Südtonderns Gemeinden : Ruhe-Oase auf Verjüngungskur

Karlums Bürgermeister Werner Richardsen nennt die Kirche „ein Highlight“.
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Karlums Bürgermeister Werner Richardsen nennt die Kirche „ein Highlight“.

Interviewserie: Karlums Bürgermeister Werner Richardsen spricht unter anderem über gute Luft und schlechte Straßen

shz.de von
13. März 2018, 10:00 Uhr

Karlum | Herr Richardsen, was macht Karlum aus Ihrer Sicht besonders?

Werner Richardsen: Es gibt bei uns viel Wald, viel Natur und dadurch viel Ruhe. Und wir haben hier nette Menschen. Ich wurde 1965 in Karlum geboren, bin hier aufgewachsen und ununterbrochen hier gewesen. Daher habe ich eine enge Bindung zu dem Ort. Aber auch Leute, die hier nur Urlaub machen, finden es toll. Es gibt ein Pärchen aus Freiburg, die waren hier und haben sich dann ein Haus gekauft. Sie haben gesagt: Ihr habt ja eine ganz andere Luft. Und das stimmt, weil es bei uns ständigen Luftaustausch gibt.

Wie viele Menschen leben in der Gemeinde?

Etwa 230 – das ist immer recht konstant. Es gibt eigentlich keinen Leerstand. Wir haben zwar länger mit dem ehemaligen Schulgebäude, das zwei bis drei Jahre leerstand, gehadert, aber das ist dann verkauft und sofort vermietet worden. Da sind wir auch froh drüber, weil das mit dem Gemeindehaus zusammen so ein bisschen der Mittelpunkt ist.

Zu dem Gemeindehaus gibt es eine besondere Geschichte ...

Das stimmt. Wir wollten damals ein Gemeindehaus, aber das durfte nicht viel kosten. Und weil wir zu der Zeit viele fitte Leute im Dorf hatten – es gab einen Zimmermann, einen Maurer, einen Elektriker und auch sonst fast alles –, kamen wir auf die Idee, das in Eigenleistung zu bauen. Also haben sich jung und alt am Wochenende getroffen und das Gemeindehaus gebaut. Da passte einfach alles zusammen.


Wo drückt in Karlum der Schuh, was muss sich in Zukunft ändern?

Breitband ist ganz wichtig, aber da sollten in ein, zwei, maximal drei Jahren alle versorgt sein. Ansonsten ist vor allem Straßensanierung und -erneuerung ein großes Thema. Das ist hier oben allgemein ein Problem, da fühlt man sich manchmal abgehängt. Wir haben Straßen, die 30 Jahre nicht erneuert worden sind. Wenn sich da Schulbus und Lkw treffen, dann muss einer von der Kante runter – und das ist bald nicht mehr machbar, so abschüssig und kaputtgefahren wie die Straßen sind.

Haben Sie ein Beispiel?

Die Landesstraße, die durch das Dorf geht, ist mit ihren Absätzen und Schlaglöchern ein krasses Beispiel. Das ist eigentlich nicht mehr verantwortbar. Wenn man aber beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr anruft, heißt es leider immer, da ist kein Geld. Andererseits wird so viel Geld in Flickschusterei gesteckt, das verstehe ich nicht. Dann sollen sie lieber mal ein Stück neu machen. Vielleicht muss ich die Telefonnummer mal im Dorf verteilen, damit alle Karlumer dort anrufen.

Wie ist die Altersstruktur in der Gemeinde?

Wir sind ein bisschen auf Verjüngungskur und haben im Vergleich zu anderen Gemeinden unserer Größenordnung fast doppelt so viele Kinder. Dadurch ist das Durchschnittsalter in den vergangenen Jahren gefühlt geringer geworden.

Was gibt es für Angebote?

Es gibt ein Sommerfest, zu dem alle Einwohner kommen können. Dann ist die Freiwillige Feuerwehr sehr aktiv und macht zum Beispiel ein Lottospielen. Außerdem machen wir jedes Jahr gemeinsam mit Westre eine Seniorenweihnachtsfeier, wir haben ein Biikebrennen und normalerweise auch eine Maifeier. Ein Highlight ist natürlich die Kirche, wo der Freundeskreis um Karin Tuxhorn viel macht. Wenn da Konzerte sind, ist die Kirche rappelvoll.

Wie ist es mit einem Sportverein?

Da sind wir an den TSV Ladelund angegliedert, genau wie bei Grundschule und Kindergarten.

Was nervt Sie an der Kommunalpolitik?

Das sind viele kleine Sachen. Wenn man eine Sache hat, die nur das Dorf betrifft, zum Beispiel einen Hausbau – da wird das Amt mit eingebunden, der Kreis und teilweise sogar das Land. Ist das nicht ein bisschen weit hergeholt? Ich finde alles, was vor Ort an normalen Bauten stattfindet, sollte maximal auf Amtsebene in Niebüll entschieden werden. Das muss nicht beim Kreis oder Land landen.

Sie sind seit 2010 Bürgermeister. Gibt es einen Moment, wo Sie sagen: Darum bin ich Bürgermeister geworden?

Es gibt keinen bestimmten Moment. Ich habe, obwohl es viel Arbeit ist, einfach Spaß daran. Das ist das, was ich mir auch wünsche für die Gemeindevertretung. Es ist ein Ehrenamt, und da sollten alle Spaß dran haben. Ich für meinen Teil freue mich jedes Mal, wenn wir uns treffen.

Werden Sie im Mai erneut kandidieren?
Das werde ich. Und wenn ich gewollt bin, mache ich auch gerne weiter.

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