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Integration : „Sie sind eine Bereicherung für uns“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Schüler mit Migrationshintergrund sammeln im Rahmen eines vom Bund geförderten Projektes Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben

Rund 350 Schüler der 7. und 8. Klassenstufen der Gemeinschaftsschule Niebüll, Emil-Nolde Schule Neukirchen, Gemeinschaftsschule Leck und Gemeinschaftsschule Bredstedt nehmen jährlich an einer Berufsorientierung für Jugendliche teil. Finanziert wird die Maßnahme durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie Drittmittel des Kreises Nordfriesland. Das Ziel: Erkunden von Talenten, Potentialen, Interessen und eine erste Heranführung an die Berufswelt.

„Das Programm ist sehr erfolgreich“, sagt Sophie Mowka von der Bildungs- und Arbeitswerkstatt Südtondern (BAW). Seit sechs Jahren ist die BAW mit im Boot, gibt – gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland Nord – jungen Menschen eine Orientierungshilfe. „Unsere Zielgruppe für die berufliche Standortbestimmung sind derzeit junge, schulpflichtige Flüchtlinge“, erklärt Susan Lesener, Diplom-Sozialpädagogin und stellvertretende Geschäftsführerin in der BAW. Junge Menschen mit Migrationshintergrund – sie werden in der Gemeinschaftsschule Niebüll in sogenannten DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) unterrichtet – lernen während der Maßnahme ihre Stärken kennen, in Teams zu arbeiten und erhalten Einblicke in verschiedene Berufe sowie Tagesabläufe. Die Auswahl der Teilnehmer erfolgt an der Schule in Zusammenarbeit mit der Lehrkraft Johanna Suxstorf-Raetsch. Kriterien: das passende Alter und das Vorhandensein von rudimentären Deutschkenntnisse.

Aufgeteilt ist die Maßnahme in zwei Teile. Das ist zunächst die zweitägige Potentialanalyse in der BAW. Hier wird geschaut, was die Schüler können, wo ihre Stärken liegen. In der Potenzialanalyse kommen abwechselnd ausschließlich geschulte Beobachter zum Einsatz – in der BAW Südtondern sind es derzeit acht Mitarbeiter. Bei der Arbeit mit Migranten wird ein Betreuungsschlüssel von 1:3 gewährleistet. Im Fokus der Potentialanalyse stehen das Vermitteln von Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Motivation, Durchhaltevermögen und Problemlösefähigkeit. Eine Hürde ist natürlich die Sprache. Auf Dolmetscher wird bewusst verzichtet. „Es soll ja deutsch gesprochen werden“, sagt Sophie Mowka. Also wird mit einfachen Sprachübersetzern, Bildern, Piktogrammen – oder einfach mit Händen und Füßen gearbeitet. Die Aufgaben wurden auf die Zielgruppe angepasst. „Dass heißt weniger textlastig und spezifische Aufgaben, wie beispielsweise das Erlernen der unterschiedlichen Begrüßungen und Verabschiedungen in der Sprache der Jugendlichen, das Vorstellen ihrer Herkunftsländer und kultureller Besonderheiten“, ergänzt Susan Lesener. Für die Teilnehmer eine Umstellung. „In ihren Ländern tragen sie zum Familienunterhalt bei, hier sind sie wieder Jugendliche.“

Zweiter Teil des Berufsorientierungsprogramms ist der praktische Teil – die zehntägige Arbeit in den Werkstätten. Hier haben die Teilnehmer die Möglichkeit, in verschiedene Berufsfelder, von denen sie drei für sich auswählen dürfen, ihr Können zu erproben. Die Bereiche sind vielfältig: Farbe, Metall, Holz, Hauswirtschaft, Küche, Lager und Handel, Wirtschaft und Verwaltung in der BAW und Maurer und Zimmerer in der Kreishandwerkerschaft. Werkstücke, die während dieser Zeit angefertigt werden (beispielsweise Nisthilfen, Schneidebretter oder Metallwürfel) dürfen die Jugendlichen behalten. Dabei kommt es zu netten Anekdoten. „So wundern sich Teilnehmer aus Afghanistan, warum wir Deutsche für unsere Vögel Häuser bauen“, berichtet Sophie Mowka lachend. Die Ergebnisse der Potentialanalyse und der Werkstatttage werden in einem Bericht festgehalten, mit dem Schüler, den Lehrkräften sowie Eltern besprochen und als Zertifikate, die bei Bewerbungen hilfreich sein könnten, ausgehändigt.

Mittlerweile geht das Beruftsorientierungsprogramm der BAW in die dritte Runde. Die Migranten der 1. und 2. Potentialanalyse arbeiten derzeit in den Werkstatttagen. Susan Lesener: „Pro Potentialanalyse nehmen sechs Migranten teil, dass heißt: Bis Ende 2015 haben 24 junge Menschen aus Afghanistan, Syrien, Armenien, Italien, Polen und Rumänien mitgemacht. “

Erste Erfahrungen zeigen, dass man auf den richtigen Weg ist. „Die Migranten sind höchstmotiviert, engagiert und einsatzbereit; sie nehmen jede Chance auf Wissenszuwachs begeistert wahr; sie sind begeisterungsfähig, neugierig“, beschreibt Susan Lesener. „Sie sind eine Bereicherung für uns.“ Durch die heterogenen Gruppen gebe es eine Vielfalt an Sprachen und Kulturen, und dennoch finde viel Austausch, Kommunikation und Verständigung statt. „Die ersten Begegnungen berühren uns sehr und machen deutlich, wie sehr diese Angebote angenommen werden, wie hoch die Integrationsbereitschaft ist“, freut sich BAW-Geschäftsführer Hauke Brückner.

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