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Schlägerei auf dem Rathausplatz landet nach zweieinhalb Jahren vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Es war ein folgenschwerer Streit, der bei Opfern und Tätern bis heute bleibende Eindrücke hinterlassen hat: Am Abend des 18. August 2012 eskalierte auf dem Niebüller Rathausplatz eine Meinungsverschiedenheit zwischen mehreren jungen Erwachsenen. Die zwei Gruppen trafen sich zufällig, man kannte sich flüchtig, trank gemeinsam ein Bier. Dann kam es zu Sticheleien – einer der Männer provozierte. Nur wenige Minuten später lag der Niebüller Kai L.* verletzt in einem Vorgarten unweit des Rathauses. Zwei Männer, denen er kurz zuvor noch ein Bier ausgegeben hatte, hatten den heute 28-jährigen Einzelhandelskaufmann mit Schlägen niedergestreckt. „Ich habe mir nur noch die Hände vors Gesicht gehalten.“ Später attestierte ein Notfall-Chirurg vom Klinikum Nordfriesland Kai L. Prellungen am Kiefer, der Hüfte und am Knie. Auch seine Brille war bei dem Angriff zu Bruch gegangen.

Zweieinhalb Jahre später schilderte Kai L. jetzt erneut den Verlauf des Tatabends. Der hagere Mann sagte das zweite Mal gegen einen seiner Angreifer aus. Gestern musste sich Heiko K.* vor dem Amtsgericht Niebüll für seine Tat rechtfertigen. Der 31-Jährige zeigte sich sofort geständig und gab ohne Umschweife zu, dass er am besagten Abend gemeinsam mit einem Bekannten Kai L. geschlagen habe. Erst sei es zu einem harten Wortgefecht gekommen, dann habe Kai L. seinem Freund einen Tritt gegen die Brust verpasst, woraufhin man das spätere Opfer verfolgt habe. „Er ist bei seiner Flucht über einen Gartenzaun gestürzt – da habe ich ihn dann mit der Faust ins Gesicht geschlagen.“ Der Angeklagte bereute seine Tat: „Ich fühle mich bis heute schlecht deswegen und möchte mich entschuldigen.“ Sein Verteidiger führte an, dass Heiko K. schon damals an einer schizophrenen Psychose litt und er bis heute starke Medikamente einnimmt. „Ich habe damals zu viel getrunken“, gab der Angeklagte zu. „Das hat mit den Medikamenten gar nicht zusammengepasst.“ Heute habe er seinen Konsum sehr gedrosselt, sei durch seine Erkrankung bereits Rentner und lebe in einer festen Beziehung.

Der Staatsanwalt forderte in seiner Schlussrede eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, die für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden sollte. Die Richterin folgte diesem Plädoyer. Zur Begründung für die relativ milde Strafe nannte sie die günstige Sozialprognose des Angeklagten, der nicht einschlägig vorbestraft sei, und eine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund seiner psychischen Erkrankung.  

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erstellt am 19.Mär.2015 | 13:27 Uhr

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