es, den Schülern die Materie „schmackhaft“ zu machen, ihre Neugierde zu wecken und zu fesseln mit wahren Begebenheiten.
 

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erstellt am 14.Nov.2014 | 05:00 Uhr

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