„SonARTrio“: Abtauchen in eine fantastische Klangwelt

Das „SonARTrio“: Simon Kluth, Till Marek Mannes und Benedikt Brodbeck.
Das „SonARTrio“: Simon Kluth, Till Marek Mannes und Benedikt Brodbeck.

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19. Mai 2015, 15:27 Uhr

Der Verein der Musikfreunde in Leck und Umgebung ließ seine Konzertsaison 2014/2015 mit einem höchst außergewöhnlichen Programm ausklingen. Die extrem modernen Werke wurden interpretiert vom vielfach ausgezeichneten Ensemble „SonARTrio“. Es setzt sich zusammen aus drei Mitgliedern der exklusiven Bundesauswahl „Konzerte junger Künstler“ des Deutschen Musikrates: Simon Kluth (Violine), Benedikt Brodbeck (Violoncello) und Till Marek Mannes (Bajan). Sie, die allesamt verstanden, ihr Instrument auf höchstem spieltechnischen Niveau meisterlich zu bedienen, boten einen Einblick in das Schaffen von acht Tonsetzern (darunter eine Komponistin) aus Deutschland, die sich – geprägt durch verschiedenste Einflüsse – auf unterschiedlichste Art ganz der Pflege zeitgenössischer E-Musik verschrieben haben.

Der Titel ihrer Programmfolge lautete „Heimatklänge“, sollte die Zuhörer aber nicht zu der irreführenden Erwartung verleiten, sie erwarte gefühlvolle, harmoniegesättigte Heimatmusik im herkömmlichen Sinne. Die Vorsitzende des gastgebenden Vereins, Heidi Specht-Christel, wies zunächst auf die Schwierigkeiten ungeübter Hörer hin, zu der an beabsichtigten Dissonanzen, ausgefallenen Geräuschen, zuweilen sogar slapstickartigen Gesten reichen Musik des 20. und 21. Jahrhunderts durch Geduld und Konzentration Zugang zu finden. Dankenswerterweise wurden die Zuhörer mit diesem nicht allein gelassen, da die Künstler mit einer geschickten, nicht selten auch humorvollen Moderation aufwarteten. Sie bereiteten auf die überraschenden Klangeffekte oder satzbautechnischen Besonderheiten vor und gaben den Gästen dadurch Hilfestellung, einfach nur in die Klänge einzutauchen oder zu meditieren.

Zum Auftakt erklangen die Sätze „Löwe, Krebs und Waage“ aus dem Zyklus „Tierkreis“ von Karlheinz Stockhausen, mit dem dieser versucht, die Zeichen nach Art von Psychogrammen durch charakteristische Stimmungsbilder darzustellen. Als weitgehend der Natur abgelauscht erwiesen sich die Klänge des Satzes „Weit draußen“ von Alfred Koeppen, einem tonal verfassten, überwiegend gefühlvollen, zum Teil aber auch bedrohlich wirkenden Triosatz. Bei der stillen Szene „Am Horizont“ für Violine, Violoncello und Knopfakkordeon von Wolfgang Rihm wurde in verblüffender Weise deutlich, dass der Klang des Bajans und der Streichinstrumente nahezu identisch sind. In ihrer Komposition „Trio Synchronico“, versehen mit vielen Vierteltonschritten, hält die Verfasserin Kathrin Denner ihr Publikum pausenlos in Spannung, die sie bis zum Schluss nicht auflöst. Aus gutem Grund bezeichnete Hans-Joachim Hespos einen von ihm geschriebenen, zerrissen wirkenden Tango als „Zerrango“. Im Verlaufe des Klangbildes „Absyrt“ von Julian Lembke „erstarrten“ die Akteure zuweilen und blickten versonnen ihren Tönen hinterher. Dominik Susteck wendet in seiner Komposition „Gezählte Zeit“ sogar Achteltonschritte an und spielt in seinen Klangbildern mit dem Motiv des Glockenschlags. Von Johannes Schöllhorn stammen eine Reihe von Madrigalen, die solchen von Francesco Landini nachempfunden waren, substanziell aber nur angedeutet wurden. Der das reguläre Programm abschließende Kanon „Melancholie“ von Tilo Medek begann ganz sanft, doch schien sich die trübe Stimmung ständig zu verschlimmern und schrittweise in Wut und Ruppigkeit auszuufern.

Umso mehr genossen die Zuhörer die Zugabe: den stilistisch „echten“ Tango „Tod eines Engels“ von Astor Piazolla, virtuos und brillant interpretiert vom SonARTrio.

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