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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2017 | 07:02 Uhr

Naturschutz : Seeadler-Entdeckung mit Folgen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ein neuangesiedeltes Pärchen hat in der Nähe von Leck ein Jungtier großgezogen: Das hat Auswirkungen auf Windkraftanlagen im Umkreis

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2014 | 05:45 Uhr

Um einen Ornithologen-Tourismus zu vermeiden und die seltenen Tiere nicht zu stören, wird der genaue Standort des neuangesiedelten Seeadler-Pärchens nicht preisgegeben. Denn nun ist bekannt, wo der Greifvogel – der zwar immer wieder im Langenberger Forst gesichtet wurde, dessen Horst aber nicht entdeckt werden konnte (wir berichteten) – gebrütet hat. Ein Jungtier wurde großgezogen, aber nicht im Landesforst, sondern in einem rund 21 Hektar großem Privatwald westlich von Leck. Damit sind es aktuell bereits zwei Paare, die in Südtondern leben, denn auch am Gotteskoogsee ist ein Paar beheimatet.

„Natürlich ist es schön, dass der Seeadler sich hier angesiedelt hat“, sagt Carl-Heinz Christiansen, der im Namen von BUND, Nabu und Naturschutzverein Südtondern bereits im Februar dieses Jahres mit Blick auf die Repowering-Pläne der Gemeinde Leck im Schnatebüller Koog Kritik geübt hatte. Dort sei ein wichtiges Rast-, Nahrungs-, Brut- und Zuggebiet zahlreicher Vogelarten. Auch der Seeadler sei mehrfach in dem Bereich beobachtet worden.

Die neuen Greifvögel im Revier haben jetzt tatsächlich Auswirkungen auf bestehende und in Planung befindliche Windkraftanlagen. Die Gemeinde Leck etwa muss das geplante Repowering von Windenergieanlagen zugunsten der seltenen Tiere, deren Horst in sechs Kilometer Entfernung festgestellt wurde, zurückfahren. Der Umfang der geplanten Windkraftanlagen wird von sieben auf fünf reduziert, wie am Dienstagabend im Infrastruktur- und Umweltausschuss der Gemeinde Leck zu erfahren war. Zudem wurde der Plangeltungsbereich im Westen um 250 Meter verringert.

Naturschützer Christiansen ist das mit Blick auf des sensible Gebiet nicht genug: „Leider hat der Seeadler es nicht geschafft, den gesamten Windpark zu verhindern.“ Auf der Nahrungssuche orientierten sich die Tiere an der Lecker Au und flögen durch den Koog zum Bottschlotter See. „Die Windmüller tun sich damit keinen Gefallen – wenn ein Seeadler durch die Rotoren erschlagen wird, ist das Geschrei groß“, fügt er an.

„Windkraftanlagen zählen zu den potenziellen Beeinträchtigungen mit erhöhter Tötungsgefahr durch die Rotoren“, sagt auch Dr. Bodo Grajetzki von der Husumer Firma „Bio Consult“, die seit September die Alttiere mit ihrem Nachwuchs genauestens beobachtet. Dieser Zusammenschluss von Biologen erfüllt im Auftrag der Windparkbetreiber die Untersuchungen, die das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume nach der amtlichen Seeadler-Ansiedlung vorschreibt. Die Ergebnisse könnten auch für künftige und bestehende Windkraftanlagen anderer Gemeinden Folgen haben. „Wir untersuchen die potenziellen Beeinträchtigungen rund um den Horst der neuangesiedelten Seeadler“, sagt Grajetzki.

Der Seeadler-Nachwuchs sei vermutlich Anfang April geschlüpft und Ende Juni/Anfang Juli ausgeflogen. Jetzt gilt es für die Experten herauszufinden, wie sich die Flugwege der Seeadler genau gestalten. Auf Nahrungssuche können die majestätischen Tiere laut Grajetzki Strecken von zehn Kilometern oder mehr zurücklegen.

Sollte eine Gefährdung der Tiere durch bestehende Anlagen festgestellt werden, könnte das Auflagen nach sich ziehen, zum Beispiel die zeitweise Abschaltung einzelner Windräder. Doch noch stehe man ganz am Anfang der Beobachtungen: „Die Untersuchung erstreckt sich über ein Jahr“, so Grajetzki.

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