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Internationale Gedenkaktion : Schritt für Schritt zur Versöhnung

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Countdown läuft: Am Dienstag startet der „Putten-Ladelund loop“, der besonders in den Niederlanden auf großes Interesse stößt

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2015 | 05:00 Uhr

Jetzt sind es nur noch drei Tage – dann setzt sich ein wohl einzigartiger Gedenklauf in Richtung Ladelund in Bewegung. Am kommenden Dienstag, 28. April, starten 75 Menschen in den Niederlanden, um an die Opfer des Naziterrors zu erinnern. Das Besondere: Die rund 700 Kilometer lange Strecke bis nach Ladelund wird in Form eines Staffellaufs zurückgelegt. Tag und Nacht werden Läufer in Teams unterwegs sein, begleitet von einem gigantischen Versorgungstross.

„Dankbar für Versöhnung und Vergebung“ ist die Botschaft, die Schritt für Schritt Ladelund erreichen wird. Der Lauf mit starker Symbolkraft erinnert an das Leiden und Sterben von mehr als 600 Männern aus Putten (siehe Infokasten), betont 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges aber auch, dass die Menschen in Putten und Ladelund in Freundschaft zueinander gefunden haben. Dankbarkeit soll insbesondere auch gegenüber Menschen wie Pastor Harald Richter zum Ausdruck gebracht werden, die sich seit Jahrzehnten mit Leidenschaft für eine „Versöhnung über den Gräbern“ derer eingesetzt haben, die 1944 im Außenlager Ladelund des KZ Neuengamme ums Leben kamen und von Pastor Johannes Meyer bestattet wurden.

Initiator der Aktion ist Michel Kooij, der sowohl in seinem Heimatort Putten als auch in Ladelund viele Menschen begeistert hat, an diesem Projekt mitzuwirken. Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen, so kurz vor dem Start ist Kooij laut eigener Aussage 14 Stunden pro Tag mit der Organisation beschäftigt. Denn der Gedenklauf ist eine logistische Meisterleistung, die durch die Unterstützung von rund 40 Sponsoren möglich gemacht wird. Mehrere Busse und Lkw transportieren Menschen und Ausrüstung. Eine mobile Küche mit 870 Essen ist ebenso dabei wie ein Wäschedienst und ein Pressebus. 25 Sportler werden die gesamte Strecke von 700 Kilometern abwechselnd zu Fuß zurücklegen. Jedes Läuferteam wird von einem Bus und zwei Radfahrern begleitet. Die Teams absolvieren Acht-Stunden-Schichten, nach drei bis vier Kilometern wechseln die Läufer.

Auch zwei Läufer aus Nordfriesland werden sich in der nächsten Woche die Turnschuhe zuschnüren. Frank Lorenzen, der bei Clausen & Bosse in Leck arbeitet, wird in Hamburg den gebürtigen Ladelunder Thorsten Hansen abholen. Gemeinsam fahren die beiden Sportbegeisterten dann am Montag mit dem eigenen Wagen nach Putten, wo für sie eine Privatunterkunft bereitsteht. „Ich bin seit zehn Jahren leidenschaftlicher Läufer und offen für neue Begegnungen und Projekte“, begründet Lorenzen (42) seinen Entschluss, an dem Ereignis teilzunehmen. „Als ich von dem Lauf mit historischem Hintergrund hörte und vom Pastor eingeladen wurde, war ich sofort begeistert und entschlossen, mitzumachen.“ Der Joldelunder spricht zwar kein niederländisch. „Dafür kann ich aber plattdeutsch, das ist ähnlich. Und mein Englisch reicht für Small-Talk.“

Die Route wird von Putten über Meppen, Viersen, Aurich, Sandbostel, Neuengamme, Wedel, Tellingstedt und Husum führen – alles Orte ehemaliger Konzentrationslager. An jeder Station werden Biwak-Standpunkte eingerichtet, dort gibt es für die Läufer Massagen, medizinische Versorgung und die Möglichkeit zu schlafen – allein drei Lkw transportieren Betten von Haltepunkt zu Haltepunkt.

In den Niederlanden stößt der Gedenklauf mit besonderer Botschaft auf ein großes Medieninteresse, regional und national wird über den „Putten-Ladelund loop“ berichtet. Michel Kooij muss viele Interviews geben – und freut sich über die Aufmerksamkeit. „So wird unsere Botschaft von Dankbarkeit, Vergebung und Versöhnung verbreitet und erreicht hoffentlich auch junge Menschen“, sagt der Puttener. Am 5. Mai wird in den Niederlanden mit dem Bevrijdingsdag (Befreiungstag) das Ende der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gefeiert; der niederländische TV-Sender NOS – vergleichbar mit der ARD hierzulande – hat für die Berichterstattung den Schwerpunkt auf Putten gelegt und sendet am 4. Mai eine Dokumentation über den Putten-Ladelund-Lauf.

Ein Fernsehteam wird die Läufer begleiten und auch dabei sein, wenn am Sonnabend, 2. Mai, die letzte Etappe vom Alten Bahnhof in Achtrup zurückgelegt wird. Von dort aus mussten im Oktober 1944 die Gefangenen – streng bewacht – ihren Weg zum KZ in Ladelund zu Fuß bewältigen. Jeder ist eingeladen, die Läufer in Achtrup in Empfang zu nehmen und mit ihnen gemeinsamen nach Ladelund zu gehen. „Wir rechnen mit mindestens 200 Menschen“, sagt Pastor Hans-Joachim Stuck. Die Organisation in Ladelund hat sich auf viele Schultern verteilt: Vereine, Verbände, Gemeindevertretung, Schule, Kindergarten – alle wollen ihren Teil dazu beitragen, dass die freundschaftliche Begegnung in Ladelund zu einem unvergesslichen Erlebnis wird. „Es zeigt uns 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, dass Frieden nicht einfach vom Himmel gefallen ist“, sagt Pastor Stuck.

●Weitere Infos unter www.putten-ladelundloop.nl.


 

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