Kritik an Elternsprechtag : Schulrätin kippt Zeugnistag für Eltern

Gemeinschaftsschule Niebüll muss Elternsprechtag absagen. Am Tag der Zeugnisübergabe wird bis zur vierten Stunde Unterricht erteilt

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23. Januar 2015, 05:00 Uhr

In einer Woche droht Schleswig-Holsteins Schülern der Tag der Wahrheit: Am Freitag, 30. Januar, werden im Land die Halbjahreszeugnisse ausgeteilt. Auch an der Gemeinschaftsschule Niebüll werden dann 800 Schüler eine Rückmeldung über ihre Leistungen erhalten. Doch in diesem Halbjahr hatte die Schule die Spielregeln für die Zeugnisausgabe neu festlegen wollen: Statt den Schülern die Zeugnisse persönlich zu übergeben, wurden die Eltern mit einem Elternbrief aufgefordert, ihre Kinder in die Schule zu begleiten. Lehrbetrieb war an diesem Tag nicht vorgesehen. Stattdessen sollten Eltern, Schüler und Lehrer erst zehnminütige Beratungsgespräche führen und danach das Schulzeugnis mit nach Hause nehmen. In der Elternschaft löste diese Bitte der Schulleitung Unmut aus – man fühlte sich bevormundet.

Gestern nun die Kehrtwende: „Am Freitag, den 30. Januar 2015, wird von der ersten Stunde bis um 12.30 Uhr für alle Kinder Unterricht gegeben. In der letzten Stunde erfolgt dann die Zeugnisausgabe an alle Schülerinnen und Schüler“, sagte Nordfrieslands Schulrätin Maike Jennert und erteilte damit den bisherigen Plänen der Gemeinschaftsschule Niebüll eine Absage. Das Konzept der Lehrerkonferenz scheiterte an rechtlichen Vorgaben, denn der Unterricht darf aufgrund der Gespräche nicht ausfallen. „Alle bisher vereinbarten Gesprächstermine sind hinfällig“, sagte Jennert. Trotz der Absage stellte sich die Schulrätin hinter Schulleiter Hans-Ferdinand Sönnichsen und lobte das Angebot im Grundsatz: „Pädagogische Gespräche mit allen Schülern sowie deren Erziehungsberechtigten zu führen, ist zu begrüßen, da es ein informatives Serviceangebot der Lehrkräfte an die Lernenden und ihre Eltern darstellt.“

Sönnichsen hatte im Vorfeld für die veränderten Bedingungen der Zeugnisübergabe geworben: Hintergrund der Maßnahme sei, dass Eltern künftig die freie Wahl haben, für welche weiterführende Schule sie ihre Kinder anmelden wollen. „Wir möchten die Eltern bei dieser Entscheidung natürlich beraten“, so der Schulleiter, „das ist unsere Aufgabe.“ Auch habe das Interesse an den regulären Elternsprechtagen in den vergangenen Jahren immer mehr abgenommen. „Häufig hatten wir deswegen keinen Kontakt zu den Eltern, mit denen man sprechen müsste.“

Teile der Elternschaft fühlten sich durch das Anliegen der Schulleitung vor den Kopf gestoßen, sagte dagegen Dagmar Olscheswki. Die Elternbeiratsvorsitzende bemängelte, dass sich berufstätige Eltern extra Urlaub nehmen müssten, um den gemeinsamen Termin wahrnehmen zu können. „Das ist für viele Eltern ein echtes Problem. Da hilft auch der Ausweichtermin nicht.“ Neben dem Tag der Zeugnisausgabe hätten die Erziehungsberechtigten auch einen Tag früher, zwischen 16 und 18 Uhr, zum Gespräch erscheinen dürfen. Allerdings hätte das Zeugnis dann trotzdem erst am kommenden Tag abgeholt werden können. Auch für Dagmar Olschewski wäre das zu umständlich gewesen.

Auch wenn die jetzige Zeugnisvergabe nun doch wie in den vergangenen Jahren abläuft, bleibt die Chance zum direkten Austausch zwischen Eltern und Lehrern an diesem Tag erhalten. „Nach Rücksprache mit Rektor Sönnichsen besteht für die interessierte Elternschaft die Möglichkeit zum gemeinsamen Gespräch mit den Klassenlehrkräften und den Schülern am Freitag, 30. Januar, ab 12.30 Uhr“, sagte Maike Jennert. Um die Terminvergabe für diesen Austausch im Anschluss an die Zeugnisübergabe zu klären, wird Schulleiter Hans-Ferdinand Sönnichsen heute einen weiteren Elternbrief versenden.  

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