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Südtondern historisch : Rotsandstein mit Familien-Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Unter einer Zypresse war sie fast in Vergessenheit geraten: Nun wurde eine Grabplatte aus dem 18 Jahrhundert restauriert und neu aufgestellt

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Eine historische Grabplatte aus dem 18. Jahrhundert ziert jetzt die südliche Außenwand der St. Johannes-Kirche zu Neukirchen. An dem fast zwei Meter mal 135 Zentimeter großen Gebilde aus Rotsandstein fehlt die linke obere Ecke. Die Platte gehörte einst zur Hof-Grabstelle einer Familie Paysen von Segelsbüll und lag bisher unter einer großen alten Zypresse auf dem Neukirchener Friedhof. Auf der anderen Seite der Zypresse hatten die Vorfahren der heutigen Familie Petersen von Segelsbüll ihre Grabstelle.

Dass die Grabplatte nun erhalten bleiben kann, ist dem Vorsitzenden des Bau- und Finanzausschusses der Kirchengemeinde Neukirchen Jochen Seeger sowie Telse Kühn, geborene Hofmann, aus Gifhorn zu verdanken. Sie entstammt der zehnten Generation der Familie Paysen und betreibt seit einem Familientreffen 1991 in Bremen Ahnenforschung. Dabei ist sie im großelterlichen Haus von Dr. Carl Paysen in Mölln darauf gestoßen, dass ihre Familie mütterlicherseits vom Hof Segelsbüll abstammt.

Um 1640 heiratete dort Andreas Paysen eine Gönke geborene Feddersen von Segelsbüll. Deren Nachfahren blieben 160 Jahre auf den Höfen, bevor der letzte Paysen (Matthias Friedrich) diese an seinen Cousin Mathias Lorenz Tüchsen verkaufte. Dieser wiederum veräußerte den Betrieb 1830 an Peter Nikolay Petersen, dessen Nachfahren den Hof noch heute bewirtschaften. Bei einem Besuch der Familie Petersen auf Hof Segesbüll in den neunziger Jahren hatte Telse Kühn dann von der Grabplatte ihrer Vorfahren auf dem Neukirchener Friedhof erfahren.

Die Platte muss schon zu Lebzeiten des damaligen Hofbesitzers Peter Paysen und seiner Frau Ancke Peters in Auftrag gegeben worden sein. Er verstarb 1732 und sie 1750, aber diese Zahlen sind ebenso wie das Lebensalter im Text auf der Platte nicht ausgefüllt. So steht dort unter anderem: „Peter Paysen aus Seggelsbüll ist gestorben Ao 17__ seines Alters __Jahr. Benebenst seine Frau liebste die Tugendtsahme Fr. S. Ancke Peters ist gestorben Ao 17__ ihres Alters __ Jahr und haben zusammen gelebet __ Jahr ...“ Telse Kühn wollte die Grabplatte unbedingt erhalten und wandte sich an das Landesamt für Denkmalpflege in Kiel. Da der Grabstein wegen des Alters zwar unter Denkmalschutz steht, aber rechtlich Eigentum der Kirchengemeinde Neukirchen ist, wurde sie von dort an Jochen Seeger verwiesen.

Dieser stellte dann vor gut zwei Jahren in Absprache mit Telse Kühn dafür einen Antrag auf kirchenaufsichtliche Genehmigung zur Restaurierung. Dieses Verfahren zog sich hin, da abgeklärt werden musste, wer die Platte wie restauriert und wo sie schließlich angebracht werden sollte. Dann konnte die Steinrestaurateurin Stephanie Silligmann aus Brunsbeck bei Hamburg endlich vor Ort in Neukirchen mit der Arbeit beginnen. Dieses geschah akribisch mit Dampfreiniger und einer Zahnbürste. Sie brauchte dafür nur wenige Tage. Danach setzte ein Steinmetz aus Niebüll des historische Werk auf einen Sockel an der Kirchenwand. Die Gesamtkosten für die Restaurierung von 4000 Euro hat Telse Kühn als Spende zur Verfügung gestellt.

Die Grabplatte ist bereits 1939 im vom Deutschen Kunstverlag Berlin erschienenen zweiten Kunstführer „Die Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein“ aufgeführt.


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