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Unterhaltung : Sexy Schlüpfer statt Seniorenteller

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die 50Plus-Generation ist weder noch: weder alt, noch jung – worüber Uta Rotermund in der Nordsee Akademie ihre Späße machte

Im rosa Bademantel, mit roten Fast-Highheels und einer turmhohen Perücke stürmte Uta Rotermund durch den Saal auf die Bühne in der Nordsee Akademie. Witzig, frech und offen beleuchtete sie die dritte Lebensphase in ihrem Programm „50 Plus! Seniorenteller?“. 320 Zuschauer ließen sich begeistern von dem Kabarettabend, den der Kreislandfrauenverband in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragen für Frauen im Amt Südtondern, Sylke von Kamlah-Emmermann, sowie dem Landfrauenverein Leck möglich gemacht hatten.

Die Kabarettistin aus Dortmund wählte das Hamlet-Zitat „Sein oder nicht sein“ als Einstieg und befand sich gleich mittendrin in ihrer Show mit der Frage „Botox oder Bärenticket?“ Sie griff den demographischen Faktor auf, hinterfragte den Sinn des Lebens. Mit scharfer Zunge, manchmal ein wenig bissig, aber immer mit Humor zielte Uta Rotermund auf das Leben ab, wenn die Kinder aus dem Haus sind, ihre eigenen Plagen mitbringen, sich der Gatte mit der blonden Schnepfe vergnügt („… das hat nichts mit unserer Beziehung zu tun…“), oder einem im Restaurant der Osteoporose-Teller angeboten wird. „Gibt’s auch einen Prostata-Teller?“ konterte die Comedienne. Hinterher vielleicht ein Methusalem-Kompott? Nein, das muss man alles nicht akzeptieren. 50 Plus: Das ist die Generation von Madonna, Hillary Clinton, Helen Mirren und Angela Merkel. Immer unterwegs, überall und nie bei sich selbst. Das ist die Generation der Heuchlerinnen: lächeln, lächeln, lächeln. Frauen über 50 sind wie Diamanten, strahlend schön, geschliffen, gehärtet, unzerstörbar und gnadenlos: „Wenn eine Frau ein Auge zudrückt, meine Herren, dann nur um zu zielen!“ Die wenigen Männer im Publikum mussten tapfer sein und sich vieles anhören, überspitzt natürlich und nicht auf jeden gemünzt. „Der Greis ist heiß“ witzelte Rotermund und empfahl den Damen todsichere Rezepte, wie man sich der besseren Hälfte entledigen kann – und was natürlich nicht ernst gemeint war.

Auch die Frauen bekamen den Spiegel vorgehalten, schmunzelten weise oder lachten lauthals los. Im „Wechseljahr-Alphabet“ kombinierte die Kabarettistin beispielsweise Alkohol mit Botox: „Sie sehen zwar scheiße aus, sind aber gut drauf!“ Das „W“ stand für Wellfleisch wie Wellness, das „O“ für Orangenhaut: „Sie sind ja auch ´ne Fruchtschnitte!“

Ihre Glacee-Handschuhe hatte Uta Rotermund zu Hause gelassen: „Hier gibts was aufs Maul!“ Und dabei machte die Schauspielerin und Journalistin nicht immer halt an der Gürtellinie. Es wurde nichts tabuisiert. Pointe folgte auf Pointe, richtig eingesetzt sprach eine wohldosierte, spannungsreiche Pause zwischen den Zeilen Bände und trieb die Tränen in die Augen. Auch das ernste Thema Altersarmut sprach die 59-Jährige an, machte ihre Witze und regte gleichzeitig zum Nachdenken an. Zuverdienen als Rentnerin? Klar, zum Beispiel als Table-Pool-Dancer? Uta Rotermund traute sich und demonstrierte das mit überwältigender Spiellaune zu Tom Jones’ Song „Sex Bomb“. Herrlich komisch erotisch – mit Stützstrümpfen, grauen Haaren und Schlüpfer in Größe XL!

Diejenigen, die eine seichte Unterhaltung erwartet hatten, sahen sich enttäuscht. Einige wenige Zuschauer verließen die Veranstaltung. Doch die anderen wussten es zu schätzen: Das war Kabarett vom Feinsten. Sie dankten es der Künstlerin mit stehenden Ovationen.

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erstellt am 28.Mär.2015 | 05:00 Uhr

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