zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 18:16 Uhr

Jims's Cafe : Sozialer Treffpunkt ohne Schranken

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In „Jim’s Café“, einer Einrichtung des Diakonischen Werkes, hat sich das Prinzip des „verschobenen Kaffee“ bewährt

von
erstellt am 22.Sep.2015 | 05:00 Uhr

Draußen nieselt es, in „Jim’s Café“ ist es gemütlich warm. Auf den Tischen flackern brennende Kerzen und verbreiten eine Atmosphäre, die Willkommensein vermittelt. „Möchten Sie das Käsebrötchen mit Vollkornbrötchen“, fragt Stephanie Hilgendorf-Nissen freundlich zwei junge Frauen, die mit einem Mädchen an einem Tisch Platz genommen haben. Sie nimmt die Bestellung auf und geht. Seit dem 1. Januar 2014 kümmert sich die 45-Jährige als Nachfolgerin von Carla Werner montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr um ihre Gäste. Einst war hier die Bürgerhilfe mit Sozialladen, Kleiderkammer und Büfett des Nordens untergebracht. Doch das ist lange her. Schöne Bilder und alte Spiegel hängen jetzt an den Wänden. In U-Form erstreckt sich der gastlich wirkende Raum um einen Tresen herum. Durch das unterschiedliche Mobiliar, aufeinander abgestimmte Stühle und Tische unterschiedlicher Stilrichtungen, Farben, Pflanzen, Bücher und kleine Utensilien, die zum näher hinschauen einladen, entstehen durch Verwinkelung unterschiedliche, kleine Nischen. Jede ist eine Oase für sich, und doch bildet alles – irgendwie ein Ganzes. Wie ein Symbol für die Idee, die hinter „Jim’s Café“ steckt. Es ist ein Ableger des Angebotes „Jim’s Bar“ (speziell geschulte Jugendliche bieten auf Veranstaltungen alkoholfreie Cocktails an) und somit „Kind“ des Diakonischen Werkes. „Jim’s Café“ ist ein sozialer Treff für Jedermann. Hierhin zieht es Menschen der unterschiedlichsten Herkunft. Egal, ob finanziell gut situiert oder am Existenzminimum lebend. Jeder ist willkommen – auch ohne Geld.

In „Jim’s Café“ gibt es ein großes Angebot: verschiedene Frühstücks-Kompositionen, belegte Brötchen, selbstgebackenen Kuchen sowie ausschließlich alkolholfreie Getränke wie Kaffee und verschiedene Tees. Alles ist für jeden erschwinglich, die Preise sind mit einem Euro moderat. Und das ist bewusst so gehalten. „Wir dürfen keinen Gewinn machen, aber die Einrichtung muss sich selbst tragen“, erklärt Stephanie Hilgendorf-Nissen. Wer kein Geld für einen Kaffee oder etwas zu essen hat, ist eingeladen: von den anderen Gästen in „Jim’s Café“. Das geschieht anonym und funktioniert so: Besucher, die zufrieden sind und das Gefühl haben, etwas mehr zahlen zu wollen, kaufen für einen Euro eine Kaffeemarke. Diese Chips landen in einer Porzellanschale. Hier können sich dann Besucher, die nicht über das nötige Kleingeld verfügen, ungefragt bedienen und die Chips ohne „Wenn und Aber“ an der Kasse einlösen. „Sie erhalten dann pro Chip einen Kaffee, ein Brötchen oder ein Stück Kuchen“, erklärt Stephanie Hilgendorf-Nissen das Prinzip des „verschobenen Kaffees“. Es funktioniert – auch wenn manchmal noch Hemmungen vorhanden sind. „Es gibt Gäste, die trauen sich nicht, das Angebot anzunehmen.“ Die Bereitschaft zu Geben ist hingegen groß. „Vor einiger Zeit schaute ein Mann herein, nur, um zwei Euro für einen verschobenen Kaffee zu spenden. Seine Tochter, sie war etwa vier oder fünf Jahre alt, sagte dann zu ihm: ’Und jetzt freut sich jemand darüber’. Das fand ich toll.“

Die Gestaltung von „Jim’s Café“ hat die Leiterin selbst übernommen. Stephanie Hilgendorf-Nissen fing zunächst als ehrenamtliche Kraft hier an. Dann wurde sie auf 450 Euro-Basis eingestellt und hat jetzt einen befristeten Vertrag. 100 bis 150 Besucher, darunter viele Stammgäste, zählt sie pro Woche. Deren Durchschnittsalter liegt bei 50 Jahren, aber auch Jugendliche finden hierher. Mittlerweile hat sich „Jim’s Café“ zu einem Geheimtipp entwickelt. Hier sind regelmäßig alle möglichen Berufs- und Sportgruppen zu Gast, um ihre Treffen abzuhalten. Firmenjubiläen, hohe Geburtstage – auf alle Gesellschaften bis zu 40 Personen (Anmeldung ab drei Personen) ist Stephanie Hilgendorf-Nissen vorbereitet. Alles richtet sie alleine her. Doch die Leiterin freut sich auch über ehrenamtliche Helfer.

Der Unterschied zu einem herkömmlichen Lokal: In „Jim’s Café“ gibt es keinen Verzehrzwang. Wer möchte, kann sich in der Büchertausch-Ecke mit Lesestoff ausrüsten. „Man kann auch hierher kommen, um die Zeitung zu lesen. Oder einfach nur, um zu quatschen.“

 

„Jim’s Café“, eine Einrichtung des Diakonischen Werks, befindet sich in der Lorenz-Jannsen-Straße 2, Telefon 0170/5697168, jims-cafe@web.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen