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Wertvoller Archiv-Fund : „Solche Schätze verkauft man nicht“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Sie könnten 4000 bis 6000 Euro pro Band bringen: Lecks Gemeindevertretung diskutiert Veräußerung zweier Danckwerth-Exemplare von 1652

Ein wenig unansehnlich sehen sie aus, denn der braune Einband leugnet nicht seine Gebrauchsspuren. Sie sind alt und dennoch so wertvoll für die Gemeinde Leck: Zwei Danckwerth-Exemplare aus dem Jahr 1652 wurden im Kreisarchiv gesichtet. In alter deutscher Schrift und mit Kartenmaterial wurde seinerzeit die Landesbeschreibung der zwei Herzogtümer Schleswig und Holstein festgehalten.

In Husum fielen den Archivaren bei der Sichtung im vorigen Jahr zwei Danckwerth-Bücher mit dem Archivstempel von Leck in die Hände. „Im Jahr 1652 hatte es nur eine Auflage davon gegeben. Deshalb sind diese Werke so wertvoll“, erklärt Pia Jeanine Schmidt vom Amt Südtondern. Wie viele Exemplare die Auflage beinhaltete, konnte nicht herausgefunden werden.

„Wir verfügen über zwei Schätzchen“, hatte der Alt-Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung gesagt. Auf der Tagesordnung stand der eventuelle Verkauf eines oder beider Exemplare. Der Verkaufserlös soll auf Schätzung eines Auktionshauses 4000 bis 6000 Euro pro Band sein. Ingo Scholz (CDU): „Solche Schätze verkauft man nicht. Das hilft nicht über alle finanziellen Probleme hinweg!“ Für den Verkauf eines Exemplares sprach sich Annemarie Carstensen (SPD) aus: „Wenn beide Bücher im Kreisarchiv noch die nächsten 200 Jahre herumliegen, hat keiner etwas davon“. Norbert Thomsen (SSW) und Jürgen Daniel (UWL) schlossen sich der Meinung der CDU-Fraktion an. Mit einer Gegenstimme votierten die Politiker gegen eine Veräußerung.

Warum die alten Werke erst jetzt wiederentdeckt wurden, erklärt Pia Jeanine Schmidt vom Amt Südtondern. Sie arbeitet unter anderem in den Bereichen Organisation und Registratur. 2008, als die sechs ehemaligen Verwaltungen der Karrharde, Böckingharde, Wiedingharde, Süderlügum, der Gemeinde Leck und die Stadt Niebüll zum Amt Südtondern fusionierten, sollte ein neuer, einheitlicher Aktenplan erstellt werden. „Wir haben insgesamt Akten in einer Länge von 1,4 Kilometer in Empfang genommen“, erklärt Pia Jeanine Schmidt. Aus Platzgründen und vor allem darum, weil im Amtsgebäude nicht die Möglichkeit besteht, die ältesten Akten archivwürdig aufzubewahren, wurde die Ablage teilweise dem Kreisarchiv Nordfriesland in Husum übergeben. Archivwürdig bedeutet, dass die alten Schriften und Bücher bei bestimmten Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und dem Schutz vor Ungeziefer aufbewahrt werden müssen, um sie vor dem Zerfall zu retten.

Weitere Informationen zu den wiederentdeckten Bücher-Schätzen lieferte Almut Ueck vom Kreisarchiv Nordfriesland. Diese beiden Danckwerth-Bücher sind nicht die einzigen, die es noch gibt. Einige Gemeinden besitzen ebenfalls noch alte Exemplare. Auch wusste sie, dass es einen Nachdruck gegeben hat. Wann genau, ist nicht nachzuvollziehen. Auf jeden Fall aber bezieht sich dieser Nachdruck nur auf die Karten und nicht auf die Landesbeschreibung.

Nach dem Votum der Lecker Gemeindevertretung sollen die Danckwerth-Landesbeschreibungen also im Kreisarchiv verbleiben. Dem Geschichtsverein Leck wird jedoch eingeräumt, ein Exemplar zu Ausstellungszwecken zu entleihen. Zu dieser Thematik äußerte sich der Vorsitzende Horst Muesfeldt: „Ich suche schon seit Jahren nach einem Nachdruck für unseren Verein.“ Er hätte sich gewünscht, in dieser Angelegenheit mit einbezogen geworden zu sein, denn: „Ich weiß, dass es in der Karrharde nur zwei Danckwerth-Bücher gibt, davon gehört eines der Gemeinde Leck.“ Nach seinem Informationsstand soll das andere Lecker Exemplar der Kirche in Süderlügum gehören. „Ich meine, es gibt einen alten Kaufvertrag mit der Gemeinde Leck darüber.“ Um das letztendlich zu beweisen, werden noch einige Recherchen vonnöten sein.

 

Danckwerth-Atlas

Der Atlas „Neue Landesbeschreibung der zwei Herzogtümer Schleswig- und Holstein“ wurde laut „Wikipedia“ nach Caspar Danckwerth benannt. Er war 1641 Bürgermeister von Husum und gab das Werk anno 1652 heraus. Das Kartenwerk stammt von Johannes Mejers. Der Mathematiker und Kartograf wurde 1606 in Husum geboren, studierte in Dänemark und kehrte 1929 in die Storm-Stadt zurück.jok
 

 



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erstellt am 15.Apr.2016 | 07:00 Uhr

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