Küstenschutz : Schöpfwerk fertig – Deichbau startet

Schlüsselübergabe: Dietmar Wienholdt (links) mit Oberdeichgraf Jan Albrecht im neuen Schöpfwerk. Fotos: werner (2)
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Schlüsselübergabe: Dietmar Wienholdt (links) mit Oberdeichgraf Jan Albrecht im neuen Schöpfwerk. Fotos: werner (2)

Neue Entwässerungsanlage offiziell an den Oberdeichgraf übergeben

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25. März 2017, 05:04 Uhr

Gleich nach Ostern kommt die Großbaustelle. Am Ostersonnabend, 15. April, endet die Deichschutzzeit. Drei Tage später beginnt in der touristischen Kernzone Dagebülls der Bau des zweiten Klimadeichs in Schleswig-Holstein. Anderthalb Kilometer nordöstlich wurde gestern ein weiterer Meilenstein der Dagebüller Deichverstärkung gefeiert – das neue Schöpfwerk. Dieses läuft zwar schon einige Monate im Probebetrieb. Gestern wurde das acht mal 15 Meter große, rot verklinkerte Gebäude mit zwei leistungsstarken Pumpen offiziell dem Deich- und Hauptsielverband Südwesthörn-Bongsiel (DHSV) übergeben. Und zwar von Dietmar Wienholdt, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft und ländliche Räume. Auftraggeber des 3,5 Millionen Euro teuren Projekts ist der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), der auch 75 Prozent der Kosten übernimmt. Die restlichen 25 Prozent teilen sich Gemeinde (8,3 Prozent) und DHSV (16.6 Prozent).

„Dies ist ein besonderer Bau, er hat gleich mehrere Gewinner“, sagt Dietmar Wienholdt bei strahlendem Sonnenschein mit Blick auf das vor dem Schöpfwerk liegende Speicherbecken, in und an dem sich bereits zahlreiche Seevögel tummeln. Die Anwohner könnten sich über eine leistungsstarke, zukunftsfähige Entwässerung des Deichhinterlandes freuen. Bis zu 3,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde kann jede der beiden Propellerpumpen aus dem Koog in die Nordsee pumpen, durch zwei durch den Deich geschobene Rohre mit einem Durchmesser von jeweils einem Meter. Auch Oberdeichgraf Jan Albrecht, Vorsteher des DHSV, freut sich über die moderne Anlage: „Was lange geplant wurde, wird endlich gut.“ Seit 14 Jahren habe man versucht, das alte Dagebüller Schöpfwerk, das bereits abgerissen wurde, aus dem Badebereich an eine andere Stelle zu versetzen. „Doch erst mit den Planungen für den Klimadeich kam der Durchbruch.“

Welche Bedeutung dies für den boomenden Ferienort Dagebüll hat, hob Bürgermeister Hans-Jürgen Ingwersen hervor: „Die Verlegung des Schöpfwerkes ist von elementarer Bedeutung für die touristische Entwicklung Dagebülls.“ Künftig werde der Badebetrieb nicht mehr durch den Schöpfwerksbetrieb beeinträchtigt. Allerdings wird die Badestelle in diesem und im kommenden Jahr nicht nutzbar sein. Die Ruhe im Ort wird in den kommenden Monaten durch Lastverkehr und Bauarbeiten gestört werden. Denn gleich nach Ostern wird die in den vergangenen Tagen eingerichtete, richtig große Deichbaustelle eröffnet.

Südlich der Zufahrt zum Fähranleger wird der alte Deich abgetragen und durch einen Klimadeich ersetzt. Die Deichkrone wird um 35 Zentimeter auf 7,95 Meter erhöht. Zur Nordsee hin wird der Deich deutlich flacher abfallen, in einem Verhältnis zwischen Höhe und Breite von eins zu zehn. „Dadurch schieben wir den Deich zwölf Meter seewärts“, erläutert Tanja Nicolaysen, die Bauleiterin des LKN für dieses Projekt. Zunächst wird seewärts ein Kajedeich errichtet werden – ein niedriger Erddeich, der vorübergehend Schutz für den eigentlichen Deich bietet.

Aus 75  000 Kubikmetern Sand und 45  000 Kubikmeter Kleieboden wird dann der neue Deich modelliert. Für die nötige Stabilität sorgen Geogitter. Das besondere an diesem Bauwerk ist seine breite Deichkrone – eine Ausbaureserve, die mit relativ geringem Aufwand erhöht werden kann. Damit entspricht der Dagebüller Deich dem neuen Klimaprofil und wird demnach auch bei dem erwarteten Meeresspiegelanstieg das Hinterland schützen. Der Deichbau wird rund elf Millionen Euro kosten, die EU übernimmt 53 Prozent, der Bund 33 und das Land 14 Prozent.

Tatsächlich wird die Deichkrone zunächst um etwa 60 Zentimeter erhöht. „Denn mit der Zeit wird sich der Deich spürbar setzen“, sagt Tanja Nicolaysen. Für diesen Prozess braucht der fertig gestellte Klimadeich eine ausgiebige Ruhezeit. Diese reicht von 60 Tagen im flachen Auslaufbereich bis zu 400 Tagen in der Deichkrone. Vorher macht es keinen Sinn, mit den baulichen Projekten zu beginnen, die im Zuge der Deichverstärkung für eine touristische Aufwertung Dagebülls sorgen sollen.

Dafür werden weitere drei Millionen Euro in den aufstrebenden Tourismusort investiert, 70 Prozent kommen aus Fördermitteln des Landes. Auf der Deichkrone soll unter anderem eine beleuchtete Promenade entstehen, die Aufwertung der Badestelle, ein barrierefreier Zugang zur Nordsee, eine Veranstaltungsplatz und eine Deichtreppe mit Tribüne sind weitere Bausteine, die den Ort bereichern werden, sobald sich der bis zum Herbst fertig gestellte Klimadeich ausreichend gesetzt haben wird.  

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