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Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 23:13 Uhr

„Sie lebten knapp und zeugten Kinder“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Über die Besiedlung des Dorfes Klixbüll und seine Christianisierung bis zur Reformation berichtete der Niebüller Historiker Albert Panten

von
erstellt am 12.Feb.2017 | 18:38 Uhr

Die Anfänge Klixbülls waren Thema eines Heimatabends des Vereins Dörpscampus Klixbüll. Der Niebüller Historiker Albert Panten (kleines Foto) berichtete über die Besiedlung des Dorfes und seine Christianisierung bis zur Reformation. Erste urkundliche Erwähnung fand das Dorf im Jahre 1352. Doch nach Kirchenlisten wurde es schon 50 Jahre früher namentlich erwähnt.

Spannung und Erwartung auf das, was Panten erzählen würde, waren schon am guten Besuch des Abends zu messen. Bürgermeister Werner Schweizer sowie Rolf Friedrichsen und Udo Petersen aus dem Vorstand des noch jungen Vereins freuten sich über ein volles Haus im Campus, wo sich den Klixbüllern etliche „Auswärtige“ hinzugesellt hatten, vor allem Nachbarn aus Niebüll.

Wo es anderswo von Fundstellen wimmelt, sei es in Klixbüll um diese ärmlich bestellt, schränkte Panten ein. Mithilfe eines Beamers zeigte er lediglich zwei gefundene Steinwerkzeuge, die von der frühen Vergangenheit Klixbülls zeugen – mit diesen hatte es sich auch. Folglich stellte er seinen Ausführungen auch „einige Bedenken“ voran, auf spärliche stumme Zeitzeugen und Bodenfunde verweisend. Soviel scheint sicher: Das Tal zwischen der Soholmer Au und Klixbüll sowie Gotteskoog sei zunächst bewaldet gewesen, danach von einem Moor überdeckt.

Der Name Klixbüll soll vom Dorfgründer herrühren. Dem Suffix „büll“, war vielfach der Beiname einer Person vorangestellt, die im 11./12. Jahrhundert lebte und auf dessen Besonder- oder Eigenheiten hinwies. Dieser Theorie folgend, wurde Klixbüll womöglich sogar von einem aggressiven Mann gegründet. Im Dorf waren zu dieser Zeit 14 Bauern ansässig, deren Zahl sich bis zum 17. Jahrhundert verdoppelte. Von den weniger Begüterten hieß es im Vortrag: „Sie lebten knapp und zeugten Kinder.“

Der Klixbüller Koog wurde 1454 eingedeicht, der Gotteskoog 1562/66. Die Bewohner nutzten die unter dem Klei vorhandene salzige Torfschicht zur Salzgewinnung, was Geld einbrachte und einigen Wohlstand bewirkte. Zu den deutlich wohlhabenden Höfen gehörten der Klixbüllhof nahe der Kirche und der weiter östlich gelegene Karrhardehof, beide zusammen ein adliges Gut mit Zweigstellen in fünf Nachbargemeinden, die heute noch in Verbindung untereinander stehen. Als Bauherr wird der Hardesvogt Anders Sönnichsen vermutet, der geadelt wurde und Stammvater der Familie von Andersen war, die den Hof besaß, dessen Besitzer später der Statthalter Geert Rantzau wurde.

In dieser Zeit war es üblich, aus welchen Gründen auch immer, Stiftungen zu errichten, darunter die Marien- und die Nicolaistiftung. Nach letzterer ist die um 1100 erbaute Klixbüller Kirche benannt, in der es üblich war, einen Nebenaltar mitsamt einem Priester einzurichten. Dessen Hilfe sollte ermöglichen, die Zeit eines Fegefeuers zu verkürzen oder sich von Sünden loszukaufen.

Als Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Stadtkirche nagelte, bröckelte auch der Glaube, man könne sich den Ablass von seinen Sünden erkaufen. In Klixbüll sollte es ab Veröffentlichung der Thesen 1517 noch 13, 14 Jahre dauern, bis die Reformation griff und die Katholiken evangelisch wurden. Trotz der neuen Lehre blieb es allerdings noch lange bei alten finanziellen Verpflichtungen – unter diesen auch bei der Kuhheuer, die bis 1887 in Not geratenen Bauern eine Leihgebühr für eine Ersatzkuh auferlegte.

Nach und nach hatte die Reformation einer Vielzahl teilweise skurriler Stiftungen den Garaus gemacht, Stiftungen, die der Christianisierung manch faden Beigeschmack zufügten. Albert Panten würzte seinen jederzeit spannenden Vortrag mit Detailschilderungen, die das Dunkel der Vergangenheit aufhellten. Er schloss seine Berichterstattung, mit der Feststellung, dass sich die Klixbüller so um 1530/31 anschickten, lutherisch zu werden. Sein umfangreiches Wissen hatte der Referent sich durch mühsame Studien der Archive in Kopenhagen und Schleswig sowie der Klixbüller Kirchenbücher erworben und wusste seinen stattlichen Fundus an historischen Fakten amüsant zu verkaufen. Typisch Panten eben.


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