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Gemeinde Stedesand : Sammelheizung könnte schon zu Weihnachten laufen

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Für ein gemeinsames Wärmenetz wurde der Gemeinde jetzt Fördergeld bewilligt. Einige Haushalte werden demnächst mit Biogas heizen.

shz.de von
erstellt am 18.Jul.2017 | 11:00 Uhr

Das Stedesander „Quartierskonzept“ wird von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt. Die nationale Förderbank hat jetzt den Antrag der Gemeinde auf finanzielle Förderung bewilligt – damit ist ein weiterer Schritt getan, um den geschlossenen Ortskern (das Quartier) zentral mit Wärme aus Biogas zu versorgen. Einen weiteren Teil der Kosten sollen das Land Schleswig Holstein sowie die Gemeinde selbst übernehmen. Im nächsten Schritt wird nun ein passendes Ingenieurbüro gesucht. Noch in diesem Sommer sollen die ersten Leitungen verlegt werden. Um ein gemeinsames Wärmenetz auf die Beine zu stellen, hatte sich zuvor eine Genossenschaft gegründet – das Kieler Beratungsunternehmen Treurat und Partner (Abteilung Klimaschutz), das seiner Dienstleistungsofferte den Namen „Quartierskonzept“ gegeben hat, unterstützt die Planung (wir berichteten).

„Das Heizen mit Biogas hat einen positiven Effekt für die Umwelt, da die Emissionen durch die Erdöl-Heizungen wegfällt“, sagt Bürgermeister Stephan Koth. Wenn viele Menschen im Dorf die Aktion unterstützten, sei die Umstellung für alle preiswerter. „Wir bekommen eine Art Sammelheizung, die rund 20 Jahre Laufzeit hat“, sagt er. Das Biogas soll demnach aus einer entsprechenden Anlage in Trollebüll kommen. Von dort wird eine Gasleitung bis nach Stedesand verlegt – auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr werden hier zwei Motoren Strom erzeugen und dabei Wasser erwärmen, das über Leitungen in die entsprechenden Häuser geleitet wird, sagt der Bürgermeister. Damit sollen dann auch das Stedesander Gemeindehaus sowie die Turnhalle und der Kindergarten beheizt werden. Sie liegen im Quartiers-Gebiet, das sich westlich der Bundesstraße 5 (B  5) zwischen Alte-Soholmer-Au und Bahnlinie erstreckt.

Das Quartierskonzept der von T+P für Stedesand liegt seit Februar diesen Jahres vor. Ende September 2015 hatte die erste Infoveranstaltungen zum Thema stattgefunden. In ihrem Konzept hatten die Experten zuvor die Umsetzbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Wärmnetzes geprüft. Danach ist ein wirtschaftlicher Betrieb eines Wärmenetzes möglich, heißt es dort.

„Wir haben anhand der Wärmeverbräuche der Gebäude, der Wärmenetzlänge und der Interessenbekundung der anwesenden Gründungsmitglieder ein wirtschaftlich umsetzbares Wärmenetz auf der Basis von erneuerbaren Energien identifiziert,“ fasst Gerrit Müller-Rüster, Projektleiter von T+P, das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zusammen, die der Gründung einer Genossenschaft vorausgegangen war. Die Mitglieder dieser sogenannten Wärmegenossenschaft zahlen je 1500 Euro Genossenschaftsanteil, sagt der Experte. Hinzu kommen die Kosten für den Ausbau und die fachgerechte Entsorgung der alten Ölheizungen aus den Häusern.

Ziel sei es, den CO2-Ausstoß zu verringern und somit einen Teil zum Klimaabkommen von Paris beizutragen. Vorteil für die Nutzer sei – neben dem Umweltaspekt – „dass sie preisstabil erneuerbare Wärme in ihr Haus bekommen“, sagt Müller-Rüster. Die finanzielle Ersparnis im Vergleich zur Ölheizung sei bisher „sehr gering“. Steige der Heizöl-Preis jedoch, sei die finanzielle Ersparnis „massiv“, da der Nutzer unabhängig sei von den fossilen Energieträgern. Hinzu komme, dass die Gemeinde ihr Geld für die Energie vor Ort ausgebe.

Im nächsten Schritt soll jetzt unter anderem eine Tiefbaufirma gefunden werden, die die Wärmenetz- und Biogasleitungen verlegt. „Wir hoffen, dass es in vier Wochen losgeht“, sagt Müller-Rüster. Plan sei, dass die Mitglieder zu Weihnachten spätestens alle an das Netz angeschlossen sind. „Der Erfolg des Wärmenetzes ist auf die sehr aktiven Bürger zurückzuführen – da sind wir wirklich stolz“, sagt er. Das „nachbarschaftliche Gemeindegefüge“ habe dazu maßgeblich beigetragen, dass das Konzept in Stedesand aufgeht. 2015 hatten sich zunächst nur wenige Hausbesitzer für die Wärmenetzplanung interessiert – inzwischen sind 65 Hausanschlüsse Teil der Genossenschaft.

Die Maßnahme kostet 60  000 Euro und wird durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), das Land Schleswig-Holstein sowie die Gemeinde finanziert. 65 Prozent übernimmt die KfW, ein Fünftel steuert das Land bei, den Rest zahlt die Gemeinde. Mit dem Geld wird die Umsetzung, werden also die an der Planung Beteiligten, wie Ingenieure, Betriebswirte sowie eine Energie-Beratung im Ort bezahlt.

Im Zuge des Konzeptes werden die Bewohner der gesamten Gemeinde – auch außerhalb des Quartiers – zur energetischen Sanierung beraten und ihnen gezeigt, wie sie mit wenig Aufwand Heizkosten sparen können.

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