Dagebüll : Schalentiere und Seemannslieder

Genuss aus der Schale: Birgit und Thomas Hinrichsen lassen es sich schmecken.  Foto: dew
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Genuss aus der Schale: Birgit und Thomas Hinrichsen lassen es sich schmecken. Foto: dew

Bei den 14. Muschel-Tagen in Dagebüll gingen geschätzte 3000 Portionen über den Tresen

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13. August 2012, 09:17 Uhr

Dagebüll | Superwetter, Muscheln frisch aus dem Watt und viele Besucher: Klaus Schmidt, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Dagebüll und Gastgeber der 14. Dagebüller Muschel-Tage, freute sich angesichts der Resonanz auf diese traditionelle Veranstaltung am Wochenende "hinter dem Badedeich".

Einst dienten die Muscheltage vordergründig der Werbung für das "Schwarze Gold" aus der nahen Nordsee. Und in den ersten Jahren wurde die Veranstaltung auch von der heimischen Muschel-Industrie subventioniert. Das änderte sich, als die Muschelbänke wegen ungünstiger Wachstumsverhältnisse (und zu warmer Winter) nicht mehr genügend Miesmuscheln hergaben und, lax gesagt, sechs Jahre Pause machten. Das ist vorbei. Die im Gang befindliche Ernte 2012 weist auf ein gutes Ergebnis hin. Das erwartet die Muschelfischerei auch für das kommende Jahr, meinte Peter Ewaldsen, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft schleswig-holsteinscher Muschel-Züchter.

An den beiden Muschel-Tagen in Dagebüll wurden allerdings nicht nur Muscheln verzehrt. Es gab viel mehr zu genießen und zu erleben. Die Kinder erfreuten sich an einer Wasserrutsche deichabwärts und an Bibis Bauern-Bühne, einem Kieler Handpuppentheater. Die Wiedingharder Jugend-Trachtengruppe von Christl Ipsen tanzte, der Niebüller Shantychor sang Lieder von Waterkant und Seefahrt, Pa’s Brassband spielte alte und aktuelle Schlager, und auf dem gestrigen Frühschoppen gastierte die Feuerwehrkapelle aus Hoyer. Am Sonnabend gab es ein zusätzliches Vergnügen: Um 22.40 Uhr leuchtete das Feuerwerk "Föhr on Fire" am westlichen Horizont auf. Es lockte Hunderte von "Sehleuten" auf den Deich und an die Hafenmole. Hierdurch entstand ein "mittleres Verkehrschaos".

Zentrale Akteure der Muschel-Tage waren die Eheleute Antje und Hans Tellermann - sie als Chefköchin, er als "Beikoch". Aus der Küche gab es gebratene und gekochte Muscheln. Die bratfertigen Muscheln wurden tiefgekühlt geordert, mit Rapsöl, Kräuterbutter, Zwiebeln und Gewürzen wie Pfeffer, Salz, Paprika und Basilikum in der Pfanne zubereitet - und zusammen mit Brot serviert. Anders die gekochten Muscheln, die in einem Pott gegart werden - und zwar auf Weißwein und dem Eigen-Wasser der Muschel. Mit in den Kochtopf gehören Suppengemüse wie Porree und Möhren sowie wenig Salz und Pfeffer. Nach 20 Minuten kann serviert werden. Die Portion besteht in der Regel aus einem gehäuft vollen Teller, dem ein zweiter Teller für die Schalen beigestellt wird. Zur Muschel, die sich beim Kochen öffnet und von der eine der beiden Schalen als Löffel dient, wird Brot gegessen und ein Weißwein getrunken.

Zum Muschelessen kamen neben Neulingen und "Entdeckern" auch viele Kenner. Zu Letzteren gehört Thomas Hinrichsen aus Neukirchen, der mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar von der Insel Sylt nach Dagebüll gekommen war und sich den Saison-Schmaus nicht entgehen lassen wollte. Zu seinen Lieblingsmahlzeiten zählen, wie er sagte, solche mit Meeresfrüchten. "Wenn die Muschelzeit gekommen ist, bin ich nicht zu halten", schwört der Nordfriese auf das schmackhafte Weichtier, dem er beim aktuellen Verkosten die Note "super" gab.

Antje und Hans Tellermann schätzten, dass am Wochenende an die 3000 Portionen Muscheln - gebratene wie gekochte - über den Tresen gingen. Beide wurden von etlichen Gästen nach dem Rezept für die Zubereitung gefragt. Antje Tellermann: "Wir haben es gerne erklärt und dabei auch ein wenig Werbung für diese tolle Meeresfrucht gemacht."

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