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Vergessene Orte : Seit Jahrzehnten nicht mehr betreten

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Verschlossene Türen, Ruinen oder Plätze, die eine interessante Geschichte erzählen: In der Serie „Vergessene Orte“ spüren wir sie auf. Heute: Am Fuße der Treppe hinter der Christuskirche.

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erstellt am 06.Aug.2014 | 08:45 Uhr

Täglich kürzen Passanten ihren Weg vom oder in Richtung Bahnhof über das Grundstück an der Christuskirche ab. Dabei fällt auf: Auf der Rückseite des 1729 erbauten Gotteshauses befindet sich, hinter einem mit einer Kette und Vorhängeschloss gesicherten, mittlerweile rostigen Eisentor, eine Treppe aus Ziegelsteinen. Sie führt hinunter zu einer alten Holztür. Ins Erdreich? Unter die Kirche? Was verbirgt sich dahinter?

Christian Meyer-Dulheuer ist seit eineinhalb Jahren Vorsitzender des Kirchen-Bauausschusses, und er lässt die inzwischen verschraubte Tür für uns von Hausmeister Broder Brodersen öffnen. Der 2,70 mal 3,60 Meter große Raum enthält keine Grabkammern, keine Krypta, dafür Backsteine, Teile eines alten Eisenfensters und jede Menge Schotter. Alte Lichtschalter, Haken, Steigeisen, Metallschilder mit Anweisungen verzieren die Wände, von der Decke hängen verrostete Rohre, Anschlussleitungen und eine alte Wasseruhr. Das einzige Fenster ist längst zugemauert. Das Ganze liegt hier seit etwa 40 Jahren. „In diesem Raum befand sich einst die Heizungsanlage der Christuskirche“, berichtet Christian Meyer-Dulheuer. „Die Technik stammt aus den 50-er Jahren.“ In den 70-er Jahren wurde sie ausgebaut, seither wird die Kirche mit Strom beheizt. „Am Sonnabend wird sie eingeschaltet, damit man am Sonntag in der Kirche im Mantel gut sitzen kann.“

Nach dem Ausbau der Anlage wurde die hölzerne Zugangstür verschlossen – für vier Jahrzehnte. „Vor einem Jahr wurde das Schloss an der Tür aufgebrochen. Da waren wir dann erstmals wieder hier unten, um zu beraten, was mit diesem Raum geschehen soll“, sagt Meyer-Dulheuer. Erste Überlegungen, ihn zu verfüllen oder abzureißen, wurden wieder verworfen. Der Grund: Die Bauausschuss-Mitglieder denken in die Zukunft. Kurt-Heinz Jappsen: „Wir möchten jetzt abwarten, was sich hinsichtlich der Erneuerbaren Energien so tut.“ Und der Ausschussvorsitzende fügt hinzu: „Wer weiß, welche Möglichkeiten es in 15 Jahre gibt, diese Kirche zu beheizen. Und dann könnte dieser Raum wieder dringend gebraucht werden. Das ist der Grund dafür, warum es ihn noch gibt.“

 

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