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Nordfriesland Tageblatt

19. August 2017 | 04:29 Uhr

Schmutzwasser im Testlauf

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Flüssige Fracht: Probeweise transportieren derzeit Tankwagen das Danisco-Abwasser zum Klärwerk / Dosierung soll Kläranlage entlasten

Der Dialog sei sehr wichtig, betonen alle drei Parteien. Und so sind die Stadt Niebüll, das Klärwerk sowie das Unternehmen Danisco schon seit Jahren im Gespräch, um gemeinsam eine Lösung für das altbekannte Problem zu finden. Denn was Niebüll weiterhin beschäftigt, ist das viele Abwasser, was bei Danisco als einer der zwei Starkverschmutzer der Stadt (laut Kommunalabgabegesetz des Landes) durch die Kanalrohre fließt. Aber weniger die Zusammensetzung des Abwassers sorgt für Gesprächsbedarf, sondern vielmehr die Menge – oder besser formuliert: die Schwankungen der Menge.

Danisco produziert bei der Herstellung von Joghurt- sowie Schimmelkulturen viel Abwasser. Rund 100  000 Kubikmeter waren es im vergangenen Jahr. Das Schmutzwasser besteht hauptsächlich aus Reinigungsabwasser, zu einem geringeren Teil aber auch aus organischen Stoffen aus den Fermentern. Die Flüssigkeit wird nicht kontinuierlich an die Kanalisation abgegeben, sondern bedingt durch die Produktionen in Schüben. „Und genau das macht es für das Klärwerk so schwer“, weiß Reinhold Sand, Geschäftsführer bei Dansico.

Das Abwasser enthält auch einige biologische Stoffe wie Eiweiße, Zucker und Fette. Zu viel davon kann die Kapazität des Klärwerks beeinträchtigen. „Deshalb wurde schon früh überlegt, ob man nicht mit den biologischen Stoffen etwas machen kann, statt sie nur durch die Kläranlage zu jagen“, erinnert sich Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt. Unter anderem war das Abwasser als Rohstoff für eine hiesige Biogasanlage im Gespräch. Auch kam die Idee auf, die Abwasserfracht mit Hilfe einer kleinen Biogasanlage zur Beheizung des Schulzentrums zu nutzen. Vorstellungen, die sich jedoch nicht als wirtschaftlich erwiesen oder an Gesetzgebungen scheiterten. Seit der ersten Erweiterung der Kläranlage ist eine Datenverbindung zwischen Kläranlage und Danisco hergestellt worden. „Auf einer Schalttafel kann der Klärmeister nun den Füllstand im Tank bei Danisco sehen“, so Bockholt. „Eine weitere Überlegung war daher, dass wir den Abfluss des Abwassers fernsteuern. Das funktioniert aber nicht wirklich, weil wir mit dem Klärwerk damit in den Betriebsablauf bei Danisco eingreifen würden.“ Jüngst wird nun eine Druckrohrleitung (wir berichteten) als Lösung von allen Parteien favorisiert, um das Klärwerk zu entlasten. Dafür müssten Rohre vom Danisco-Standort in der Gotteskoogstraße über eine Strecke von rund drei Kilometer zum Klärwerk verlegt werden. Durch die Druckrohrleitung könnte das Abwasser des Unternehmens gesondert zur Kläranlage fließen und in einem Vorlagebehälter lagern. Das Betriebspersonal würde das Abwasser dann abgestimmt auf die Bedürfnisse der Anlage in den Klärprozess einbringen. Um das Pro und Contra der Abwasserzwischenlagerung abzuwägen, läuft aktuell ein Test. Seit rund vier Wochen transportieren Tankwagen das Danisco-Abwasser zum bereits bestehenden Vorlagebehälter der Kläranlage. „Und die Mitarbeiter sind vom bisherigen Testverlauf total überzeugt. Wir können die Eingabe im Klärprozess, insbesondere im Faulturm, exakt steuern – und damit auch die Klärgasproduktion und damit wiederum das Blockheizkraftwerk und so weiter“, zieht Bockholt eine erste Bilanz. „Am Ende profitieren alle.“ Nur einigen müssen sie sich noch, wie die Investitionskosten aufgeteilt werden (voraussichtlich 230  000 Euro inklusive einer Pumpstation). Bürgermeister Bockholt: „Wir sind im Dialog.“

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von
erstellt am 10.Apr.2015 | 18:26 Uhr

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