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Nordfriesland Tageblatt

24. August 2017 | 10:55 Uhr

Grenzenlos : Skandinavischer Lese-Genuss

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das vierte grenzüberschreitende Literaturfest startete im Andersen-Haus in Klockries mit einem Leckerbissen. Gäste waren die Norwegerin Dr. Helene Uri und der Schwede Steve Sem-Sandberg. Beide lasen in ihrer jeweiligen Muttersprache aus ihren Werken.

Literaturfreunde aus der deutsch-dänischen Grenzregion hatten zum Auftakt des vierten grenzüberschreitenden Literaturfestes in der „Fünf-Sprachen-Gemeinde“ Risum-Lindholm Gelegenheit, zwei skandinavische Autoren kennenzulernen: die Norwegerin Dr. Helene Uri und den zwischen Stockholm und Wien pendelnden Schweden Steve Sem-Sandberg. Sie ist von der Sprachwissenschaft und -forschung zur belletristischen Literatur übergewechselt. Er ist ein bekannter Autor, Kritiker und Übersetzer. Beide lasen in ihrer jeweiligen Muttersprache. Torge Korff, Chef des Flensburger Kulturbüros, übersetzte an dem Abend das Gesagte für die Zuhörer.

Ronald Steiner von der Niebüller Stadtbücherei wurde die Ehre zuteil, Gastgeber der diesjährigen Eröffnungsveranstaltung zu sein, die wegen des ansehnlichen Interesses im Andersen-Haus stattfand und von 80 Gästen besucht wurde – unter ihnen die Minderheitenbeauftrage der Landesregierung, Renate Schnack. Torge Korff und Anette Jensen (Nordisk Informationskontor), Stig Bæk Andersen (Kulturausschuss Tondern) und Bürgermeister Hauke Christiansen (Risum-Lindholm) grüßten dreisprachig, Nomke Johannsen und Katrin Zastrow (beide Gesang und Gitarre) leiteten den literarischen Abend musikalisch ein.

Von Risum-Lindholm aus nimmt das Literaturfest Kurs auf die Flensburger Bibliothek, wo die Abschlussveranstaltung stattfindet. Bis dahin hat es 14 Stationen dies- und jenseits der Grenze durchlaufen.

Steve Sem-Sandbergs Geschichte spielt in der polnischen Stadt Lódz, wo die Gestapo ein Ghetto eingerichtet hat, in dem die arbeitsfähigen Männer bei Kräften gehalten und die Alten, Kranken und Kinder nach und nach „selektiert“ und deportiert werden – in eines der Vernichtungslager. Sem-Sandberg erzählt unter anderem vom Juden-Ältesten Rumkowski, den man im Ghetto entweder als Kollaborateur mit den Nazis sieht – oder als „Retter“, der den einen oder anderen verschont hat.

Sem-Sandberg sagt, er habe die aus dem Ghetto vorliegenden und von Betroffenen verfassten Protokolle deshalb zum Stoff seines Romans gewählt, weil sie einerseits „von innen“ kamen, andererseits aber auch die Gefühle widerspiegelten, die die „Elenden“ aus dieser Stadt zwischen Bangen und Hoffnung bewegten.

Helene Uri hat seit ihrem Wechsel von der Linguistik zur Literatur 14 Bücher geschrieben, von denen vier ins Deutsche übersetzt wurden: „Anna am Freitag“, „Honigzungen“, „Ich sehe wie die Welt sich dreht“ und „Nur die Stärksten überleben“. Sie las den Einstieg in das letztere dieser vier Bücher, der kaum etwas über seinen Inhalt verriet, doch gleichwohl neugierig machte. Torge Korff half ein wenig nach und verriet nur soviel, dass die Geschichte ein Campus-Roman ist – und offenbar in ihrer Uni Oslo spielt.

Doch weil sie nach eigenen Worten nicht über ihre Uni schreiben mochte, weil sich das nicht gehört, verlegte sie die Geschichte in das von ihr erfundene fiktive „Institut für futuristische Linguistik“ , das es in Wirklichkeit nicht gibt, jedoch jenem Raum öffnet, in dem eine pfiffige Literatin jeden Zwang abstreifen und sich belletristisch-linguistisch über die Themenfülle in einem Campus auslassen kann.

Ronald Steiner dankte allen, die am Zustandekommen dieses Ereignisses mit regionaler Ausstrahlung mitgeholfen haben. Als er in der Ankündigung für diesen Abend versicherte, es werde nicht nur Gelegenheit sein, andere Kulturen und Menschen zu erleben, sondern auch eine Bereicherung, hatte er nicht zu viel versprochen.




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erstellt am 19.Sep.2013 | 18:02 Uhr

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