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Nordfriesland Tageblatt

17. Dezember 2017 | 19:02 Uhr

Shire-Horses : Sanftmütige und schöne Riesen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Manuela und Ingwer Leddin aus Bargum gehören zu den wenigen deutschen Züchtern von Shire Horses. Die Tiere mit einem Stockmaß von 180 Zentimetern zeichnen sich durch behangene Läufe und lange Mähnen aus.

von
erstellt am 27.Sep.2013 | 13:55 Uhr

Grüne Weiden, wohin das Auge reicht. Auf einigen von ihnen grasen Pferde, die überaus imposant aussehen. Es sind die Shire-Horses von Manuela und Ingwer Leddin aus Ost-Bargum. Die Tiere mit einem Stockmaß von 180 Zentimetern zeichnen sich durch behangene Läufe und lange Mähnen aus. Im ausgewachsenen Zustand bringen sie ein Lebendgewicht von mindestens einer Tonne auf die Waage. Pferdefreunde schätzen die besonderen Wesenszüge der Shires. Sie sind zutraulich, ruhig und sanftmütig. Beeindruckend ist ihr Gang. Spaziergänger und Radfahrer, die am Shire-Hof in Bargum vorbeikommen, geraten ins Schwärmen, halten nicht selten an, um sich die schönen Tiere anzusehen.

Beheimatet sind die Kaltblüter in England. Sie stammen aus den Shires, den mittelenglischen Grafschaften Derbyshire, Leicestershire, Lincolnshire und Staffordshire. Geschätzt wurde die Rasse bereits im Mittelalter, sie diente als Zug- und Arbeits-, aber auch als Kampf- und Turnierpferd, denn ein stark gepanzerter Ritter hat Gewicht. . .

Ingwer Leddin – er trägt einen Lederhut und ein karriertes Hemd –, steht am Zaun und blickt auf die Herde. Platz haben die derzeit 20 Shires in Bargum reichlich. 14 Hektar eigenes Land in unmittelbarer Nachbarschaft gehören zum Hof der Leddins. „Der Besitz stammt von meinen Eltern“, sagt der Züchter. Einst wurde dort Landwirtschaft betrieben. Doch seit den 1970er-Jahren ist es damit vorbei. „Viele Bauern gaben damals ihre Höfe auf und arbeiteten im nahen Bundeswehr-Depot.“ Der Bargumer selbst arbeitet im Schichtdienst als Industriebuchbinder und ist auch mal zehn Jahre zur See gefahren. Fernsehabende? Die gibt es für das Paar kaum – schon gar nicht im Sommer. Dafür ist auf dem Hof zu viel zu tun: die Pferde müssen raus, die Koppeln abgeäpfelt werden. Dazu kommen mähen, dreschen, Heu machen, Zäune aufbauen, kontrollieren und reparieren. Und dann natürlich die Fütterung. Sie ist bei jedem der Pferde individuell: Wasser und Heu, haferfreies Müsli, eingeweichte Rübenschnitzel und Mais. Zugefüttert werden auch Mineralstoffe. Und dann ist da noch die Fell- und Hufpflege. Der Shire-Tag beginnt um 7.30 Uhr und endet häufig gegen Mitternacht. „Wir machen alles selbst. Es ist viel Arbeit, aber es macht auch viel Spaß“, ist sich das Paar einig. Häufig sitzen Manuela und Ingwer Leddin in einer ruhigen Minute und schauen bei einem Becher Kaffee einfach nur ihren Pferden zu.

Die ehemaligen Kuhweiden sind ein Paradies für ihre Shire-Horses. Starkregen, abgegraste Flächen? Kein Problem. Platz zum Umkoppeln gibt es reichlich. „Ohne viel Land wäre so eine Zucht gar nicht möglich“, sagt Ingwer Leddin.

Wie sind Manuela und Ingwer Leddin darauf gekommen, eine Shire-Farm aufzubauen? „Es war 2001. Wir hatten damals noch gar keine Ahnung von Pferden, haben nie zuvor eines besessen, waren noch nie geritten. Das haben wir uns später selbst beigebracht“, erzählt Manuela Leddin. „Gestolpert“ sind sie über eine Anzeige, in der ein Shire-Horse angeboten wurde. „Wir fanden, dass sie die richtigen Pferde für uns sind.“ So erfüllten sie sich einen Traum – und mussten Lehrgeld zahlen. Was sie zu spät bemerkten: Das Tier hatte einen Senkrücken. Robin blieb dennoch bei den Leddins.

Weitere Shires für ihre Zucht fanden sie in Dänemark. „Dort kauften wir unsere erste tragende Stute.“ Ein Glücksfall war für die jungen Züchter, als sie auf der Suche nach einer Hufschmiede in Kropp bei Schleswig auf den Hengst Kevin stießen. Eineinhalb Jahre später hatte auch er sein neues Zuhause in Bargum. 13 Jahre ist Kevin alt, pechschwarz, mit weißen Unterbeinen und einer schier endlos scheinenden Mähne.

Mittlerweile sind alle Pferdefellfarben auf dem Hof der Leddins zu entdecken. Der älteste der Kaltblüter ist der 23-jährige „Braveheard Stable Prince“. Und dann ist da noch Gipsy. Zwei Tage vor dem Schlachttermin retteten Leddins die heute elfjährige Schimmelstute, peppelten sie wieder auf. „Den Schweif bei einem Schimmel sauber zu bekommen – das ist allerdings ganz schwierig“, lacht Ingwer Leddin. Zwei der Shires werden als Kutschpferde eingesetzt. Schwierig ist es immer wieder, die passende Ausrüstung für die riesigen Tiere zu bekommen. „Herkömmliche Trensen oder Halfter passen nicht. Da muss man sich mit Shire-Vereinen kurzschließen – oder nach England fahren.“ Zweimal im Jahr nehmen die Bargumer am Shire-Horse-Stammtisch Norddeutschland in Hamburg teil. Die Gemeinde der Shire-Fans in Deutschland ist eine kleine, aber auch eine eingeschworene. „Es gibt vielleicht 1500 Tiere im ganzen Land“ , schätzt das Paar.

Das Geld für ihre Pferdezucht stammt unter anderem aus dem Verkauf, der Unterbringung und Verpflegung von Gasttieren sowie der Vermietung von Ferienwohnungen an Pferdefreunde (www.nordsee-shire.de) wieder herein. Und was lieben die Leddins an ihren Kaltblütern besonders? „Die Ruhe, die sie ausstrahlen“, sagt Manuela Leddin. „Und die Momente, wenn die Fohlen zur Welt kommen“, fügt sie hinzu.

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