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Schwinmmunterricht in Schleswig-Holstein : Kinder in Südtondern sicher im Wasser

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Immer weniger Kinder in Schleswig-Holstein bekommen Schwimmunterricht – an Südtonderns Grundschulen sieht das ganz anders aus.

shz.de von
erstellt am 07.Jun.2017 | 12:21 Uhr

Die Zahl der Kinder, die nicht sicher schwimmen können steigt drastisch an. 59 Prozent der Zehnjährigen in Schleswig-Holstein seien keine sicheren Schwimmer, teilte der Landesgeschäftsführer der DLRG, Thies Wolfhagen in seinem am Dienstag veröffentlichten Bricht mit (wir berichteten). Ein Grund dafür sei, dass an insgesamt 120 Grundschulen Schleswig-Holsteins kein Schwimmunterricht erteilt wird.

Anders als in der landesweiten Statistik sieht es jedoch in Südtondern aus: Bei allen Grundschulen in der Region gehört Schwimmen inzwischen zum Unterricht. „Die Grundschulen sorgen vorbildlich dafür, dass die Kinder schwimmen können“, berichtet Dagmar Olschweski, Ausbildungsleiterin bei der DLRG Niebüll. Die Schulen, die kein Schwimmbad in der Nähe haben, hätten eigens Taxi- und Busshuttle für die Fahrt zum Schwimmunterricht eingerichtet. Einige Schulen bieten ganzjährig Unterricht an, andere nach Saison, wenn er in in den Freibädern stattfinden kann, wie in Risum-Linholm, Neukirchen, Stadum und Klixbüll.

In den Hallenbädern in Niebüll und Leck finden ganzjährige Kurse statt. Die Niebüller Schulen haben den Schwimmunterricht ab der zweiten Klasse auf dem Lehrplan, die anderen ab dem dritten und vierten Jahr, berichtet Olschweski. So wie zum Beispiels die Grundschulen Ladelund und Achtrup.

„Es ist natürlich aufwendiger, mit den Kindern aus Ladelund oder Achtrup zum Schwimmen nach Leck zu fahren und es kostet auch viel Zeit und Geld“, berichtet die Schulleiterin Maren Jappsen-Gottburg. Seit diesem Jahr gehört das Schwimmen auch in Ladelund wieder zum Unterricht, Achtrup ist schon länger dabei. „Ich habe auch die Berichte gelesen, dass immer weniger Kindern schwimmen können und ich denke, dass es absolut notwendig ist, dass die Kinder hier es lernen“, sagt sie. Und da Schwimmen auf dem Lehrplan steht, müsse die Schule dafür sorgen, dass es stattfindet, auch wenn die Schwimmbäder weiter weg sind.

Einfacher haben es da die Kinder der Grundschule Neukirchen, bei denen der Sportunterricht im Sommer mit dem Schwimmunterricht getauscht wird: „Unsere Kinder können zu Fuß in das Freibad laufen“, sagt Schulleiterin Petra Christiansen.

Wer nicht erst in der Schule das Schwimmen erlernen soll, kann dies auch vorher in den Kursen bei der DLRG tun: Ab fünf Jahren dürfen die Kinder hier zum Unterricht. „Dank der Bildungsgutscheine hat eigentlich jeder die Möglichkeit, sein Kind zum Schwimmen zu schicken“, sagt die Ausbildungsleiterin. Jedoch sei meist weniger das Geld das Problem, als vielmehr die Angst der Eltern.

Oft höre sie den Satz: Mein Kind kann das nicht alleine. „Wir haben ganz viele überbehütete Kinder in den Kursen, von sogenannten Helikopter-Eltern.“ Dies sei vermutlich ein Grund dafür, dass die Kinder heute deutlich länger zum Schwimmen lernen brauchen, als noch vor etwa zehn Jahren. Ein weiterer Grund ist, dass heute die motorischen Fähigkeiten deutlich schlechter sind und eine Arm–Bein-Koordination für viele bereits eine große Herausforderung darstellt. „Wir haben heute eigentlich kaum ein Kind, dass es nach einem Kurs schon schafft, in der Regel sind es zwei bis drei Kurse“, so Dagmar Olschewski.

Die DLRG setzt bewusst auf einen Unterricht ohne Eltern und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht – die Kinder sind mit großem Spaß bei der Sache. Die Anzahl der Jungen und Mädchen, die schwimmen lernen, ist etwa gleich, bei den älteren Kindern sind es derzeit jedoch mehr Jungs. Die Mädchen seien dabei etwas ehrgeiziger, so die Erfahrung der Ausbildungsleiterin.

Eine rechtzeitige Anmeldung sichert dem Nachwuchs einen Platz, denn auch in Südtondern werden Wartelisten für die Schwimmkurse geführt. Doch auch hier steht die Region deutlich besser da als der Landesdurchschnitt: Statt einem Jahr beträgt die Wartezeit in Südtondern etwa drei Monate. „Wir bieten auch Crash-Kurse an, aber in der Regel ist es besser, wenn die Eltern ihre Kinder nicht erst ein paar Wochen vor Schulbeginn anmelden, mit dem Ziel, die Kinder sollen bis zur Einschulung schwimmen können.“

Doch auch wer in der Kindheit das Schwimmen nicht gelernt hat, braucht den Kopf nicht in den Sand zu stecken: Zum Schwimmen lernen ist es nie zu spät. Auch Schwimmkurse für Erwachsene werden in Südtondern angeboten. „Wir haben im Moment eine Gruppe von sechs Erwachsenen, darunter eine Seniorin“, sagt Dagmar Olschewski. Die übrigen Gruppenteilnehmer sind zwischen 30 und 40 und wollen Schwimmen lernen, weil ihre Kinder bereits schwimmen können.

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