Süderlügum : Rustikales Leben auf der Haidburg

Stammgäste: der Süderlügumer Sportverein. Foto: kon
Stammgäste: der Süderlügumer Sportverein. Foto: kon

Einrichtung im Süderlügumer Wald ist ein beliebter Treffpunkt für Jugendgruppen / TSV-Freizeit braucht dafür dringend Helfer

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04. Juli 2012, 06:55 Uhr

Süderlügum | Die Haidburg ist für viele Kinder und Jugendliche nicht nur im Raum Süderlügum, sondern in der ganzen Bundesrepublik ein Synonym für Erholung und Freizeitspaß. Viele Gruppen haben hier seit Ende des Zweiten Weltkrieges wunderbare Tage in dem Haus verlebt, das mitten im Wald gelegen ist. Die "Wikinger" waren die erste freie Jugendgruppe der Pfadfinder nach 1945, die sich sogar auf der Haidburg gründeten.

Ehemalige Hitlerjugendführer wollten gleich nach dem Krieg mit Hilfe der britischen Militärregierung, die ihren Sitz in Niebüll hatte, eine demokratische Jugendarbeit aufbauen. Durch einen Aufruf in einem Aushängekasten in Niebüll meldeten sich etliche Kinder und Jugendliche. Sie trafen sich zunächst privat in der Küche einer Mutter, bis sie von der Haidburg im Süderlügumer Forst erfuhren. Ein ehemaliges Wandervogelehepaar unterhielt das Haus im Wald, das über einen großen Gruppenraum mit Kamin verfügte. Geschlafen wurde im Stroh auf dem Dachboden. Es gab weder elektrischen Strom noch einen Waschraum, dafür aber eine Pumpe vor dem Haus, aus der übel nach Schwefel riechendes Wasser floss.

Schon nach dem ersten Aufenthalt stand für die Jugendlichen fest: Die Haidburg wird unser Stammsitz. Sie verbrachten fortan ihre gemeinsamen Wochenenden im Süderlügumer Forst. Als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu den "Wikingern" nähten Mütter der Mädchen und Jungen aus einer Hakenkreuzfahne Halstücher und einen Wimpel aus rotem Stoff mit schwarzem Wikingerschiff. Ihr Wahlspruch lautete: "Was du für andere tust, bestimmt den Wert deines Lebens".

Zu den eifrigen Nutzern des Hauses gehört der Süderlügumer Sportverein. Seine Freizeiten jähren sich zum 29. und vermutlich letzten Mal. Der Grund: Es finden sich keine ehrenamtlichen Betreuer mehr, und die Zahl der Jugendlichen ist rückläufig. "Die Kids wollen Fernseher und Computer", erklärte Betreuer Simon Kuhn. "Sie wollen eine Spülmaschine wie zu Hause und nicht selbst abwaschen."

Derlei Komfort gibt es auf der Haidburg bewusst nicht, um die Fantasie der Kinder zu aktivieren. Die 13 Mädchen und 16 Jungen haben in diesem Jahr wieder erkannt, wie toll es ist, sich in kleinen Gruppen lustige Sketche auszudenken, wie spannend eine Schnitzeljagd ist, wie viel besser selbst gebackene Pizzabrötchen schmecken, wie schön es ist, selbst eine Disco zu initiieren.

"Wir sind bei unseren TSV-Freizeiten auf der Haidburg auf Sponsoren angewiesen", erklärte Simon Kuhn, der sich zusammen mit sechs weiteren Betreuern um die Gruppe kümmerte. Nicht nur VR Bank und Süderlügumer Zentralmarkt haben sich spendabel gezeigt. Simon Kuhn: "Wir bekommen auch kleinere Spenden wie Chips, Süßigkeiten oder Getränke, die mithelfen, die Kosten für die Eltern erschwinglich zu gestalten." Der Süderlügumer TSV hofft, dass die Haidburg-Freizeiten eine Zukunft haben. Ohne Helfer wird es aber nicht gehen.

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