Rund 1000 Hektar Artenvielfalt

Ob Eichhörnchen, Vögel, Insekten oder Pflanzen: Der Langenberger Forst bietet zahlreichen Arten Lebensraum.
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Ob Eichhörnchen, Vögel, Insekten oder Pflanzen: Der Langenberger Forst bietet zahlreichen Arten Lebensraum.

Der Langenberger Forst wurde angepflanzt, um Verwehungen aufzuhalten und Holz zu liefern / Er bietet vielen Lebewesen Schutz und Nahrung

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29. November 2016, 14:11 Uhr

Südtondern ist nicht gerade das Land der Wälder, aber dennoch hat die Gegend im äußersten Nordwesten Einiges zu bieten. Dazu gehört vor allem der Langenburger Forst, der sich zwischen Leck und Stadum auf rund eintausend Hektar erstreckt und teilweise einen urwaldartigen Charakter annimmt, wie man ihn so gar nicht erwartet.

Angepflanzt wurden die Waldungen bereits 1878 auf sandigen Dünenflächen, die mit Heidekraut bewachsen waren. Durch die oftmals starken Stürme aus westlichen Richtungen wurden immer wieder große Mengen an Flugsanden verweht, die Felder, Wiesen und Höfe beeinträchtigten, sodass man sich entschloss, Laub- und Nadelbäume aufzuforsten, die die Verwehungen aufhalten und gleichzeitig für benötigtes Bau- und Brennholz sorgen sollten. So entstand in rund 140 Jahren ein Mischwald mit einer beachtlichen Artenvielfalt an Vögeln, Insekten und Pflanzen.

Zahlreiche Vogelarten sind nun aus nordischen Ländern bei uns eingekehrt und vermischen sich mit den heimischen Wintervögeln, treiben sich in Trupps umher und suchen in Wäldern und Knicks Schutz und Nahrung, was die freien Marschenlandschaften der nahen Küste nicht gewähren können. Bereits beim Betreten des Forstes, der sich mit einem Mal aus den Wiesen erhebt, trifft man jetzt auf Schwanzmeisen, kleinen kugeligen Geschöpfen, die mit lautem „Sirrr“ durch die Baumkronen huschen. Lauscht man jedoch in die dichten Fichtenzweige hinein, so wird man Goldhähnchen mit ihrem ganz feinen „Sisisi“ wahrnehmen, die kleinsten unserer Vogelwelt. In manchen Winterhalbjahren kommen riesige Scharen an Bergfinken aus Skandinavien zu uns, wirbeln wie Blätter durch das gefallene Laub, rauschen um die Bäume, als wehte ein Sturm herbei. Wer das einmal beobachtet hat, wird beeindruckt sein von der Einheit, die diese Finken bilden, ganz im Gegensatz zum heimischen Buchfink, der auch jetzt noch auf den Zweigen der Eichen sitzt und sein schwaches Lied anstimmt.

Der Langenburger Forst ist nicht nur der größte Wald Südtonderns, sondern hat auch den höchsten Berg von Nordfriesland, die Rantzauhöhe mit immerhin 45 Meter über dem Meeresspiegel. Bereits in frühester Zeit der Besiedlung durch Menschen spielte er eine wesentliche Rolle im ansonsten flachen Land. Steinzeitliche Grabhügel erheben sich hier und da, in denen Findlinge eingeschlossen sind, die Grabkammern bilden, die Hünengräber. Auch die Bronzezeit hat ihre Spuren hinterlassen. Der Ochsenweg führte von Dänemark hier entlang bis hinunter über die Elbe, wo früher Vieh entlang getrieben wurde.

Interessanterweise sind selbst im Winterhalbjahr eine größere Zahl an Schmetterlingsarten aktiv, die zu den Nachtfaltern gehören, wovon der spektakulärste wohl der Frostspanner ist. Wie der Name sagt, ist er ausgerechnet bei Frost am regsten. Aber selbst unter den Singvögeln gibt es einen, der im Winterhalbjahr zur Brut schreitet, der Fichtenkreuzschnabel. Das hat seinen Grund, sind doch nun überall die Samen der Fichten gut erreichbar, die er mit seinem gekreuzten Schnabel gut bearbeiten kann. Er ist damit perfekt an seine Nahrung angepasst und hat keine Konkurrenz.

Das ganze Jahr über sind die Spechte bei uns. Vom handgroßen Kleinsprecht bis zum krähengroßen Schwarzspecht sind sie vertreten, in hübschen bunten Farben von schwarz-weiß-rot bis hin zu grün. Sie tönen in ihren unterschiedlichen Rufen durch den Wald oder klopfen auf der Suche nach Larven die Baumrinde ab. Wunderschön sind nun die Pilze in großer Zahl gewachsen, manche schon eingeschrumpft, andere dagegen noch in voller Pracht. Alte verholzte Baumpilze hängen wie Burgen an den Stämmen abgestorbener Bäume, farbenprächtige Teppiche wachsen auf dem Totholz.

Gerade wenn die Sonne durch die Wipfel der Laubbäume scheint, erstrahlen die abgestorbenen Blätter noch einmal in herrlichstem Rot. Noch einmal öffnen sich die Vakuolen der Pflanzen und verströmen einen intensiven Herbstgeruch, während die Füße durch das gefallene Laub rascheln. Für viele Anwohner ist jetzt die schönste Zeit für einen Spaziergang durch den Langenburger Forst, und selbst kurze Tage haben im Wald ihren ganz eigenen mystisch anmutenden Reiz.

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