"So einen Sturm vergisst man nicht"

Klaus Buldt.  Foto: ji
Klaus Buldt. Foto: ji

Seemann und Hobbybastler Klaus Buldt über die Gefahren der Polarmeere und die Vorzüge moderner Technik

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05. Oktober 2012, 07:28 Uhr

Ladelund | Eigentlich wollte Klaus Buldt nur auf die Geschichte des Ladelunder Mini-Autos (wir berichteten) aufmerksam machen. Doch auch seine eigene Lebensgeschichte ist erzählenswert.

Herr Buldt, Sie haben einen in den Augen der Ladelunder ausgefallenen Beruf. Wie lautet dieser korrekt?

Wetterfunktechniker.

Wie wird man das?

Indem man sich vom Deutschen Wetterdienst zum Wettertechniker und Beobachter ausbilden lässt und später dann lernt, auf einem Schiff Funkaufnahmen aufzuzeichnen und Morse-Meldungen abzuhören. Inzwischen ist das aber Geschichte. An Bord der Polarstern (Deutsches Forschungs- und Versorgungsschiff für die Polarforschung Anm.d.Red.), auf der ich gefahren bin, erfolgt die Versorgung mit meteorologischen Daten heute fast ausschließlich per E-Mail. Zwei Wetterfunktechniker arbeiten hier im Wechsel, insgesamt gibt es in Deutschland vier Vertreter dieses Berufsstandes.

Welche Aufgaben fallen dort für Sie an?

Vornehmlich sind das Messung, Registrierung und Archivierung aller meteorologischen Parameter sowie deren Verbreitung in das internationale meteorologische Datennetz GTS. Aber auch die Pflege und Wartung der Rechner in der Bordwetterwarte gehörte zu meinen Aufgaben. Die Herstellung von Wettervorhersagen und deren Präsentation an Bord sind dagegen Aufgabe des Bordmeteorologen. Ich bin also kein Wetterfrosch im landläufigen Sinne.

Wie lange und zu welchen Zielen sind Sie auf der Polarstern gefahren?

In der Zeit vom Mai 1999 bis Ende Juli 2012 habe ich an insgesamt 49 Reisen, abwechselnd in die Arktis und Antarktis, teilgenommen. Sie dauerten im Schnitt acht bis zwölf Wochen. Das hatte zur Folge, dass ich während jeweils sechs Monaten des Jahres auf See, die restliche Zeit des Jahres zu Hause war. Seit dem 1. September dieses Jahres befinde ich mich nun aber in der "passiven Phase der Altersteilzeit".

Wie haben Sie diesen Dienstplan mit Ihrem Familienleben in Einklang bringen können?

Dank der Toleranz und des Verständnisses meiner Frau Martina sowie der modernen Technik, die tägliche Kontakte zwischen uns ermöglichte, war das kein Problem.

Fühlen Sie sich mehr als Wetterfrosch oder als Seemann?

Letzteres- denn im Gegensatz zu den an Bord ständig wechselnden Wissenschaftlern wachsen wir Wetterfunktechniker mit der Crew zu einer Art Familie zusammen.

Welche Situation ist Ihnen als besonders abenteuerlich oder gefährlich in Erinnerung geblieben?

Ein 15 Stunden andauernder Sturm, erlebt im Südatlantik in antarktischer Winternacht. Damals, am 25. Juni 2006, rollten etwa 17 Meter hohe Wellen auf unser Schiff zu und schleuderten Eisbrocken auf das Deck. So etwas vergisst man so schnell nicht.

Was hat den zur See fahrenden Wetterfunktechniker Klaus Buldt auf die sandige Geest nach Ladelund verschlagen?

Der Zufall. Eigentlich wollten wir auf Sylt, wo ich 18 Jahre lang auf der dortigen Wetterstation List gearbeitet hatte, bleiben, aber die für meinen Beruf ungünstige Verkehrsanbindung der Insel und die dort kaum noch bezahlbaren Mietpreise haben uns nach einer Alternative suchen lassen. Und die stand in Ladelund.

Welchen Aktivitäten gehen Sie in Ihrer Freizeit nach?

Viele Jahre lang habe ich intensiv Schiffsmodellbau betrieben und zu dem Thema auch drei Bücher verfasst. Mit meiner Frau zusammen habe ich dann ab 2005 ein funktionstüchtiges Dampfboot für zwei Personen gebaut, mit dem wir heute, so oft es geht, über norddeutsche und dänische Gewässer dampfen. Über meine dienstlichen Fahrten zu den Polargebieten habe ich hin und wieder Lichtbildervorträge gehalten. Im Ladelunder Dorfmuseum war und bleibe ich in zweiter Reihe aktiv, indem ich dem Leitungsteam alles abnehme, was mit der Anwendung neuer technischer Medien zu tun hat. Im Augenblick befasse ich mich zusätzlich intensiv mit dem einst in Ladelund ansässigen Paul Kleinschnittger, über dessen Leben und Schaffen ich gerne noch mehr erfahren möchte.

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