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Nordfriesland Tageblatt

18. August 2017 | 15:10 Uhr

Immobilie : Schmuckstück statt Bruchbude

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Wo zuvor die Deezbüller Jugendherberge ihrem Abriss harrte, ist inzwischen ein reetgedeckter Neubau zum Familienheim im Friesenstil geworden

Als der Kfz-Meister Sönke Green (45) und seine Ehefrau Brigitte im Jahr 2010 die ehemalige Deezbüller Jugendherberge erwarben, um mit ihren Kindern Fynn (5) und Hannah (9) in diesem eigentlich wunderschönen Reethaus zu wohnen, kam alles ganz anders. Wie anders es wurde, ist heute zu sehen. Auf dem 1600 Quadratmeter großen Grundstück steht ein völlig neues Gebäude – reetgedeckt wie das alte, wunderschön und eine Bereicherung für die Deezbüller Hauslandschaft.

Wie es dazu kam? Sönke Green hatte vor, das Gebäude unbedingt zu erhalten und rannte mit seiner Zielsetzung bei der Stadt und heimatbewussten Niebüllern offene Türen ein. Doch ein vorsorglich vorgenommener statischer Test attestierte der Jugendherberge, sie sei nichts anderes als eine Bruchbude. Weit schlimmer noch. Es sei seit Jahr und Tag unverantwortlich gewesen, in diesem Haus junge Menschen zu beherbergen.

Weil der Öffentlichkeit verborgen war, dass die Statik längst nicht mehr stimmte, gab es auch Meinungen, die sich vehement gegen einen Abbruch wandten. Das lebhafte Hin und Her endete schließlich mit der Entscheidung, dass das Gebäude abgebrochen werden müsse. Architektin Ursula Limbrecht, die auch einen Sanierungsplan in der Schublade hatte, stellte klar, dass eine Sanierung des maroden (eigentlich einsturzgefährdeten) Altbaues finanziell nicht darstellbar wäre. Bald sahen alle ein, dass es nur noch zu einem Neubau kommen müsse.

Die Architektin, bekannt für ihre feinfühlige und kreative Feder auf dem Zeichenbrett, hatte schnell einen Entwurf fertig. „Ich habe mich weitgehend an den Vorgaben des Bauherrn orientiert“, bezog sie Sönke Green in das gestalterische Konzept ein. Es wurde wieder ein friesisches Langhaus mit einem nach Westen angewinkelten Anbau – ähnlich seinem 1846 errichteten Vorgänger, der verschiedenen Zwecken diente: lange Zeit als so genanntes Armenhaus, in dem zeitweise auch Deichbauarbeiter logierten, von 1950 bis 2008 als Jugendherberge und wegen ihres „einmalig“ romantischen Flairs (mit einem Reetdach) von vielen Wandervögeln geschätzt, und zu allerletzt eine Art „Produktionsschule“.

Doch unweigerlich schlug die letzte Stunde eines der letzten noch verblieben Gebäudes der einst dominierenden friesischen Hauslandschaft. Sönke Green, seit zwei Jahren Hausbesitzer an der Ecke Deezbüller Straße/Mitteldeich/Risumer Weg) Deezbülldeich, gab 2012 das Signal zum Abbruch, der im Februar 2013 erfolgte. Im Mai 2013 war Grundsteinlegung, im August Richtfest – und vor zwei Wochen Einzug ins neue Haus, das in groben Zügen wie das alte aussieht und – um der Wahrheit die Ehre zu geben – ein echter Hingucker geworden ist.

Wichtig ist auch, dass es ein Friesenhaus geworden ist, ohne architektonische Ausreißer, Verunstaltungen und extreme Schnörkel, wie man sie bei vermeintlich „friesisch nachempfundenen Neuschöpfungen“ hier und da sehen kann. Ursula Limbrecht hielt sich mit verzierenden Schnörkeln wohltuend zurück, was Traufen, Dachneigungen und -flächen angeht.

Drinnen stehen der Familie Green 200 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Aus dem Altbau haben die Greens eine Wandtäfelung gerettet und sie in die Wand der Wohnküche integriert. Der Bauherr: „Sieben handwerkliche Gewerke haben einen guten Job gemacht – vom bis zu vier Meter tief liegenden einstigen Meerboden zu dem speziellen Dachfirst aus einem neuartigen Material.“ Draußen herum grünt ein frisch angelegter Rasen und macht den Anblick auf das Haus, von dem man noch Generationen weiter von der Jugendherbere reden wird, komplett.

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