Amtsgericht Niebüll : Sexuelle Übergriffe: Vater auf Bewährung frei

Wegen sexuellen Handlungen mit seinen Töchtern wurde ein 37-Jähriger vor dem Amtsgericht Niebüll zu einer Bewährungsstrafe verurteilt

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28. Mai 2015, 05:00 Uhr

Wegen sexueller Handlungen, begangen an seinen unter 14 Jahre alten Töchtern und des Besitzes von Bilddateien pornografischen Inhalts mit Darstellungen Sechs- bis Neunjähriger bei anzüglichen Vorgängen wurde ein 37-Jähriger aus einer Nachbargemeinde vom Schöffengericht Niebüll zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Verbüßung der Strafe wurde bei Erfüllung bestimmter Auflagen für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Die Staatsanwältin hatte eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten beantragt, zur Bewährung auf zwei Jahre ausgesetzt. Die Nebenklägerin, die die Mutter der beiden Mädchen vertrat, schloss sich dem Antrag der Staatsanwältin an. Doch Richterin Andrea Soltau setzte dem nach fast einstündiger Beratung mit den Schöffen noch einen drauf.

Die zur Verhandlungen anstehenden Straftaten wurden 2012 und 2013 begangen. Von der älteren der Töchter habe er Nacktfotos machen wollen und sie „oben“ berührt, die Jüngere mehrfach „unten“, wie sie bei der Polizei schilderten, wo die Mutter Anzeige erstattete, nachdem sie Kenntnis von den Vorgängen bekommen hatte.

„Was sagen Sie zu den Tatvorwürfen?“, wollte Richterin Soltau vom Angeklagten wissen. Dieser, inzwischen geschieden und als Hausmeister „in Arbeit“, gab mit zaghaftem Kopfnicken zu, was ihm zur Last gelegt wird, fügte aber hinzu, dass er vorgehabt habe, sich für seine Missetaten zu entschuldigen, aber jegliche Kontaktaufnahme verhindert wurde. „Sie ließen mich in der Luft hängen.“ Womit der Angeklagte andeutete, dass er massivem Widerstand dreier Frauen gegenüber stand: seiner Exfrau, deren Mutter und der Schwägerin.

In der Verhandlung tauchte eine Fülle neuer Aspekte auf. Der Angeklagte gab nun seine Taten offener zu. Mit der jüngeren Tochter habe er „immer Dienstag“ herumgemacht, wenn er mit ihr allein war. Beide Töchter hätten ihm Widerstand geleistet. Was er sich dabei gedacht habe, wurde er mehrfach gefragt, und darauf nur mit gesenktem Kopf reagiert.

Es sei vieles von der Mutter „hoch gekocht“ worden, versuchte er ihr Verhalten zu erklären. „Dass ich so handelte, wie ich handelte, muss auch an meiner Ehe gelegen haben“, unternahm er den Versuch einer Erklärung. Er habe eine Frau gehabt, mit der ein Gespräch nicht möglich war – schon gar nicht mit dem „Dreier-Clan“.

In der Urteilsbegründung ließ die Richterin anklingen, dass das Strafmaß schuldangemessen sei. Die Prognose erlaube eine Bewährungsfrist von drei statt zwei Jahren und einen Bewährungshelfer für den Angeklagten, von dem nun Anzeichen der Besserung zu fordern seien. In der nun folgenden Therapie gehe es nach den Worten der Richterin auch um pädophile Neigungen. Überdies habe der Angeklagte eine schwere finanzielle Last zu tragen. Einig waren sich Richterin, Staatsanwältin und Nebenklägerin darin, dass der Angeklagte an sich arbeiten muss, damit er den Begriff Vaterliebe nicht – wie geschehen – gesetzeswidrig interpretiert.

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