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Nordfriesland Tageblatt

19. August 2017 | 22:41 Uhr

Musik : Schlagwerk-Kunst in Perfektion

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Temperamentvoll, elegant, klangschön: Die in Hongkong geborene Sabrina Ma begeisterte ihr Publikum im Lecker Rathaus

Auf Einladung der „Musikfreunde in Leck und Umgebung“ gastierte die in Honkong geborene, trotz ihrer Jugend schon international renommierte Schlagwerkerin Sabrina Ma im Sitzungssaal des Lecker Rathauses. Das Programm der Musikerin, die Mitglied der Auswahl „Podium junger Künstler“ des Deutschen Musikrates ist, war ganz dem Tanz gewidmet. Dabei griff sie mit meisterlicher Perfektion auf Kompositionen zurück, die den gesamten Zeitraum von der Renaissance bis zur Gegenwart abdeckten.

Sabrina Ma begann mit der für Marimba transkribierten „Suite Nr. 1 G-Dur für Violoncello, BWV 1007“ von Johann Sebastian Bach. Mit je zwei Klöppeln in beiden Händen spielte sie das berühmte Werk in einer tonal eins zu eins übersetzten Version der für das Streichinstrument geschriebenen Komposition. Bei dieser folgten einem feierlichen Praeludium sechs barocke Tänze unterschiedlichen Charakters und Tempos, von denen die abschließende Gigue den stärksten Eindruck hinterließ. Der sanfte Klang der Marimba gab der Suite einen besonders edlen „Anstrich“.

Mit einem überraschenden Temperamentsausbruch setzte die Schlagwerkerin ihr Konzert mit der „Étude de Peaux Nr. 2 für fünf Tom-Toms“ von Bruno Giner (geboren 1960) fort. Dabei spielte sie in raschem Wechsel mal mit Klöppeln, mal mit ihren Handflächen, donnerte auch mal mit ihren Fäusten auf die Trommelfelle. In abruptem Wechsel ließ sie diese sodann plötzlich mit filigraner Fingertechnik oder per Reiben mit einem Gummiklöppel zum Klingen zu bringen. „Guck mal, Mama, die spielt mit einem Flummi,“ flüsterte ein Kind seiner Mutter zu. Einbezogen in die Klangeffekte wurden auch die Trommelrahmen und -stative, – und das alles in atemberaubendem Tempo. Das Werk erweckte den Eindruck, als seien dem Komponisten die Klangfarben der erzeugten Töne genau so wichtig wie die Form seiner Komposition. Mit dem „Valse op. 64 Nr. 2 cis-moll“ von Fédéric Chopin, dargeboten auf der Marimba, klang der erste Progammblock hochromantisch aus. Das betont gesanglich konzipierte Werk verfehlte auch in der Wiedergabe durch das klangschöne „Riesen-Xylophon“ seine emotionale Wirkung nicht.

Nach der Konzertpause kam der Lautist John Dowland (1563 – 1626) mit zwei Sätzen zu „Lachrimae“ musikalisch zu Worte. Der nachdenklich stimmende Klang der Marimba unterstrich dabei die Elegie der nostalgisch anmutenden Kompositionen. Spieltechnisch am stärksten gefordert war Sabrina Ma bei ihrer schon zirzensisch anmutenden Wiedergabe des „Bone Alphabet für sieben Instrumente freier Wahl“ von Brian Ferneyhough (geb. 1943).

Für die Darbietung dieses sehr modern konzipierten Werkes hatte sie eine Sammlung von Instrumenten zusammen, die stark an das Orff’sche Schulwerk erinnerten und eine Vielfalt unterschiedlichster Holz-, Metall- und Fellklänge ermöglichten. „Fragen Sie nicht nach dem Sinn dieses Klangkaleidoskops,“ so riet Sabrina Ma, „denn am Ende bleibt Ihnen nur ein Fragezeichen im Kopf.“ Das reguläre Programm klang aus mit dem mitreißend-fetzigen Jazz-Titel „I Got Rhythm“ von George Gershwin, für Marimba eingerichtet von der Interpretin selbst.

Der lautstarke und ausdauernde Applaus des begeisterten Publikums, den die Vorsitzende des gastgebenden Vereins Heidi Specht-Christel in Worte fasste, bewog die Künstlerin noch zu einer Zugabe: einem „Lied ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy“, vom Klavier übertragen auf die Marimba.

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erstellt am 18.Mär.2015 | 05:00 Uhr

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