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Nordfriesland Tageblatt

14. Dezember 2017 | 20:05 Uhr

Schützenswerte Lebensräume

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Klintumer Moor und das Süderholz nahe Leck bieten einer Vielzahl unterschiedlichster Arten von Flora und Fauna einen Platz

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2017 | 11:27 Uhr

Es ist noch ganz früh am Morgen, die Sonne gerade erst über der Geest am aufgehen, da ist ein merkwürdiges Schwirren in den Wiesen am Klintumer Moor zu vernehmen. Fast könnte man meinen, eine Heuschrecke wäre am Sirren, aber es ist ein kleiner unscheinbarer Vogel, ein Feldschwirl, der ununterbrochen seinen Gesang von sich gibt, während langsam eine Feldlerche mit wunderbarem Gesang in den Himmel steigt, hoch über einer elegant dahin gaukelnden Rohrweihe auf der Suche nach einer morgendlichen Beute. Ein Neuntöter sitzt auf einem Busch.

Nach den langen Wintermonaten ist endlich die Natur aufgeblüht, und alles grünt. Still liegt der Moorsee eingerahmt von Weidengebüsch, Birken und den wunderbaren Gagelsträuchern, die im frühen Sonnenschein rötlich leuchten. Molche liegen auf dem Grund, und einige hängen wie kleine Drachen an der Wasseroberfläche und genießen die erste Wärme des beginnenden Tages, die auch die Laichballen der Frösche berührt, in denen sich die Eier langsam zu Kaulquappen entwickeln. Rund ums Moor ist eine beeindruckende Vogelgesangskulisse zu vernehmen, belebt den Sumpfwald mit den Gesängen der Grasmücken und Meisen, Finken und Ammern. Nur der kleine See scheint zu ruhen, auf dem ein Krickentenpaar treibt.

Aber das leise Leben ist dennoch vorhanden. Eine beachtlich große Ringelnatter schlängelt sich die Wasseroberfläche entlang, durch eine Gruppe von Wasserläufern, kleinen Insekten, hindurch auf einen Frosch zu, der sich gemächlich mit seinen langen Beinen treiben lässt. Blitzartig packt die Schlange zu, fasst ihn, sodass ihm nur noch ein hoffnungsloses Örks entgleitet, ehe er noch lebendig den weiten Schlund herab gleitet. Gleichgültig ruft ein Kuckuck seinen Namen, während das Weibchen antwortet. Aufgeregt folgt das Männchen ihm, laut aufgeregt rufend.

Einst gehörte das Klintumer Moor zu einem großflächigen Sumpfgebiet, das mittlerweile am Rand landwirtschaftlich genutzt wird; Wohnhäuser sind heran gerückt und das Süderholz ragt hinter den mit Binsen bestandenen Wiesen steil wie eine dunkelgrüne Wand auf. Doch hat die verbliebene Moorfläche seinen ganz speziellen Reiz erhalten. Flirrende Libellen sausen über das Wasser auf der Jagd nach Insekten, ein Bisam schwimmt wie ein Minibiber das Schilf entlang.

Es ist wunderbar, in einem der kleinen Nischen am Ufer zu sitzen und den Geschehnissen rundum zuzusehen. Erst dabei gehen einem die Augen auf und lassen erkennen, wie wertvoll doch selbst diese relativ kleinen Lebensräume sind, ohne deren Schutz und Erhalt ein sehr erheblicher Teil der Artenvielfalt Südtonderns gänzlich fehlen würde. Selbst den Imkern ist der Wert nicht entgangen, sodass sie ihre Bienenbeuten nahe ins Naturschutzgebiet gerückt haben um einen ganz speziellen Honig von interessanten Blüten ernten zu können. Summen und brummen erfüllt die Luft, wenn die Bienen ausfliegen und die Pollen eifrig einsammeln. Und sogar Krebssuppen sind zu entdecken, Schmetterlinge die zu den Eulen gehören. Welch eigenartiger Name für einen Falter mit eulenartigem Gesicht. Am Moorsee geruhsam zu sitzen, ist zu jeder Tageszeit ein echtes Erlebnis mit immer wieder neuen Impressionen, die sich vor einem auftun.

Auch im benachbarten Süderholz singt und klingt es voller Vogelstimmen. Längst sind Anemonen und Scharbockskräuter verblüht, aber dafür Ehrenpreise, Gundermänner und Knoblauchsrauken mit hübschen Blüten hervor gekommen. Der Wald wirkt mit seinen Fichtenbeständen wie eine dunkle Welt, während das Moor geheimnisvoll anmutet. Die Wiesen wiederum sind Licht durchdrungen. So hat jede Landschaft ihre ganz spezielle Prägung und einzigartigen Reiz. Im Wald lauscht man den Haubenmeisen und dem rauhen Schreien der Eichelhäher, den Grünspechten, sieht einen Sperber über den Waldweg dahin schießen. Kleiber klettern mit dem Kopf nach unten geschickt Zweige entlang wie Akrobaten.

Die Lebewesen des Waldes sind nicht immer leicht zu entdecken, aber anhand ihrer vielfältigen Stimmen gut wahrzunehmen. Und wie gut, dass man bei uns zu Lande, anders als in Dänemark, Wälder auch nach Sonnenuntergang betreten darf. Denn dann ist wieder eine andere Stimmung zu erleben: Waldohreulen rufen, Nachtschmetterlinge schaukeln umher, manche mit bunten Farben und herrlichen Mustern im Taschenlampenlicht, Marder schreien. Die Natur hat so viel zu bieten.

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