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Gewerbegebiet in Leck : Seltene Vögel erschweren die Planung

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Braunkehlchen und Kiebitz gehören zu den gefährdeten Arten. Sie brüten ausrechnet dort, wo die Gemeinde Leck das Gewerbegebiet erweitern möchte.

„Djü teck“ und „kie-witt“: Diese Vogelrufe schallen über das Gebiet nördlich des Lecker Gewerbegebiets. Denn dort brüten das Braunkehlchen und der Kiebitz – und beschäftigen somit auch den Infrastruktur- und Umweltausschuss der Gemeinde Leck. „Beide Vögel gehören zu den gefährdeten Arten“, referierte Udo Schmäschke, Bauamtsleiter des Amtes Südtondern während der jüngsten Sitzung.

Zum Hintergrund: Die Gemeinde plant eine Erweiterung des Gewerbegebiets (nördlich von Abbruch Carstensen und Hagebaumarkt) und hat dafür schon vor Jahren Land erworben. Jetzt hat allerdings ein Artenschutzgutachten der Umweltbehörde des Kreises ergeben: Mit Braunkehlchen und Kiebitz brüten dort Vögel der Roten Liste. „Dieses Vorkommen führt dazu, dass wir bei der weiteren Planung ein besonderes Augenmerk auf die Bruthabitate legen und spezielle Ausgleichsflächen schaffen müssen“, sagte Schmäschke.

Das neue etwa acht Hektar große Gewerbegebiet soll in zwei Abschnitten realisiert werden. Der erste gut vier Hektar große davon liegt im Osten des Areals. Er ist über eine Verlängerung der Georg-Ohm-Straße mit dem bereits bestehenden Gewerbegebiet verbunden. Im zweiten Abschnitt würde dann die westliche, große Fläche erschlossen. Sie soll sowohl Anschluss zur Straße des ersten Abschnitts als auch an die L 246 (Kemper Graben) haben. Die Überlegung, die weitere Planung für die Erweiterung ruhen zu lassen, bis mehr Klarheit über die zukünftigen Möglichkeiten auf dem Lecker Flugplatzgelände herrscht, wurde verworfen. Zur Erinnerung: Dort strebt die Gemeindevertretung ebenfalls Sondernutzung durch Gewerbe an, allerdings muss erst die weitere Entwicklung abgewartet werden, Ende März soll ein erneutes Gespräch im Kieler Ministerium stattfinden. Selbst bei einem positiven Ausgang für die Flugplatz-Fläche würde es jedoch noch dauern, bis dort eine Gewerbebebauung möglich sei. Deshalb einigten sich die Mitglieder des Infrastruktur- und Umweltausschusses darauf, die Planung für die Erweiterung des bestehenden Gewerbegebiets trotz Braunkehlchen und Kiebitz vorerst fortzusetzen. „Wir müssen grundsätzlich für jede Fläche, die bebaut und somit versiegelt wird, Ausgleichsflächen schaffen“, sagt Bauamtsleiter Schmäschke. Dass sich gefährdete Vogelarten dort angesiedelt haben, mache die geplante Erweiterung nicht unmöglich, wäre aber mit mehr Aufwand als geplant verbunden.

„Im Grunde gibt es keine Fläche, die nicht in irgendeiner Form dank irgendeines Pflänzchens oder Vögelchens schützenswert ist“, so Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn. „Es ist schön für uns, in so einer intakten Region leben zu dürfen. Wir müssen aber bestrebt sein, dass sich die Gemeinde – auch was Arbeitsplätze angeht – gesund entwickelt. Im Mittelpunkt aller Bemühungen muss der Mensch stehen, der in einer gesunden Umwelt lebt.“ Ziel des Bürgermeisters sei es, die Faktoren Natur, Mensch und Arbeit im Einklang zu bringen.

„Sowohl das Braunkehlchen als auch der Kiebitz sind selten geworden, gehören zur Roten Liste 3, das bedeutet: Die Arten sind gefährdet“, so der Diplom-Biologe und Ornithologe Dr. Walter Petersen-Andresen. „Wenn die Flächen für diese beiden Arten dauerhaft geeignet sind, ist das schon sehr wichtig.“

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erstellt am 21.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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