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Schiedsleute – die kostengünstigere Alternative für Streithähne

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mal ist es der Baum, dessen Äste zu weit über den eigenen Gartenzaum hängen, mal der Kinderlärm oder die zu laute Musik, mal eine beleidigende Äußerung oder üble Nachrede, die einen auf die Palme bringt. Grund genug, vor Gericht zu gehen, um dem Streitgegner eins auszuwischen? Mitnichten! Denn: Wenn der Staatsanwalt kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung erkennt oder vor dem Gang zum Gericht kein Schlichtungsversuch stattgefunden hat, bleibt nur der Weg zum Schiedsmann oder zur Schiedsfrau, die für die Herstellung des Rechtsfriedens zuständig sind.

„Es gibt sie auch bei uns in Südtondern“, erklärte Christian Carstensen, Schiedsmann in Süderlügum und Vorsitzender der sechs Schiedsbezirke Südtonderns im Amtsgerichtsbezirk Niebüll. Die sechs Schiedspersonen und ihre Stellvertreter sind Christian Ludolf Lorenzen-Nissen und Peter Christiansen (Bökingharde), Uwe Christiansen und Peter Lorenz Lorenzen (Niebüll), Gudrun Walther und Jörg Hansen (Wiedingharde), Olaf Geisendorf und Reimer Bock (Leck), Christian Carstensen und Gerhard Hoffmann (Bereich Süderlügum) sowie Andreas Nielsen und Harald Gronau (Karrharde).

„Die bisherige Einteilung der Bezirke blieb auch nach der Bildung es Amtes Südtondern erhalten“, erklärte Christian Carstensen bei der Vorstellung des Schiedswesens im Amt Südtondern. Dabei handelt es sich um einen Bereich, aus dem Bürger naturgemäß nichts – aber auch gar nichts – erfahren. Der Grund: Was vor der Schiedsperson geschieht, das geschieht unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Demzufolge berichteten die drei Schiedsleute während eines Pressegespräches auch nicht von ihren Fällen, sondern vage und sehr allgemein über ihre Tätigkeit. Nur eines trat deutlich zutage: In Südtondern wurden vor den Schiedsleuten nur etwa fünf Fälle im Schnitt verhandelt. Südtondern – eine friedvolle Landschaft? Fast könnte man es so sehen, ließen die Schiedsleute aus Süderlügum, Leck und Niebüll anklingen. Wie überall in den „nur zwölf“ Bundesländern, in denen es den Schiedsmann gibt, gilt das Motto: „Schlichten statt richten“.

Der Schiedsmann ist kein Richter, der ein Urteil fällt. Er ist lediglich Mittler, der die „Streithähne“ zum Reden bringt. Er ist eine Art Moderator. Er muss verschwiegen sein, unparteiisch, einfühlsam, ausdauernd und geduldig, und er muss zuhören können. Eine gute Portion Lebenserfahrung sind ebenso hilfreich wie ein gesundes Einfühlungsvermögen. Er muss über 30 Jahre als sein und auf jegliche Emotion verzichten, außer es kommt zu einem Händedruck zwischen den streitenden Parteien und einer gütlichen und möglichst nachhaltigen Regelung. Über das Aufeinandertreffen der streitenden Parteien (an einem neutralen Ort) wird ein Protokoll gefertigt. Die Verhandlung vor dem Schiedsmann oder der Schiedsfrau kostet eine Gebühr, die der Antragsteller zu entrichten hat und bis zu 75 Euro betragen kann. Schon daran mag zu erkennen sein, dass man kostengünstiger wegkommt als vor Gericht.

Ganz ohne Gericht geht das Schiedsmannswesen auch nicht. Die Schiedsleute (allesamt Ehrenbeamte) werden vom Direktor des Amtsgerichts vereidigt. Einmal im Jahr findet im Gericht eine Dienstversammlung statt. Ebenso treffen sich die Schiedsleute einmal jährlich im Amt zu einer Gesprächsrunde. „Wir fühlen uns von unserem Amt gut betreut“, nahm Gerhard Popp, der zuständige Sachbearbeiter im Amt Südtondern, ein Lob entgegen. Übrigens werden die Schiedsleute ständig geschult und/oder treffen sich am Runden Tisch. Für das Schiedsmannswesen spricht, dass seine Einrichtung den ohnehin voll aus- und bisweilen überlasteten Gerichten viel Arbeit und „Kleinkram“ von der Hand hält. Und insgesamt sind Schiedsmann oder Schiedsfrau die älteste und erfolgreichste Einrichtung vorgerichtlicher Streitschlichtung.

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erstellt am 21.Okt.2015 | 10:45 Uhr

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