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Vogel des Jahres 2015 : Scheuer Jäger mit Imageproblem

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

NABU wählt Habicht zum Vogel des Jahres 2015 / Auch in Südtondern ist der Greifvogel flächendeckend heimisch / Experten loben die Kampagne

Alljährlich startet der Naturschutzbund (NABU) eine Imagekampagne für einen besonderen Vogel: Für das kommende Jahr 2015 fiel die Wahl nun auf den Habicht – damit löst der anmutige Jäger den Grünspecht ab. Auch in Südtondern ist der Greifvogel heimisch, wird aber nur von den wenigsten Beobachtern auch als Habicht erkannt. „Den Habicht erkennt man in der Regel daran, dass man ihn nicht sieht“, scherzt Richard Gebhardt, der über 27 Jahre den Vorsitz des Naturschutzbundes Niebüll/Leck inne hatte. „In der Regel sind es die Bussarde, die von den Menschen wahrgenommen werden, da sie bei uns am häufigsten vorkommen.“ Der Ornithologe hat sich über Jahrzehnte mit der Fauna Südtondern befasst und hat für die seltenen Sichtungen des Habichts eine eigene Theorie: Der Habicht hat sich an sein schlechtes Image als Hühnerdieb gewöhnt. „Die Greifvögel sind über Jahre sehr verfolgt worden, da sie als Schädlinge galten. Möglicherweise haben sich die Tiere diesem andauernden Druck angepasst und sind scheuer geworden“, mutmaßt Gebhardt.

Und doch gehören Greifvögel-Sichtungen in Südtondern zum Alltag: Zu einer häufigen Verwechslung mit dem oft vorkommenden Mäusebussard kommt es durch die ähnliche Größe der beiden Vögel. Dabei ist der Habicht insgesamt kräftiger und im Flug gut an seinem langen Schwanz zu erkennen. Die breiten und relativ kurzen, abgerundeten Flügel sind bei erwachsenen Tieren grau gefärbt. Die Unterseite ist hell mit schmalen, schwarzen Querstreifen gebändert oder „gesperbert“. Typisch sind der helle Überaugenstreif und die gelb bis orange gefärbte Iris. Bei älteren Habichten steigert sich die Farbe bis ins Rubinrote.

Um einem Habicht in Südtondern Auge in Auge gegenüberzustehen, braucht es allerdings großes Glück, weiß Jörn-Hinrich Frank, der Leiter der Försterei Langenberg: „Greifvögel wie der Habicht haben ein sehr großes Revier und sind deshalb auch in Südtondern schwer zu lokalisieren.“ Noch bis Ende des vergangenen Jahres habe er einen Habicht-Horst im Langenberger Forst gekannt, „dann kamen die Orkane“. Heute habe sich der Greifvogel dort wieder angesiedelt – doch bisher sei unbekannt, wo genau. Dabei ist der Horst des Jägers gut zu erkennen. „Der Habicht schmückt seinen Horst mit Grünzeug, das ist charakteristisch“, so Förster Jörn-Hinrich Frank.

Die aktuelle Kampagne des NABU begrüßen beide Experten: „Es hilft den feinen Unterschied zwischen Habicht und Bussard zu erkennen. Der Greifvogel hat es verdient, dass man auf ihn aufmerksam macht“, sagt Frank. Auch Ex-NABU-Ortsvorsitzender Richard Gebhardt lobt die mediale Schützenhilfe für den scheuen Jäger: „ Viele Greifvögel sind über Jahrzehnte als Räuber in Verruf geraten – da hat auch der Habicht mal positive Aufmerksamkeit verdient.“

 

 

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