Pilzesammeln in Leck : Saison ist noch nicht zu Ende

Förster Jörn Frank bei den eingegangenen jungen Buchen, die nach den jüngsten Orkanen angepflanzt wurden.
1 von 3
Förster Jörn Frank bei den eingegangenen jungen Buchen, die nach den jüngsten Orkanen angepflanzt wurden.

In diesem Jahr sprießen die Pilze aufgrund der Witterung auch jetzt noch im Langenberger Forst.

shz.de von
17. Oktober 2018, 15:17 Uhr

Der Sommer war warm und trocken – kein gutes Wetter also für Pilze? „In diesem Jahr habe ich bisher nur wenige Pilzsammler im Langenberger Forst gesehen, also kann man schon sagen, dass es kein besonders gutes Pilzjahr ist. Aber gerade momentan sprießen sie an einigen Stellen aus dem Boden“, berichtet Jörn-Hinrich Frank, Förster im Langenberger Forst. Darunter seien vor allem die essbaren Maronen. Allerdings an Stellen, die man kennen oder nach denen man etwas länger Ausschau halten muss.

Wer sich gerne auf die Suche nach Pilzen machen möchte, sollte einiges beachten. Allen voran steht die Einhaltung der Naturschutzregeln. Und für das Pilzesammeln gilt: Nichts mitnehmen, was man nicht mit Namen benennen kann. „Um zu schauen, um welchen Pilz es sich handelt, muss er nicht abgeschnitten oder gar rausgerissen werden, dass kann man auch am Boden“, sagt der Förster und fügt an: „Mich ärgert es wirklich wahnsinnig, wenn ich im Wald zahlreiche abgeschnittene und dann weggeworfene Pilze finde. Viele Menschen haben nicht mehr das Wissen, zu erkennen, wann ein Pilz schon zu alt ist, schneiden in ab und werfen ihn dann weg, wenn er schon Wurmfraß hat. So etwas muss nicht sein.“

Auch geschützte Exemplare sind selbstverständlich absolut tabu: „Alles, was auf der roten Liste steht, darf natürlich nicht gesammelt werden“, so Frank.

Etwas vertrackt ist, dass es bei vielen essbaren Pilzen ein optisch fast identisches, aber giftiges Gegenstück gibt. Für den Laien ist oft nicht ersichtlich, um welchen Pilz es sich handelt – giftig oder nicht giftig. Vor allem der Knollenblätterpilz, dessen Farbe zwischen hellgrün und weiß sein kann, sieht dem Champignon zum Verwechseln ähnlich, ist aber hochgiftig. In diesem Jahr seien jedoch bis Ende September nur an die 100 Notrufe mit Verdacht auf Pilzvergiftungen eingegangen, wie Andreas Schaper vom Giftinformationszentrum Nord (GIZ-Nord) mitteilte. Das GIZ-Nord mit Sitz in Göttingen ist zuständig für Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein (wir berichteten).

Wer also lieber auf Nummer sicher gehen möchte und trotzdem einem kleinen Nervenkitzel nicht abgeneigt ist, der könnte zur „Hexer-Marmelade“ mit Fliegenpilz greifen, die in der Marmeladen Manufaktur Nordfriesland hergestellt wird.

Ja, richtig gelesen, Marmelade mit Fliegenpilz. Wie kommt man denn auf die Idee? „Ich wollte eine Marmelade kreieren, in die Zutaten kommen, die sonst keiner hat, und da bin ich auf den Fliegenpilz gekommen“, verrät Uwe Glashoff, der die Küche seiner Manufaktur „Hexenküche“ nennt und selbst als Hexenmeister bezeichnet wird. Da lag es natürlich auf der Hand, dass etwas Giftiges hinein muss. Aber – keine Sorge – natürlich steht Uwe Glashoff nicht in Stedesand und schnippelt Fliegenpilze in einen Kochtopf. Das Ganze wird in Tropfenform dazugegeben und stammt aus der Königlich Privilegierten Apotheke in Leck. „Das Mittel findet in der Homöopathie Anwendung und ist in dieser verdünnten Form natürlich nicht giftig“, verrät eine der Medizinisch-technischen Assistentin der Apotheke. Damit alles wirklich unschädlich für den Konsumenten ist, bezieht Uwe Glashoff das Produkt nur aus der Lecker Apotheke.

„Ich habe davon schon mehrere Gläser verschenkt, weil ich die Idee witzig finde“, berichtet Jörn–Hinrich Frank.

Nicht nur der Fliegenpilz, auch andere Pilze finden in der Naturheilkunde Anwendung. Kein Wunder also, dass sie als Schätze des Waldes bezeichnet werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen