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Risum Skole/Risem Schölj : Schulleiter Jörgen Jensen Hahn geht in den Ruhestand

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Abschied nach 40 Jahren an der dänisch-friesischen Schule in Risum-Lindholm: Am 20. Juli ist sein letzter Schultag.

shz.de von
erstellt am 14.Jul.2017 | 19:20 Uhr

Davon, dass seine Nachfolgerin „große Stiefel ausfüllen muss“, will Jörgen Jensen Hahn nichts hören. „Niemand muss in gebrauchten Schuhen gehen, sondern jeder bringt sich selbst neue Schuhe mit“, sagt der Noch-Schulleiter der Risum Skole/Risem Schölj Risum Lindholm.

Nur noch eine Woche – dann geht der 65-Jährige in den Ruhestand. Die Leitung übernimmt Berit Nommensen, einst selbst Schülerin der dänisch-friesischen Schule. Eine gute Wahl, wie der scheidende Schulleiter findet: „Berit ist robust, die wird das gut meistern. Bis zur Übergabe muss er noch viel erledigen. Zum Beispiel Handwerker-Rechnungen koordinieren, sich im Freunde-Buch einer Zweitklässlerin verewigen und alles Wissenswerte zusammentragen, was man als „Skoleinspektør“ der dänischen-friesischen Schule wissen muss.

Jörgen Jensen Hahn ist keiner, der einfach viel redet, sondern einer, der etwas zu sagen hat. Dänisch, Englisch, Friesisch, Plattdeutsch, Deutsch: Die Sätze kommen in der Sprache aus ihm heraus, in der er das am besten ausdrücken kann, was ihm gerade wichtig ist. Nur sich selbst loben, das mag der scheidende Schulleiter nicht. Diese Aufgabe übernimmt Sandra Zlobinski-Koplin nur zu gern: „Jörgen ist ein Vollblutschulleiter, der das Friesische und Dänische lebt. Für die Schulkinder steht er ein, als hätte er sie alle selbst geboren“, sagt die Vorsitzende des Elternbeirats.

„Ich wurde 1977 geholt“, erinnert sich Jörgen Jensen Hahn an seine Anfänge an der Risum Skole/Risem Schölj. Die damalige Schulleiterin Marie Tångeberg sah viel Potenzial in dem jungen Lehrer – 1984 löste er sie als Skoleinspektør ab. Während seine Vorgängerin den Fokus auf Friesisch legte, hat Jörgen Jensen Hahn von Anfang auf sprachliche Vielfalt an der Schule gesetzt. Denn er ist überzeugt: „Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, gehen flexibler ans Lernen und an die Probleme heran.“

Der Noch-Schulleiter ist selbst das beste Beispiel dafür, wie gut man mehrere Sprachen gleichzeitig leben kann. Geboren in Niebüll, aufgewachsen in der Wiedingharde: Jörgen Jensen Hahn ist ein echter Sohn der Region. Friesisch hat er zu Hause mit seinen Eltern und Großeltern gesprochen, die Dänische Schule in Niebüll besucht, nach einem Ausflug in das Arbeitsleben eines Dachmalers hat er in Dänemark Abitur gemacht und den Lehrerberuf studiert. Plattdeutsch und Englisch spricht er auch.

„Kinder sind kleine Leute, und die musst du ernst nehmen“, sagt Jörgen Jansen Hahn. In seiner Zeit als Schulleiter sei er den Grundsätzen treu geblieben, die bereits bei Gründung der Schule 1946 verankert wurden: Sprachlich-kulturelle Werte der Heimat vermitteln, das Fenster nach Dänemark öffnen und Kindern optimale schulische Verhältnisse bieten. Für ihn als Schulleiter habe das manches Mal bedeutet, „auch am Wochenende im Büro zu sitzen und Anträge auszufüllen. Schule bedeutet viel Verwaltung. Aber auch, an der richtigen Stelle nein zu sagen“.

Seit 1982 von der Dienstwohnung auf dem Schulgrundstück aus „alles immer im Blick gehabt“. Wenn Kollegen gute Arbeit geleistet hätten, sei er nicht mit Dienstplänen hinter ihnen hergelaufen. Offenbar nicht die schlechteste Methode: „Bei uns ist noch nie eine Stunde ausgefallen. Und wir sind wohl die Schule mit den wenigsten Krankentagen“, sagt der Bald-Pensionär. Elternbeiratsvorsitzende Sandra Zlobinski-Koplin ergänzt: „Schule ist hier wie Familie. Alle sind immer für jeden da.“

Synergien aufbauen und nutzen – das ist ein weiteres Credo von Jörgen Jensen Hahn. Er hat sich außerhalb des Schulhofs für Jugendarbeit engagiert und den Verein Rökefloose („Rabenschar“) mitgegründet, war 18 Jahre lang Vorsitzender des Friisk Forening und ist bis heute aktiv im Risum-Lindholmer Gemeinderat.

Auch wenn sich bisher niemand wirklich vorstellen kann, dass Jörgen – in der Risum Skole regiert der Vorname – bald nicht mehr im Büro des Schulleiters sitzt, macht sich der 65-Jährige selbst keine Sorgen: „Ich habe immer gerne Sport getrieben. Und im Laufe des Jahres werde ich dreifacher Großvater – da soll ich wohl etwas zu tun finden.“


Die offizielle Verabschiedung von Jörgen Jensen Hahn findet am Donnerstag, 20. Juli, um 14 Uhr in der Risum Skole (Dorfstraße 91) statt. Alle Interessierten sind willkommen.

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