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Nordfriesland Tageblatt

20. August 2017 | 09:58 Uhr

Naturschutz : Rodenäs will Bienendorf werden

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit der Wettbewerbsidee „Bienenfreundlichste Kommune Schleswig-Holsteins“ rannte der BUND offene Türen ein

Auf der Landkarte der Bundesrepublik Deutschland „ganz oben“ findet man die Grenzgemeinde Rodenäs. Die Hobbyfussballer nahmen den Namen ihres Dorfes zum Anlass, ihrem Club den Namen „Red Nose City“ zu geben. Aber das Grenzdorf hat noch mehr Besonderheiten. Skandinavischem Brauch folgend, duzt man sich und sagt zum Gemeindeoberhaupt nicht „Herr Bürgermeister“ sondern „Hallo Jörg“.
Das gilt im „Du-Dorf“ auch für Forstamtmann a.D. Berndt. Dem ehemaligen Bad Schwartauer Revierförster darf man getrost ein „Moin Rolf“ zurufen, wenn man ihm im Ortsteil Markhäuser begegnet. Rolf Berndt und Jörg Nissen haben jetzt etwas Neues angeschoben und sind dabei, die Gemeinde zu einem „Bienendorf“ zu machen.

Mit der Wettbewerbsidee „Bienenfreundlichste Kommune Schleswig-Holsteins“ rannte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Rodenäs offene Türen ein. „Wir machen mit“, verkündete Bürgermeister Jörg Nissen – und fand in Rolf Berndt einen engagierten Mitstreiter. Und das nicht nur, weil der pensionierte Forstbeamte Imker ist und an seinem Garten 18 Honigbienen-Völker summen. Er war und ist ohnehin professioneller Naturschützer und verfügt über ein erstaunliches botanisches Wissen verfügt.

Es sei kein Geheimnis, sagt Rolf Berndt, dass es mit der Artenvielfalt in einer intensiv bewirtschafteten Kulturlandschaft nicht weit her ist. Blütenreiche Feldraine und Brachen sind Vergangenheit. Großflächige Weizen-, Raps und Maiskulturen bestimmen die Agrarlandschaft heute. So gibt es jetzt bereits einen „Vertragsnaturschutz“, der über die Landgesellschaft beantragt werden kann – eine Art Abmachung zwischen Imker und Landwirt. Letzterer kann dafür entschädigt werden, wenn er Flächen als „Bienenweide“ abzweigt. Auch bei der Schaffung von „Acker-Lebensräumen“ würden lebendige Vielfalt und hohe Ertragsleistungen einander nicht ausschließen. Diese Erkenntnis gelte es zu verbreiten. Konkret bedeute es, mit den Landwirten zu reden, sagt Rolf Berndt und fügt hinzu: „Es ist an der Zeit, der Natur wieder etwas zurück zu geben.“

Die Gemeinde Rodenäs ist dabei, etwas zu tun und hat im Rahmen dieses Wettbewerbs schon ein Zeichen gesetzt – und eine Fläche von zwei Hektar, verteilt auf mehrere kleine Parzellen, aus der Bewirtschaftung genommen und Bienenweiden angelegt. Auf den Flächen wurde im Mai ein Blumengemisch angesät. Inzwischen sei die Saat aufgegangen. „Es wurde ein Volltreffer“, bewerten Jörg Nissen und Rolf Berndt das bisherige Ergebnis, gemessen nicht nur an der Blüte, sondern vor allem an der Musik, die aus den kleinen Bienenweiden heraussummt, die nicht nur die Honigbienen anstimmen, sondern eine Vielfalt von Wildbienen, Schmetterlingen und Insekten. Dann und wann sind in den Parzellen auch Fasan, Rebhuhn, Hase und Rehe zu sehen. Rolf Berndt will dort auch Mauer-, Sand- Maskenbienen und Goldwespen gesehen haben.

Die Rodenäser haben weitere Pläne. Unter anderem sind „Insektenhotels“ geplant, bestehend aus Holz und Staudenstängeln. Die Emil-Nolde-Schule wirkt am angestrebten Bienendorf mit. Mit dabei seien die Jagdgemeinschaft, die Jagdgenossenschaft, der Naturschutzverein Wiedingharde und auch bereits zwei Landwirte.

In einer Veröffentlichung des BUND heißt es, mit dem Wettbewerb werde angestrebt, die Lebensgrundlagen für Blüten besuchende Insekten in Dörfern und Städten zu verbessern. Die Honigbiene diene in diesen Bestrebungen als Zugpferd. Die Bienen und andere Blütenbesucher seien bekanntermaßen für die Bestäubungsarbeit von europaweit 150 Nutzpflanzen 80 Prozent der Wildpflanzen unverzichtbar. „Sie sichern die Erträge der Landwirtschaft – und damit unsere Ernährung.“

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erstellt am 08.Aug.2015 | 05:00 Uhr

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