Schule aktuell : Ruhe und Freundlichkeit als Konzept

Es gibt drei Schulregeln: „Ich bin leise“, ...
1 von 4
Es gibt drei Schulregeln: „Ich bin leise“, ...

Verbote waren gestern: In der Grundschule an der Linde setzt das Kollegium auf einfache Regeln, die auch die Erwachsenen befolgen müssen.

shz.de von
28. März 2017, 06:00 Uhr

„Ich bin freundlich. Ich bin leise. Ich arbeite zielstrebig.“ Diese drei einfachen Regeln, klare Rituale und geänderte Zeiten in der Grundschule an der Linde bestimmen den Alltag: „Die Schule hat sich beruhigt. Das Verhalten und der Umgang der Schüler untereinander und mit den Lehrern sind freundlicher geworden“, sagt Schulleiter Jan Lietzau erfreut.

Die Grundschule an der Linde zeigt sich knapp drei Jahre nach der grundlegenden Sanierung in neuem Gewand und hat sich inhaltlich zu einer inklusiven Bildungseinrichtung gewandelt. Beste Voraussetzungen also, noch stärker auf die Bedürfnisse der rund 200 Schüler einzugehen. „Wir können auf ein luxuriöses Raumangebot zurückgreifen und diese Räume bestmöglich nutzen“, sagt der Schulleiter. Doch das Kollegium wollte mehr und fragte sich: „Können wir darüber hinaus noch optimieren?“

„Mach’ das nicht, lass’ dieses, höre auf, jenes zu tun, sei ruhig ….“ Die Erkenntnis, dass die Schüler viele „Verbots-Regeln“ zu beachten hatten, brachte den Stein ins Rollen. „Wenn man an der Schule etwas verändern will, dann müssen zunächst wir Lehrer unser Handeln ändern“, gibt der Schulleiter unumwunden zu. „Das Positive soll hervorgehoben werden. Wir möchten das gewünschte Verhalten ansprechen“, erklärt er die Intention des Kollegiums. In diesem Sinne haben alle Mitarbeiter wenige und einfache Regeln aufgestellt, an die sich alle, Schüler wie Erwachsene, halten müssen.

„Das intensive Arbeiten anhand dieser Regeln wird durch die starke Unterstützung der Schulassistenz und Schulsozialarbeit sehr bewusst wahrgenommen“, weiß Jan Lietzau und nennt ein Beispiel: „In Klassenratsstunden durch die Sozialarbeiterin wird regelmäßig das Verhalten, insbesondere das positive Verhalten der Gruppe und einzelner Schüler reflektiert“.

Was ist denn eigentlich freundlich? Diese Frage wird beantwortet, indem das positive Denken in den Fokus gerückt wird. Das wiederum führt dazu, dass sich nicht nur die Mädchen und Jungen, sondern auch die Lehrer sich wohler fühlen. Doch Jan Lietzau bleibt ehrlich: „Natürlich gibt es Konflikte, über die man reden muss. Aber die kann man anhand des Regelwerks konkreter als vorher lösen“.

Freundlich und leise sein, zielstrebig arbeiten: Neben dieser Zauberformel gibt es weitere Neuerungen im Schulalltag in der Eesacker Straße. „Klare Rituale am Anfang und Ende aller Stunden in allen Klassen setzen Strukturen und machen es den Schülern einfacher“, sagt der Schulleiter. Zum Beispiel beginnt der Tag mit einer „Organisationszeit“, das heißt, dafür zu sorgen, dass alle notwendigen Unterlagen und Materialien für die folgenden Unterrichtsfächer geordnet sind. Das spart Zeit und Stress. Den Impuls zu einer starken Ritualisierung bekamen zwei Kolleginnen beim Besuch der Ramsharde-Schule in Flensburg. „Abgucken macht Sinn“, nickt Jan Lietzau, räumt aber Anpassungen für die Grundschule an der Linde Schule ein.

Schließlich wurden auch die Schulzeiten geändert. Es gibt ein gemeinsames Frühstück, die dritte und vierte Stunde wurden zu einem 90-Minuten-Block zusammengefasst und die große Pause von zehn auf dreißig Minuten verlängert. Letzteres hat man von der Außenstelle Enge-Sande der Lecker Grundschule abgekupfert. „Es war der Wunsch, den Kindern mehr Schulhof-Zeit zu geben. Das ist uns gelungen und ein Riesengewinn“, bilanziert der Schulleiter und schwärmt von dem heutigen Schultag: „Die Kombination aus Schulordnung, Ritualisierung und geänderten Schulzeiten hat sich bewährt. Es ist deutlich ruhiger geworden für ein intensiveres Lernen und ein freundliches Miteinander.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen