Erzieher-Ausbildung : Soziale Projekte: Schüler in der Praxis

Das Projekt „Kochtreff-Genuss“ organisierte fünf gemeinsame Kochabende im Niebüller Stadthaus, einer Wohngemeinschaft der Mürwiker Werkstätten.
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Das Projekt „Kochtreff-Genuss“ organisierte fünf gemeinsame Kochabende im Niebüller Stadthaus, einer Wohngemeinschaft der Mürwiker Werkstätten.

Über sechs Wochen organisierten angehende Erzieher aus Niebüll eigene, soziale Projekte und stellten diese jetzt öffentlich vor

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26. Juni 2014, 05:00 Uhr

Dass die Milch aus dem Supermarkt, dass Brot und Korn vom Bäcker kommen, ist so verkehrt ja nicht. Doch wenn es bei diesen Antworten von Kindergartenkindern bleibt, und kein Hintergrundwissen erworben wird, besteht vor Schulbeginn dringender Nachholbedarf. „Rund um den Bauernhof“ – unter dieses Motto hatten Janina Koplin, Lisa Isbrecht, Marta Kleszcz und Jana Matthiesen ihre Projektarbeit gestellt. Sechs Wochen lang beschäftigten sich die angehenden Erzieherinnen von den Beruflichen Schulen des Kreises Nordfriesland in Niebüll (Abteilung für sozialpädagogische Berufe) mit dem Thema. Die Kinder der Rappelkiste Niebüll (Lebenshilfe GmbH) lernten – zunächst theoretisch, später vor Ort auf dem Hof der Familie Ketelsen in Oster-Schnatebüll – wie man Tiere verantwortungsvoll hält und vernünftig mit ihnen umgeht. Eine andere Gruppe mit Vanessa Bahr, Thora Lidster, Saskia Greisen und Jessica Zemke („Die Fühlmäuse“) investierte Arbeit, gesponsertes Geld und viel Know-how, um in 140,5 Stunden und mit einem Budget von 200 Euro mit Hilfe von Vorschulkindern für den Evangelischen Kindergarten in Süderlügum einen Fühlkasten (eine wetterfeste Tastwand), die zehn Fächer wurden anschließend mit Bohnen, Wolle, Feder oder ähnlichem gefüllt, zu entwerfen und zu bauen.

Zwölf Projekte mit völlig unterschiedlichen Zielsetzungen – von der Schaffung eines mobilen Gemüsebeets über die Wahrnehmungsförderung, die Gestaltung und Nutzung einer Trainingswohnung, der Stärkung von Selbstbewusstsein und Gruppendynamik oder die Inklusionsförderung – sowie unterschiedlichen Zielgruppen (Kinder, Schüler, Menschen mit Beeinträchtigungen) wurden geplant, durchgeführt, vorgestellt und anschließend bewertet. Dabei waren es nicht nur Lehrer, die über die Mittelschüler urteilten – auch eine Jury aus Mitschülern gab den Projektmachern Rückmeldung. Die Kritik der Klassenkameraden konnte bei dieser Gelegenheit durchaus detailliert ausfallen.

Während ihrer Ausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik stehen für die angehenden Erzieher mindestens 40 Wochen Praktikum auf dem Lehrplan. „Die Projektphase, deren Ergebnisse jetzt vorgestellt werden, haben aber ein überproportional hohes Gewicht“, sagt Mittelstufenlehrer Michael Wicher. Damit die Projekte auch reibungslos funktionieren, müssen die Schüler im Vorfeld um Unterstützung bei ortsansässigen Unternehmen werben. „Es gibt lang gewachsenen Kontakte und eine hohe Akzeptanz – trotzdem müssen die Schüler ihre Projekte teilweise in einem einstündigen Gespräch vorstellen.“ Spenden einwerben, einen Projektplan erstellen, die Koordination mit der beteiligten Einrichtung und schließlich die Arbeit mit der Zielgruppe – die komplexen Aufgabenstellungen des eigenen Projekts sind für die Mittelstufenschüler oft Neuland: „Im Großen und Ganzen müssen sie es selbst organisieren“, weiß Michael Wicher. Und genau darin liege auch der Wert der besonderen Projektwochen.

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