Konzert in Niebüll : Schwungvoller Jahresauftakt

Sopranistin Elisabeth Jahrmann bot besondere Schmanckerl.
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Sopranistin Elisabeth Jahrmann bot besondere Schmanckerl.

Regimentsorchester aus Wien unter der Leitung von Kapellmeister Helmut Zsaitsits begeistern Publikum in der Stadthalle.

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05. Januar 2018, 03:07 Uhr

Niebüll | Wiener Leidenschaft trifft auf friesische Zurückhaltung – doch schon nach den ersten Marsch- und Walzerklängen der legendären Deutschmeister am Mittwochabend in der Stadthalle Niebüll steht fest, welche Mentalität diesen schwungvollen Konzertabend prägen wird. Dort präsentiert sich das älteste und traditionsreichste Orchester Österreichs alles andere als angestaubt. Viele junge und virtuose Talente finden sich in den Reihen das offiziell als Regimentsorchester Wien titulierten Ensembles, denen der musikalische Sprung von der Historie in die Moderne scheinbar federleicht gelingt – auf höchsten musikalischem Niveau – und immer mit der richtigen Prise Wiener Schmäh.

Die Pracht der Wiener Weltmusik in die Welt hinaus zu tragen – diesem Auftrag werden die Deutschmeister bis heute gerecht, ohne jede Form der Verherrlichung der k u. k-Zeit.

Ohne die Motivationskraft und gelebte Begeisterung von Kapellmeister Helmut Zsaitsits wäre dies aber wohl kaum möglich. „Die Begeisterung der Niebüller für unsere Musik ist schon außergewöhnlich“, sagt einer der besten Trompeter des Landes, der bei den Wiener Symphonikern spielt. Und tatsächlich, bei fast jedem Marsch und Walzer der Familie Strauß, von Franz Lehar und weiteren Komponisten wird mitgeklatscht, mitgestampft oder mitgeschunkelt.

Für musikalisch und optisch besondere Schmankerl sorgt die Sopranistin Elisabeth Jahrmann (Foto), die mit Charme, Witz und Feuer weltbekannte Lieder der leichten Muse wie „Meine Lippen, sie küssen so süß“, „Wien, Wien, nur du allein“ oder „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“ zelebriert – und dabei auch noch schauspielerisches Talent beweist. Für die 22-jährige Eva, die seit zwei Jahren im Regimentsorchester spielt, ist die Musik bisher nur ein Hobby. „Es macht einfach Spaß, Musik mit so großer Tradition mit so tollen Musikern zu spielen“, sagt die Studentin der Verfahrenstechnik.

Der Kino-Erfolg „Die Deutschmeister“ mit der jungen Romy Schneider hat schon in den 50er-Jahren diese besondere, von Leichtigkeit, Glanz und Lebensfreude geprägte Art der Wiener Kultur in Deutschland populär gemacht. Die Heiterkeit und positive Kraft der Deutschmeister-Musik erweist sich auch in der Niebüller Stadthalle als das genau richtige Kulturhighlight, um ins neue Jahr zu starten.Ohne von stehenden Ovationen begleitete Zugaben lässt das Publikum die Deutschmeister natürlich nicht von der Bühne. Als letztes Extrastück wird der Radetzkymarsch angekündigt – und auch gespielt. Mit diesem endet traditionell das Neujahrskonzert der Wiener Symphoniker. „Doch ganz sicher nicht ein Konzert von uns“, betont der Kapellmeister. Denn die Deutschmeister haben einen eigenen Regimentsmarsch. Mit „Mir san vom k u. k Infanterieregiment“, komponiert von dem ehemaligen Kapellmeister Wilhelm August Jerek, springt die Wiener Leidenschaft nochmals auf das begeisterte Publikum über. „Da fällt der Abschied nicht leicht“, sagen einige Musiker der Philharmoniker in Uniform. „Dann bleibt doch hier und spielt morgen nochmal“, ruft es aus den ersten Reihen zurück. Besser als mit den Deutschmeistern hätte Niebüll nicht ins Jahr 2018 starten können.

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