zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 16:38 Uhr

Sächsisches Temperament zündete

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„Nobody knows“ bot bei ihrer Premiere im Charlottenhof neben Folk und deutscher Dichtung auch Eigenkompositionen und freche Texte

von
erstellt am 12.Okt.2014 | 15:03 Uhr

Eine wilde Truppe aus dem Osten der Republik gastierte am Sonnabend im Charlottenhof. „Nobody knows“ war erstmalig da und bot mit eigenem Witz einen rasanten Mix aus Irish Folk, deutscher Dichtung, Polka, Eigenkompositionen, klassischer Musik und Weltmusik. Traditionell dargeboten mit Fiedel, Gitarre, Kontrabass, Bassbalalaika, Mandoline und Schlagzeug. Das Publikum ließ sich schnell anstecken von dem ungeheuren Tempo, einem Zigeuner-Punk mit frechen eigenen Texten.

So ging es bereits zum Anfang um eine Angebetete, sie hat „nen Po“. Die Zuschauer waren bald im Klatsch- und Tanzmodus; freuten sich über „Rapunzel, lass dein Haar herunter“ und weitere Anklänge an die Klassiker. So wurde die Loreley ziemlich verrockt; ein Mitsingsong, auf Loreloreloreley. Alles geht, sagte sich der Frontmann Max. Er, der Ethik und Deutsch studiert, nun aber statt Lehrer Musiker wird (eine weise Entscheidung) war die treibende Kraft. Er sorgte mehr als ordentlich für Stimmung, brachte natürlich Ossisprüche ein; frei nach dem Motto, wir haben die besseren Straßen, spielen aber nicht für Bananen. Erstaunlich, wie tief der Stachel nach 25 Jahren noch sitzt.

Gleichwohl war rein musikalisch alles drin. Perfektes Handwerk, viel Spielfreude, eine überzeugende Show. Die Musiker, die fast alle aus Stendal kommen, wirkten unverbraucht, hatten sichtlich ein Bärenvergnügen daran, die Besucher zu entflammen. Und so jagte ein Lied das nächste, zunächst ohne Pause. Der singende Germanist jonglierte immer wieder mit der Sprache, mit Heine und Goethe, setzte Alltagssprüche hintereinander; hat sogar Wilhelm Busch vertont. Max und Moritz, grandios. Der Tanz aller Sachsen faszinierte ebenso wie das Kinderlied der Chinesen mit dem Kontrabass.

Und gleich folgte als Kontrast der wüste „Ring of fire“ von Jonny Cash. Beim Knutschlied ging es über Romeo und Julia bis zu Adam und Eva, bis bald danach die schottische Nationalhymne ertönte. Diese Musikmaniaks verballhornten „I wish you were here“ ebenso gekonnt wie „You are my sunshine“ auf sächsisch. Nicht war ihnen heilig, fast die komplette Musikgeschichte wurde aufgerollt. Zwischendurch musste das Publikum mitmachen, wurde aufgefordert sich zu empören, mitzusingen, zu tanzen. Die Friesen ließen sich nicht lange bitten, und wagten sogar den Wettstreit der Geschlechter im Gesang. Angestachelt hüpfte selbst der sonst so seriöse Arzt in die Höhe, während die Damenriege vor der Bühne auf Duracellhase umgestellt hatte. Der wahre Tanzmarathon!

Die Besucher waren sich einig, dass die Gruppe bald mal wiederkommen sollte. Doch zuvor gab es eine lange Reihe an Zugaben; die mit einem wunderbaren Lied endete: Sing ein Lied für mich. Dies summten und sangen die Zuschauer noch auf dem Nachhauseweg. Die Botschaft des Abends: mit Musik sprich Gesang geht eben alles besser. Die Musiker suchten das Gespräch, berichteten wie es zu dem kuriosen Namen kam. Nobody knows, man weiß nicht, was passiert, was geschieht. So war die Stimmung vor dem ersten Auftritt. Nun, inzwischen weiß man, was geschieht: ein tolles Konzert, ein super Auftritt der sächsischen Jungs.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen