Zuschussgeschäft : Rückläufige Essenszahlen in der Mensa

In der Lecker Kantine stehen mittlerweile täglich zwei Mahlzeiten zur Auswahl.
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In der Lecker Kantine stehen mittlerweile täglich zwei Mahlzeiten zur Auswahl.

Die Zahl der Mahlzeiten pro Woche ist um rund die Hälfte gesunken. Der Schulverband Karrharde stimmt einer Erhöhung des Zuschusses pro Gericht zu.

shz.de von
17. Juli 2015, 07:00 Uhr

„Wir wollen die Mensa stärken und sichern. Sie ist ein Qualitätsmerkmal der Gemeinschaftsschule an der Lecker Au“, bekräftigte der Vorsteher des Schulverbandes Karrharde, Dirk Enewaldsen. Das sahen die Gremiums-Mitglieder bei ihrer jüngsten Sitzung ebenso und stimmten der Erhöhung des Zuschusses pro Essen von 50 Cent auf einen Euro zu.

Der Grund für diese Anhebung liegt darin, dass die Essenszahlen nach Umstellung auf das automatische Bestellsystem ab Februar deutlich zurückgegangen und für den Mensabetrieb nicht mehr rentabel sind. Rund 60 bis 70 Essen wurden zum Schluss wöchentlich aufgetischt, 130 bis 140 waren es einmal, wie Dirk Enewaldsen vorrechnete. Die Pächterin der Mensa in der Sportlerklause, Anja Steinbeiß, erinnert sich an noch höhere Zahlen. Die Schüler zahlen weiterhin drei Euro pro Mahl.

In den Jahren zuvor genügten schriftliche Anmeldungen, um den Schülern der Gemeinschaftsschule wie auch der Grundschule, die die Offene Ganztagsschule nutzten, ein vorgeschriebenes Tagesgericht zu servieren. In diesem Halbschuljahr sollte durch das neue Bestellsystem der bürokratische Aufwand gemindert und den „Mittagskindern“ mehr Vielfalt geboten werden. Denn die Schüler konnten ihre Wahl nicht nur am heimischen Computer, sondern auch an einem Terminal in der Gemeinschaftsschule buchen. Spätentschlossene konnten sich bis 10.30 Uhr für ein Tagesgericht entscheiden. „Viele Eltern haben es nicht geschafft, im Internet ihre Kinder zum Essen anzumelden und die Gerichte auszuwählen“, meinte der Verbandsvorsteher. Und wenn ja, dann hätten Etliche die Bezahlung nicht „hingekriegt“. Die Folge: Schüler, die mit ihrem Chip das Mittagsmahl abholen wollten, gingen im wahrsten Sinne leer aus: Es war kein Geld auf ihrem Konto. Für Härtefälle war bereits der Schulverband eingesprungen und die Gemeinde der Pächterin entgegengekommen.

„Die Kinder, die weggebrochen sind, für die ist eine warme Mahlzeit eine Sensation“, meinte Schulleiter Holger Karde. Man müsse einen Weg finden, diese Schüler wieder zurückzuholen. Diese Überlegung teilte das Gremium. Dirk Enewaldsen schlug vor: „Wir sollten den Eltern die Möglichkeit bieten, auch in schriftlicher Form das Essen für ein halbes Jahr zu bestellen und die Kosten von uns abbuchen zu lassen“.

Auf der Sitzung angesprochen wurden ebenfalls kritische Anmerkungen über die Qualität des Essens. „Wir haben Gespräche geführt und es funktioniert jetzt“, erklärte Dirk Enewaldsen. „Es ist kein 3-Sterne-Essen und auch nicht von Johann Lafer gekocht, aber es ist genießbar und in Ordnung“, hieß es. „Qualität und Geschmack – das sind zwei Paar verschiedene Schuhe“, unterstrich Sabine Detert, über Geschmack könne man sich nicht streiten.

Noch nicht spruchreif, aber angedacht ist es, wie der Vorsteher formulierte, eventuell ein Projekt in Verbindung mit einer Ernährungsberaterin zu starten.

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